[echo] Eine Welt Netzwerk Hamburg kritisiert das Internationale
Maritime Museum Hamburg
Bahari Ndogo
bahari1 at gmx.de
Wed Jul 2 14:03:17 CEST 2008
Presse-Information
24. Juni 2008
Eine Welt Netzwerk Hamburg kritisiert das Internationale Maritime Museum
Hamburg
Eurozentristische Geschichte der Admiräle, Kaiser und Entdecker³
Das Eine Welt Netzwerk Hamburg befürchtet, dass durch das Internationale
Maritime Museum Hamburg ein ähnlich verstaubter Geist weht wie durch Peter
Tamms Sammlung an der Elbchaussee. Mit Pomp und Polit-Prominenz wird das
Internationale Maritime Museum Hamburg am 25. Juni eröffnet. Dies ist für
den Dachverband von über 80 Hamburger entwicklungspolitischen Vereinen
Anlass, die undurchsichtige Konzeption des öffentlich geförderten Museums zu
kritisieren. Er bemängelt zudem, dass das private Museum mit Millionen von
Steuer-Euros finanziert und mit Hilfe zahlreicher Ein-Euro-Kräfte aufgebaut
wurde.
Auf der Website des Museums ist die Rede von großen Entdeckern wie
Christoph Columbus, Fernando Magellan und James Cook³. Es ist zu befürchten,
dass in dem Museum nur die Geschichte der großen Männer³, Kaiser und
Admiräle erzählt wird. Vermutlich werden die Entdecker³ nicht als Eroberer
längst bekannter Länder präsentiert, mit denen das Zeitalter von
Kolonialismus und Sklaverei begann, dessen Folgen bis heute nicht
bewältigt sind.
Das Eine Welt Netzwerk Hamburg kritisiert die einseitige europäische
Perspektive der Ausstellung. Ein Museum, das sich als international
bezeichnet, sollte auch die Seefahrtgeschichte anderer Weltregionen
präsentieren³, sagt Rebecca Lohse. Wer weiß schon etwas über Dhaus im
Indischen Ozean oder den chinesischen Seefahrer Zheng He?
Die Geschäftsführerin des Eine Welt Netzwerks Hamburg beanstandet auch die
Vermischung von Ausstellungsobjekten der zivilen Schifffahrt und der Marine.
Das Internationale Maritime Museum Hamburg passt zur antiquierten Gestaltung
und Namensgebung öffentlicher Räume, die in Hamburg gang und gäbe ist:
Denkmäler werden aufgestellt, die die Kolonialzeit verklären oder
Sklavenhändler ehren; neue Plätze in der Hafencity werden nach Eroberern
benannt. Magellan-Terrassen, Vasco de Gama Platz, Schimmelmann-Denkmal und
Askari-Relief sind einige Beispiele dieser althergebrachten Praxis. Das
Frappant-Gebäude in Altona soll nach der Sanierung Christians-Quartier
heißen, benannt nach dem dänischen König und Sklavenhalter Christian VI.
(1699-1746). Er handelte nicht nur mit Zucker und Baumwolle, sondern auch
mit Menschen. Das zeigt Geschichtsbewusstsein von vorgestern und ist einer
Metropole des 21. Jahrhunderts mit Einwohnern und Gästen aus aller Welt
unwürdig³, so Lohse.
In diesem Punkt sei nicht nur die Zivilgesellschaft gefordert, sondern auch
der Senat und die Bürgerschaft. Hamburg, das Jahrhunderte lang von Europas
Kolonialexpansionen profitierte, sollte heute eine Vorreiterrolle in der
selbstkritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit spielen. Bisher
ist leider das Gegenteil der Fall.
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Für weitere Informationen:
Eine Welt Netzwerk Hamburg e.V. (EWNW)
Anke Schwarzer - Presse- & Öffentlichkeitsarbeit
Große Bergstraße 255
22767 Hamburg
Tel.: 040 - 358 93 86
anke.schwarzer at ewnw.de
www.ewnw.de
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