[echo] Auch 2008 gilt das Motto: vom Hinterconti ins Interconti!

raimund kollegger r.kollegger at arcor.de
Thu Jan 3 16:49:16 CET 2008


 
Die Preraphaeliten, oder:
Das Prekariat arbeitet fuer das Praeferiat
 
Ich bin dankbar fuer diesen Kommentar und moechte einen eigenen
dazu beitragen.
 
Weitgehend moechte ich ueber die Darstellung der Verhaeltnisse
uebereinstimmen, aber betonen, dass die so genannten "OFF"-
Raeume aus der eben so genannten "OFF"-Szene schon seit langem
nach der Pfeife des von mir so genanntem Praeferiats tanzen.
 
Und dabei moechte ich die Verantwortung mal umkehren und die
Frage nach der Eigenreflektiertheit der "OFF"-Szene stellen,
die so gerne das Wort "Prekariat" in den Mund nimmt und sich
selbst darin (wieder) widerspiegeln moechte.
 
Zwei Sparmaßnahmen der Kulturbehoerde Hamburg haben in den
letzten Jahren die "OFF"-Szene erschuettert. Einmal wurde das
"Hamburgstipendium" von zehn auf fuenf an der Zahl zusammen-
gekuerzt und zum anderen erst vor kurzem die Subvention der
ach so subversiven "OFF"-Szene um sage und schreibe FUENFZIG
Prozent reduziert. Nun haben sich zwar die jeweils Betroffenen
lauthals zur Wehr gesetzt und erreicht, dass die Hamburg-
stipendien mit privaten Sponsoren wieder auf zehn aufgestockt
wurden und fuer die "OFF"-Raeume ein Fond fuer private Sponsoren
gegruendet wurde, wovon glaube ich bis heute von tatsaechlichen
Mitteln noch nicht viel die Rede ist, aber die Kulturbehoerde
hat sich dabei erfolgreich aus der Affaere gezogen.
 
Zu dem kommt, dass seit dem die "OFF"-Szene sich in einigen
Selbstdarstellungen in "OFF"-Prekariats-Veranstalungen fleißig
von der Kulturbehoerde unterstuetzen laesst und sich gerne an
solchen Stadtteil-Propagandaveranstaltungen von Wilhelmsburg,
Veddel, Große Bergstraße, City-Nord bis zur Hafencity beteiligt.
 
Es ist Toll, dass sich aus dem ECHO-Verteiler das THING-Forum
entwickeln konnte. Aber auch hier hat sich die Kulturbehoerde
als Retter und Unterhalter profiliert, obwohl sie gerade die
Prekaere Situation mit geschaffen hat, unter der die "OFF"-Szene
zu leiden scheint.
 
So hat sich, moechte ich behaupten, eine Hassliebe von der
"OFF"-Szene zur Kulturbehoerde entwickelt, wobei die Kulturbehoerde
mit Zuckerbrot und Peitsche die "OFF"-Szene weiter und weiter
zaehmt und fuer ihre Propaganda-Zwecke funktionalisiert. Ja, sie
findet in ihr sogar die Bestaetigung ihrer Kulturpolitik und
verbucht die forcierte und von ihr unterstuetzte populistische
Oeffnung der "OFF"-Szene als ganz großen PR-Erfolg.
 
