[echo] SPEED – Acht Filme über, mit und auf Amphetamin
cornelia sollfrank
cornelia at snafu.de
Tue Feb 26 15:17:12 CET 2008
SPEED
Acht Filme über, mit und auf Amphetamin
Amphetamin erlebte als Medikament gegen die psychische
Normabweichung ADHS und als illegale Neuauflage in Form des
Rauschmittels »Crystal« in den vergangenen Jahren ein Comeback. Hinter
der mittlerweile fünfundsiebzig Jahre anhaltenden Karriere der Droge
lässt sich auch eine erstaunliche Geheimgeschichte des 20.
Jahrhunderts erkennen. Sie handelt von Beschleunigung,
Produktivitätssteigerung, Grenzüberschreitung in der Kreativität und
Körpergestaltung. An ihren Schauplätzen, zu denen immer wieder das
Kino zählte, wird deutlich, warum eine Gesellschaft, die auf Konsum,
Leistungssteigerung und Krieg beruht, nur unter Drogen funktionieren
kann. Zusammengestellt wurde das Programm von Hans-Christian Dany,
Autor des gerade erschienen Buches »Speed. Eine Gesellschaft auf
Droge«, das er am Eröffnungsabend vorstellen wird. In Kooperation mit
der Edition Nautilus, Arsenal Kino Berlin und der Hamburger
Kunsthalle.
Spun – Leben im Rausch • OmU
USA 2002, Jonas Åkerlund 101 min.
Mit Jason Schwarzmann, Brittany Murphy, Mickey Rourke, Debbie Harry
In seiner Gier auf Speed vergisst Ross seine Freundin gefesselt im
Bett, was ihm den Zorn der rachlustigen Butch von nebenan auf die
Fersen hetzt. Sein Dealer hat keine Ware, deshalb muss er direkt zum
Drogen-Koch. Der stellt ihn erstmal als Fahrer ein, bis der
Campingwagen, in dem sich das Labor befindet, explodiert. Der Film
findet eine überzeugende Form für das schnelle, von Übersprüngen und
Aussetzern geprägte Rauscherlebnis unter Einfluss von Crystal Meth.
»Amusement at it´s own apocalyptic imagination« (The New York Times).
7.3. 19.00 Mit Lesung von Hans-Christian Dany
Ciao! Manhattan • OF
USA 1972, John Palmer, David Weismann
Mit Edie Sedgwick, Isabel Jewell, Wesley Hayes
Edie Sedgwick, die in dem Film Susan heißt, wohnt in einer hellblauen
Form. Über die Hälfte des Swimmingpools ist ein Zelt gespannt. Durch
den fehlenden Rest kann die Mutter sie aus der Villa ständig
beobachten. Sie sieht, wie sich ihre wenig bekleidete Tochter laut
durch Gedanken brabbelt, die sich immer wieder in
Kindheitserinnerungen zwischen Psychopharmaka und körperlicher Gewalt
verfangen. Unterbrochen wird die farbige Filmgegenwart von
schwarzweißen Rückblenden in Sedgwicks Vergangenheit als Star in Andy
Warhols Factory. Wenige Wochen nach Ende der Dreharbeiten stirbt
Sedgwick an einer Überdosis.
7.3. 22.00
Die Satansweiber von Tittfield • DF
Faster, Pussycat! Kill! Kill!
USA 1966, Russ Meyer 83 min.
Mit Tura Santana, Haji, Jori Williams
Ein Pop-Art-Klassiker und Prototyp des Women-on-Wheels-Films in dem
drei potente Gogo-Girls mit einer ausgeprägten Vorliebe für Sportwagen
in einer wilden Hatz die dumpfe Männerwelt des amerikanischen
Mittelwestens terrorisieren.
