[echo] Kreativhochburg: Helau HH
Barbara Lang
barbara-lang at nexgo.de
Thu Jan 31 17:02:56 CET 2008
Nur ein paar Worte, da das Thema wohl nicht nur auf taube Ohren stieß. Eines
Vorweg, nein, ich war nicht anwesend. Hab mir das bunte Treiben und
vielfältige Stimmengewirr erspart.
Grundsätzlich ist ja nichts gegen solche Genre-übergreifenden Treffen zu
sagen. Mir sträuben sich allerdings inzwischen die Nackenhaare bei diesem
ewig wiedergekäuten HH-Harmoniegeplänkel:
Wir verstehen uns alles sooo blendend... und wenn wir nur alle kräftig die
Kräfte bündeln... und letzlich ist doch alles eine Suppe... oder? Ist ja
nicht so wichtig, was dabei am Ende rauskommt. Hauptsache man kann es noch
einer Farbe zuordnen und es klingt irgendwie "sexy". Denn: Sex sells. DAS
ist die Hauptsache.
Bei mir läuten die Alarmglocken, wenn Begriffe, die z.B. aus der Werbung und
den Medien stammen, auf einmal, nur weil es jetzt so ein übergreifendes,
allumfassendes Marketingkonzept der Stadt (Marke) Hamburg gibt, das da
lautet: "Kreative Stadt Hamburg", dass dann alles auf diesen einen Nenner
getrimmt wird, nur weil da vor Jahren 1 Autor (von ich weiß nicht wie
vielen, die sich zu kultur- und gesellschaftstheoretischen Themen Gedanken
machen) 1 Buch mit einem "sexy" Titel geschrieben hat.
Dazu passt das Bild des Containers in der Tat einfach wunderbar. Das bietet
sich geradezu an: Alles in einen Container, alles einmal durchgeschüttelt
(alle Berufszweige, Kunstsparten, Szenen, Stoffe, Farben, Laute, Düfte und
nicht zu vergessen die: Gewürze!) und schon floriert der "Handel mit dem
Kreativgut".
Mir scheint, dass sich dieses Jahr an allen Ecken und Enden in Hamburg
zeigen wird, ob das ganze, visionäre Kreativ-Talent-Geblubber nur eine Blase
ist oder ob es in dieser STADT tatsächlich einen Sinn für die Kultur und die
Künste gibt, wie z.B. eine Kulturpolitik, die sie in ihrer eigentlichen
gesellschaftlichen Rolle unterstützt, die m.E. wenig mit den ökonomischen
Prinzipien des Konsums, führend zu Profit und Nutzen, sondern vielmehr mit
Zweckfreiheit und Sinnstiftung, d.h. so etwas wie Muse, Leerlauf, Reflexion
oder Schicht im Schacht, sprich: Ruhe im Karton zu tun hat. (es gibt
natürlich auch die etwas lauteren Varianten...)
Der Begriff der "Kulturwirtschaft" ist nicht mehr auszuräumen, Statistiken
über Besucherzahlen und klingelnde (Theater-, Kino-, Museums-)Kassen sind ja
durchaus legitim... aber bitte nicht alles in die eine alte Schachtel. Die
Inflation der Worte wäre das. Und die Schachtel quillt garantiert irgendwann
über.
Gruß
B. Lang
(Und überhaupt, ich bin dafür: lebenswerte Stadt Hamburg "schrumpfende
Stadt" klein, aber fein:-)
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Und nun aus aktuellem Anlass zu den Medienberichten:
Bühne frei für Hamburgs Kulturpreisträger
HAMBURG -
Premieren sind im Thalia-Theater nichts Ungewöhnliches. Doch gestern Abend
öffnete sich der Vorhang nicht nur für die Schauspielkunst, sondern für
viele weitere Sparten - von Film, Musik, Kunst und Fotografie über Design,
Architektur, Mode, Werbung und digitale Medien bis zu Ballett, Oper,
Literatur und Journalismus.
Unter dem Titel "Kreativ Hochburg Hamburg" hatte der Senat erstmals die
Hamburger eingeladen, die im vergangenen Jahr einen nationalen oder
internationalen Kulturpreis erhalten hatten. 4000 Wettbewerbe hätten sie
geprüft, erklärte Gunnar Uldall (CDU). Lacher erntete der Wirtschaftssenator
für die Aussage, die Kreativhochburg Hamburg solle eine "uneinnehmbare
Festung sein, die mit guten Ideen zu verteidigen" sei. Ganz so
lokalpatriotisch sehen sich die rund 300 Preisträger wohl doch nicht. Da lag
die 90-minütige "kreative Kaffeepause", die Moderator Dieter Mohr nach der
Begrüßung anordnete, dem Künstlernaturell schon eher. Und so tummelte sich
das "Who's who" der Kultur-Szene auf der Bühne zwischen und in zehn
Containern, in denen Videos die ausgezeichneten Arbeiten vorstellten - von
Pianistin Anna Vinnitskaya über Schauspieler Norman Hacker und
Konzertveranstalter Karsten Jahnke bis zu Musiker und Autor Ernst Kahl. Das
Stimmen- und Genre-Gewirr war erwünscht. Denn die kreuz und quer gestapelten
Container symbolisierten laut Mohr nicht nur den florierenden Handel der
Hansestadt mit Kreativgut, sondern auch die Tatsache, dass die Disziplinen
mitunter zu sehr in den eigenen vier Wänden verharrten.
"Es ist sehr beeindruckend, wenn man sieht, was alles möglich ist, wenn der
Kreativität keine Grenzen gesetzt sind, wenn man Vielfalt fördert und dem
Geist freien Lauf lässt", so Bürgermeister Ole von Beust. Es ist zu hoffen,
dass diese starke Premiere keine einmalige Wahlkampf-Inszenierung war.
bir
Hamburger Abendblatt, erschienen am 31. Januar 2008
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Den Begriff der Kreativhochburg Hamburg gibt es jedoch schon, na, sagen wir
bestimmt schon seit Beginn des neuen Jahrtausends...
Um nur ein paar gegoogelte Beispiele zu nennen:
HAMBURGS KREATIVE - DAS VERZEICHNIS 2005/06.
Hamburgs Kreative geben unter anderen Richtung und Geschwindigkeit der
wachsenden Stadt Hamburg vor. Hamburg ist Kreativhochburg, Designmetropole,
Stadt einiger der erfolgreichsten Werbe-, New Media- und Designagenturen.
Höchste Zeit, einen aktuellen Überblick über die Vielfalt der hiesigen
Kreativen zu bekommen. Zeit für HAMBURGS KREATIVE - DAS VERZEICHNIS 2005/06.
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KREATIV-INDEX 2003
Die Besten ihres Fachs (2)
Warum der kreative Spielraum schrumpf
Zur geografischen Befindlichkeit der deutschen Werbung sagt Springer &
Jacoby-Chef Manfred Schüller (53): Er habe "nie daran gezweifelt, dass
Hamburg langfristig die deutsche Kreativhochburg bleibt". Gewiss, "Berlin
wird langsam zulegen" - aber das, warnt Schüller die Welt, halte Hamburg
"nur frisch".
___________________________________________________etc. peng peng
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