Was heißt das nun?! Ich wuerde meinen, man koennte das dialektische
Kulturpolitik im klassischen Sinne der Aufklaerung nennen, nur
mit verkehrten Vorzeichen. Bringe die ach so wichtige und beliebte
Kultur durch Subventionskuerzungen in Noete und du erntest Dank
von Links, Rechts und von DER MITTE. Die MITTE-L fuer das elitaere
Kunstgekluengel kann man ja wo anders benoetigter und besser einsetzen.
Und hier wird nicht unterschieden zwischen Mainstreamkultur und
"OFF"-Szene, ganz alleine der Vektor MITTE-L fuer die MITTE steht
im Vordergrund. Nach der Subventionskuerzung (MITTE-L-Kuerzung und
Kulturkuerzung), die man gerade fuer die "OFF"-Szene im Verhaeltnis
zum Budget vergleichsweise als laecherlich nennen kann, bringt man
die "OFF"-Szene in existentielle Noete und erntet unterm Strich
einen Sparerfolg fuer den das mediale Fuer und Wider nur einen
guenstigen PR-Erfolg garantiert. Das ist aber nur die Butter, die
Sahne kommt erst. Die dadurch in die vermeintliche Enge getriebene
"OFF"-Szene ihrerseits, nachdem sie logischerweise schon zum
Medienecho beigetragen hat und ihre kleinen Pfruende mehr oder
weniger verteidigt hat, moechte auf ihre prekaere Situation aufmerksam
machen. Wie macht sie das, oder wenn wir schon von MITTE-LN sprechen,
womit macht sie das? ­ Mit MITTE-LN von der Mitte, der Kulturbehoerde!
Also wird das Gesparte in das Gesparte reinvestiert. Und siehe da:
verursache durch MITTE-L-Kuerzung die Prekarisierung der "OFF"-Szene
und finanziere die prekaere Selbstdarstellung dieser und wie von
Zauberhand wird aus dem WENIGER ­ MEHR. So machte man aus der
"OFF"-Szene eine PR- oder Propaganda-Maschine, quasi umsonst.
Und uebrig bleiben die GETRIEBENEN im Auftrag der Kulturbehoerde,
...Fonds und sonstiger MITTE-L-Interessen und die dort hin
manoevrierte MITTE-L-MAESSIGE weil MITTE-L-LOSE "OFF"-Szene hat
sprichwoertlich zwischen den Mahlsteinen ihre Zaehne verloren und
leidet an prekaerem Glaubwuerdigkeitsverlust und ist ihrer existentiellen
Basis keinen Schritt naeher gerueckt.
 
Ganz im Gegenteil, sie hat wesentlich dazu beigetragen, das Praeferiat
gegenueber dem Prekariat zu staerken. Dazu kann man der "OFF"-Szene
keinen bewussten Vorwurf machen, außer dass man wenig ueber eine selbst-
reflektierte Haltung in dieser praeferierten (perforierten, sh.
performative Praxis) Prekarisierung erfaehrt und dieser noch weniger
Differenziertes entgegen zu setzen hat.
 
Langer Rede kurzer Sinn: In diesem Sinne moechte ich der "OFF-Szene
Hamburgs den "Orden der Preraphaeliten" vergeben! In diesem Sinne hat
der zuletzt vergebene Preis für das HA seine Entsprechung gefunden!!!

 
+++
 
Armin Digging ist zurzeit Vorsitzender im Aufsichtsrat der
Kunsthalle Black Hole in Liverpool. Er legt grossen Wert darauf
nur mit "Digg" angesprochen zu werden und stammt aus einem
Provinznest in Styria, wohin er niemals zurueckkehren moechte,
aller hoechstens entpreraphaeliert.
 
 
 
Am 02.01.2008 12:38 Uhr schrieb "cornelia sollfrank" unter
<cornelia at snafu.de>:
 