8.3. 22.00 / 11.3. 21.15
Der Zauberer von Oz • DF + OmU
Wizard of Oz
USA 1939, Victor Fleming
Mit Judy Garland, Frank Morgan, Ray Bolger
Ein kleines Mädchen wird für die Hauptrolle des Filmmusicals
ausgewählt. Als die Produktion anläuft, bemerkt der Arbeitgeber, dass
die pubertierende Darstellerin für den Charakter der kindlichen
Dorothy körperlich zu alt wirkt. Gegen ihre weiblicher werdenden
Formen verschreibt der Arzt des Filmstudios Amphetamin. Er verabreicht
den Appetitzügler, bis sich das Wachstum des Busens auf Null
reduziert. Mit aufgerissenen Augen, die aus endloser Ferne strahlen,
singt Judy Garland »Over the Rainbow«, den ersten Superhit der
amphetaminverstärkten Popkultur.
9.3. 17.00 DF / 12.3. 17.00 / 17.3. 17.00
Drugstore Cowboy • OmU
USA 1989, Gus Van Sant
Mit Matt Dillon, Kelley Lynch, Heather Graham
Eine »Familie« junger Drogenbenutzer zieht in den frühen 70er Jahren
durch den Nordwesten der USA. Medikamente, die sie aus Apotheken und
Krankenhäusern entwenden, werden von ihnen mit großer Sachkenntnis zu
Rauschmitteln zweckentfremdet, bis William S. Burroughs als heiliger
Junkie auf Entzug ins Bild tritt. »One of the best films in the long
tradition of American outlaw road movies« (Chicago Sun Times).
9.3. 21.15 / 12.3. 21.15
Requiem of a Dream • OmU
USA 2000, Darren Aonofsky 102 min.
Mit Allen Burstyn, Jared Leto, Jennifer Connely
Sara Goldfarb lebt in der Verfilmung des gleichnamigen Romans von
Hubert Selby allein mit ihrem Fernseher in New York. Aufgrund eines
Missverständnisses beginnt sie eine Diät mit Amphetamin, um sich in
eine Fernsehshow zu hungern. Während ihr heroinabhängiger Sohn den
Fernseher im Leihhaus versetzt, beginnt sie sich durch die Mattscheibe
zu halluzinieren.
15.3. 21.30 / 16.3. 21.30
Vanishing Point • OmU
USA 1971, Richard C. Sarafin 98 min.
Mit Barry Newmann, Cleavon Little, Victoria Medlin
Kowalski hält sich mit Speed am Laufen. Beim Drogeneinkauf für den
nächsten Job schlägt er in einen Wettvorschlag seines Dealers ein:
Wenn er die Überführung eines Wagens von Denver nach San Francisco in
Rekordzeit schafft, bekommt er die Ware anschließend günstiger. Gierig
legt er den schweren Fuß aufs Gas und startet durch. Das Auto
verkörpert in einer der längsten Verfolgungsjagden der Filmgeschichte
nicht nur die Sehnsucht auszubrechen, sondern noch stärker die
Einschließung. Der Kultfilm des New-Hollywood-Kinos wiederholt den
großen Traum der Kindheit, nur findet sich die schützende Höhle auf
Rädern.
17.3. 21.15 / 20.3. 21.15
Des Teufels General
BRD 1955, Helmut Käutner 117 min.
Mit Curd Jürgens, Marianne Koch, Victor de Kowa
Den Flieger Ernst Udet, Vorlage für den General Harras im Film, hatte
das Leben über den Wolken daran gewöhnt, ein strahlender Held zu sein.
Um sein Versagen als mächtiger Bürokrat der Wehrmacht zu kompensieren,
entwirft er in einem fort Möglichkeiten fliegender Wunderwaffen. Seine
bekannteste Erfindung sollte der »Stuka« werden, ein Bomber, der im
senkrechten Flug nach unten die direkteste Perspektive auf das zu
erobernde Gelände liefert, um den Tod punktgenau ins Ziel zu tragen.
Ein Phantasma, das sich aus einem halben Dutzend Pervitin(R) vor dem
Frühstück nährte. Käutners Film nach dem Drama von Carl Zuckmayer
bügelt Udets Biografie zum tröstenden Mythos vom Deutschen, der im
Dritten Reich doch nur tat, was er immer getan hatte.
18.3. 17.00 / 19.3. 17.00
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