[echo] "Eine Schande für die Kunst"
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Thu Feb 28 12:03:22 CET 2008
Musikrezension ohne CD
"Eine Schande für die Kunst"
Maxim USA rezensierte eine CD der Band The Black Crowes, ohne ein
Vorausexemplar zu besitzen. Das Magazin spricht von einer auf
Sachkenntnis gestützten Vermutung, der Band-Manager ist empört.
vergrößern Der Liedsänger der Band The Black Crowes wurde von "Maxim"
kritisiert, ohne dass das Magazin über ein CD-Exemplar verfügte.
Vermutlich haben die Macher des Männermagazins Maxim gedacht, dass ihre
Zeitschrift sowieso nicht wegen der Texte gekauft wird - und es egal
ist, was zwischen den halbnackten Frauen so geschrieben steht. Anders
lässt sich kaum erklären, dass in der amerikanischen Märzausgabe ein
Album rezensiert wird, dass es noch gar nicht zu hören gibt, nicht
einmal für Journalisten.
"Warpaint" heißt die neue CD der Bluesrockgruppe The Black Crowes, am 4.
März erscheint sie. Maxim hat das Album bereits bewertet: mit
zweieinhalb von fünf Sternen. "Warpaint", heißt es im Heft, "hat Chris
Robinson und der Gang nicht viel Raum für Wachstum gelassen".
In einer Stellungnahme auf ihrer Internetseite erklärt die Band, dass
Maxim-Autor David Peisner nur ein neues Lied - die Single "Goodbye
Daughters of the Revolution" - kennen konnte, da keine Vorausexemplare
verschickt wurden. Auf Nachfrage der Band habe das Magazin von einem
"educated guess" gesprochen - eine auf Sachkenntnis gestützte Vermutung.
In einer offiziellen Erklärung teilte Maxim später lediglich mit, dass
es seine Leser weiter mit Informationen versorgen werde, "die für sie
wichtig sind".
Crowes-Manager Pete Angelus sprach Maxim indes "jede journalistische
Integrität" ab. Die Rezension sei "eine Schande für die Kunst, für den
Journalismus, die Kritiker, die Publikation und die Öffentlichkeit". In
einer Mail habe Maxim ihm mitgeteilt: "Wir ziehen es immer vor (sic),
Musik zu hören. Aber manchmal gibt es große Alben, die wir nicht
ignorieren wollen und die noch nicht zum Hören verfügbar sind." Die
Alternative zum "educated guess" sei gar kein Bericht gewesen, und das
habe man nicht gewollt. Crowes-Manager Angelus spekuliert bereits über
künftige Besprechungen: "Konzerte, bei denen keiner war, Bücher, die nie
gelesen wurden und Filme, die keiner gesehen hat?" Hoffentlich sind
wenigstens die Frauen im Heft ein bisschen echt.
(SZ vom 26.2.2008/kur Von Felix Serrao)
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