> 
> hiermit erlaube ich mir einen kommentar aus dem THING-forum (http://
> thing-hamburg.de) auf diese liste zu kopieren:
> 
> kulturstiftung des bundes foerdert "subvision"
> 01.01.2008 | 23:15 Uhr | Alter: 12 Stunden
> 
> Von: Virginia Craven
> 
> Oh My Lord,  Kulturstiftung des Bundes!
> 
> 
> Hattest Du Dich anfangs durch kritische, urbanistische Projekte
> profiliert (Ersatzstadt, shrinking cities), widmest Du Dich jetzt dem
> Gegenteil: Nun foerdert Du lieber solche Vorhaben, wie sie noch vor
> kurzem in den Initiativprojekten kritisiert worden waren.
> 
> 
> Mit dem Festival "subvision" in Hamburg wurde die Latte des fuer
> foerderungswuerdig erklaerten Verachtenswerten wieder etwas tiefer
> gelegt: hier werden Bundesmittel in ein Projekt gesteckt, das Kunst
> fuer die Aufwertungsinteressen der Hamburger Immobilieninvestoren
> instrumentalisiert. "In der HafenCity Hamburg findet das Festival in
> einem Areal von Schiffscontainern statt. " heißt es ganz unverbluemt
> in der Presseerklaerung der Kulturstiftung des Bundes, die mit dem
> Begriff *Off* getagged wurde. UEber Hundert "Kuenstlerinitiativen aus
> der ganzen Welt" will man in dieser prekaeren Architektur
> unterbringen, deren ostentativer Flexibilismus dieselbe Kernaussage
> gegenueber den "nicht-etablierten kuenstlerischen Strategien"
> formuliert, wie man sie schon an anderer Stelle im Hamburger Hafen
> erprobt hat: UEber Jahre wurde Asylbewerbern in der Hansestadt durch
> Unterbringung in Containerschiffen unmissverstaendlich klargemacht,
> dass ihre Anwesenheit in Hamburg nicht erwuenscht ist, und  so scheint
> man auch mit der "internationalen Perspektive" der "Off-Kunst" in der
> Hafencity nur ein kurzes Techtelmechtel im Sinn zu haben.
> 
> 
> Als Spezilist fuers subversiv-Visionaere hat sich der Kuenstlerische
> Leiter der Veranstaltung, Martin Koettering, offenbar in seiner
> Funktion als Praesident der HfbK profiliert. Die dort von ihm
> hintergangenen streikenden StudentInnen hatten den unsolidarischen
> Institutsleiter naemlich mit "nicht-etablierten kuenstlerischen
> Strategien" zum Ruecktritt aufgefordert, was der Geschmaehte beleidigt
> mit Nachtmalverbot und dem Einsatz von Wachdiensten in der
> Bildungseinrichtung beantwortete.
> 
> 
> Ein odeur von Vorteilsnahme verbreitet darueberhinaus die Tatsache,
> dass der kuenstlerische Beirat der subvision-Veranstaltung, Hubertus
> Gassner, als Direktor der Hamburger Kunsthalle bis vor wenigen Wochen
> der Vorgesetzte von Jurymitglied Dr. Christoph Heinrich, damals Chef
> der Galerie der Gegenwart, war...
> 
> 
> transparency international, uebernehmen Sie!
> 
> 
> meint Ihre
> 
> 
> Virginia Craven
> 
> 
> 
> Mehr dazu:
> 
> www.kulturstiftung-des-bundes.de/main.jsp
> 
> Wo es heisst:
> 
> 
> subvision
> 
> 
> *Kunst *Festival *Off
> 
> Weltweit haben sich abseits der großen Kunstmessen und -biennalen
> neue Formen kuenstlerischer Aktivitaeten und Vermittlungsstrategien
> entwickelt. Diese Kuenstlerinitiativen, Produzenten-Galerien oder
> artist run spaces arbeiten jenseits des etablierten Kulturbetriebs
> dennoch erfolgreich und oeffentlichkeitswirksam. Die drei großen
> Hamburger Kunstinstitutionen - Hamburger Kunsthalle, Deichtorhallen
> und die Hochschule fuer bildende Kuenste - wollen ueber Hundert dieser
> Kuenstleriniativen aus der ganzen Welt nach Hamburg einladen. In der
> HafenCity Hamburg findet das Festival in einem Areal von
> Schiffscontainern statt. Eine kuratorische Arbeitsgruppe kombiniert
> Projekte und Initiativen der bildenden Kunst mit vergleichbaren
> Ansaetzen aus Architektur, Zeitschriften, Internet, Film, Mode und
> Design. Vor allem durch seine internationale Perspektive verspricht
> das Festival vielfaeltige Einblicke in Qualitaet und Stellenwert nicht-
> etablierter kuenstlerischer Strategien im Kulturbetrieb.
> 
> 
> Kuenstlerische Leitung: Martin Koettering
> 
> Kuratoren: Brigitte Koelle, Tim Voss
> 
> Kuenstlerischer Beirat: Hubertus Gassner, Robert Fleck
> 
> Mitwirkende: Hamburger Kunsthalle, Deichtorhallen Hamburg, Hochschule
> fuer Bildende Kuenste Hamburg
> 
> Termine:
> 
> 27.08.2008 - 07.09.2008    HafenCity, Hamburg     Ausstellung
> 
> Kontakt:
> 
> 
> subvision GmbH
> 
> MKG Steintorplatz
> 
> 20099 Hamburg
> 
> _______________________________________________
> echo mailing list
> echo at soundwarez.org
> http://soundwarez.org/mailman/listinfo/echo
 




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