[echo] Eilmeldung: : : : Erfolgreiches Attentat auf Hitler
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Sat Jul 5 15:00:08 CEST 2008
Madame Tussauds in Berlin
Attentäter enthauptet Hitler-Figur
Kurz nach der Eröffnung des Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds in Berlin hat
ein 41-jähriger Mann aus Kreuzberg der Figur des Diktators den Kopf abgerissen.
Kurz nach der Eröffnung des neuen Berliner Wachsfigurenkabinetts Madame Tussauds
hat ein Besucher sich auf die Figur von Adolf Hitler gestürzt und ihr den Kopf
abgerissen. "Der Kopf ist abgerissen", sagte ein Polizeisprecher. Dabei soll
nach Angaben des Sprechers einer der zwei Sicherheitsbeamten, die extra zum
Schutz der Hitler-Wachsfigur abgestellt worden waren, versucht haben, den Mann
aufzuhalten. Der 41-Jährige habe den Wachmann jedoch gewaltsam zur Seite gestoßen.
Die Polizei konnte den Mann noch im Museum festnehmen. Nach ersten Vermutungen
des Polizeisprechers könnte ein politischer Hintergrund das Tatmotiv sein. Der
41-Jährige wollte offenbar gegen die Ausstellung demonstrieren. Der Täter sei
der Polizei bislang nur wegen kleinerer Delikte aufgefallen, die jedoch keinen
politischen Bezug gehabt hätten, so der Sprecher weiter. Gegen den Täter wird
noch wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung ermittelt. Das Museum wurde
nach dem Anschlag vorübergehend geschlossen, nach einer Stunde wurde das
Kabinett jedoch wieder eröffnet.
Die Sprecherin von Madame Tussauds, Natalie Rußt, wollte die Kopflosigkeit
Hitlers nicht bestätigen. Sie sprach lediglich von Beschädigungen an der Figur,
dass der Schaden jetzt geprüft werde und dass die Geschäftsführung
Entscheidungen fällen werde. Welche Art von Entscheidungen sagte sie nicht.
Sie lies damit auch offen, ob die Figur wieder in Berlin ausgestellt werde.
Zudem habe es im Vorfeld keine Hinweise auf einen Anschlag gegeben. Es seien
weder Briefe, Telefonate noch Emails eingegangen, die darauf hingedeutet hätten.
Stephan Koch, einer der beiden Mitarbeiter, die die Figur schützen sollten,
sagte: Der Täter sei mit einer solchen Gewalt über den Tisch auf den dahinter
sitzenden Hitler zugesprungen, dass sie selbst zu zweit nicht in der Lage waren,
den Mann zurückzuhalten. Verletzungen seines Kollegen konnte er nicht bestätigen.
Während im Inneren die Spurensicherung Kopf und Rumpf der Hitler-Wachsfigur in
einen Nebenraum brachte, um sie dort zu untersuchen, warteten zahlreiche
Besucher vor dem Museum auf Wiedereinlass.
Andreas F. aus Halle an der Saale berichtete, er habe zuvor mit dem 41-jährigen
Täter etwa eine Stunde auf die Eröffnung des Wachsfigurenkabinetts gewartet und
sich auch mit ihm unterhalten. Dabei sei der Mann ruhig und unauffällig gewesen.
Er habe erzählt, dass er Urlaub habe und diese Gelegenheit nutzen wolle, um die
Ausstellung zu besuchen, erzählt F.
Der umstrittene Publizist Henryk M. Broder, der ebenfalls bei der Eröffnung des
Wachsfigurenkabinetts anwesend war, findet das die Enthauptung der Figur "eine
tolle Sache". Erstmals in der Geschichte sei es gelungen, ein erfolgreiches
Attentat auf Hilter zu verüben.
Das neue Berliner Wachsfigurenkabinett ist nach London und Amsterdam die dritte
Tussauds-Niederlassung in Europa und die achte weltweit. In den vergangenen
Wochen waren die Organisatoren immer wieder wegen der Hitler-Figur kritisiert
worden. Der Diktator ist als alter Mann hinter einem Schreibtisch zu sehen. Die
Hitler-Figur darf weder berührt noch fotografiert werden.
Unterdessen droht dem Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds auch von anderer
Seite neuer Ärger. Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl zeigte sich in der
Bild-Zeitung verwundert darüber, als Wachsfigur in der Ausstellung zu stehen.
"Ich habe dazu nie mein Einverständnis gegeben", sagte Kohl.
Der ehemalige Kanzler habe zwar im Vorfeld Kontakt mit den Ausstellungsmachern
gehabt, sein Einverständnis aber an bestimmte Bedingungen geknüpft. "Das ist
alles sehr unseriös, da fehlt jeder Anstand. Ich gebe die Sache meinem Anwalt",
wurde Kohl vom Blatt zitiert.
"Wir bekommen unsere Figuren aus London. Die arbeiten sauber", sagte die
Berliner Tussauds-Managerin Susanne Keller. "Ich gehe davon aus, dass Kohl sein
Einverständnis gegeben hat. Deshalb steht er hier bei uns."
(sueddeutsche.de/dpa/bica/gal) Von Thorsten Denkler, Berlin
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