[echo] Studiengeld: GAL unter Druck
cornelia sollfrank
cornelia at snafu.de
Thu Jul 10 10:14:17 CEST 2008
taz, 10.07.2008
Studiengeld: GAL unter Druck
An den Gebühren scheiden sich Koalition und Opposition in der
Bürgerschaft. Was die einen für gerecht halten, finden die anderen
zynisch. Gümbel: "Niemand wird vom Studieren abgehalten"
VON SVEN-MICHAEL VEIT
So richtig einfach ist es nicht, etwas politisch rechtfertigen zu
müssen, das man vor wenigen Monaten noch rundweg abgelehnt hat. Durch
nachgelagerte Studiengebühren "wird niemand vom Studieren
abgehalten", befand Eva Gümbel (GAL) am Mittwoch in der Aktuellen
Stunde der Bürgerschaft über das Thema Studiengebühren. Nach zehn
Semestern sei "ein Bildungsbeitrag von gerade mal 3.750 Euro zu
zahlen - das ist in Ordnung". Wissenschaftssenatorin Herlind
Gundelach (CDU) sprach von einer "überschaubaren Summe" .
Für die rot-rote Opposition hingegen stellen Studiengebühren "eine
enorme finanzielle Belastung für junge Menschen dar", wie es SPD-
Fraktionsvize Dorothee Stapelfeldt und Dora Heyenn, Fraktionschefin
der Linken, ausdrückten. Durch den Wegfall der Ausnahme- und
Härtefallregeln würden auch "behinderte und chronisch kranke
Studierende sowie Studierende mit kleinen Kindern deutlich schlechter
gestellt", sagte Stapelfeldt. "Das grenzt an Zynismus."
Speziell in die Kritik der Opposition gerieten die Grünen, die im
Wahlkampf für die völlige Abschaffung der Studiengebühren eingetreten
waren. Diese Forderung habe die GAL "aus rein machtpolitischen
Gründen über Bord geworfen", sagte Stapelfeldt. Deshalb habe sie es
"sich selbst zuzuschreiben, dass sie für die schlechte
Hochschulpolitik der CDU mit in die Verantwortung genommen wird".
Dieser "Kurswechsel" der GAL sei "ein Irrweg".
Der Gesetzentwurf der schwarz-grünen Koalition, der zurzeit in den
Ausschüssen der Bürgerschaft beraten wird, sieht zwar die Abschaffung
direkt zu zahlender Studiengebühren von 500 Euro pro Semester vor.
Stattdessen sollen nach Beendigung des Studiums 375 Euro pro Semester
fällig werden, sofern das Jahreseinkommen über 30.000 Euro liegt.
Die den Hochschulen entgehenden Einnahmen von etwa 36 Millionen Euro
jährlich sollen über Kredite zwischenfinanziert werden. Die Zinsen
dafür müssen aus dem städtischen Haushalt bezahlt werden. Das alles
sei doch "ein klares und transparentes Modell, von dem die
allermeisten Studierenden profitieren", warb Thilo Kleibauer (CDU).
Es werde wie geplant zum Wintersemester in Kraft treten.
Studiengebühren seien der falsche Weg beharrte dennoch Heyenn, die
nach weitschweifigen Bemerkungen über politisches Allerlei zwei
Ermahnungen des Bürgerschaftspräsidenten Berndt Röder (CDU) brauchte,
um zum Thema zu sprechen. Das tat Heyenn denn noch rasch: "Die GAL
hat ihr Wahlversprechen gebrochen."
Die schwarz-grünen Parlamentarier hatten so leichtes Spiel, ihr
Vorhaben mit dürftigen Argumenten zu verteidigen. Es gebe "keine
soziale Schieflage mehr, weil alle Studierenden gleich behandelt
werden", behauptete die GALierin Jenny Weggen. Und dass die
finanziellen Möglichkeiten der Eltern nicht berücksichtigt würden,
erhob der Christdemokrat Heinrich Langhein gar zum "Gebot der
Gerechtigkeit".
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