[echo] Tamm, Schimmelmann und die Sklaverei
Bahari Ndogo
bahari1 at gmx.de
Tue Jul 15 11:50:28 CEST 2008
Die Süddeutsche Zeitung schrieb nach einem Besuch des Tam-Museums am 25.6.08
(http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/813/182248/):
Dabei verrutscht das Deutsch aus Militaria-Katalogen, das die
Hinweisschildchen dominiert, auch gerne mal ins technokratisch
Entwürdigende, etwa wenn in der einen kleinen Schautafel, die die Sklaverei
behandelt, ihre Notwendigkeit so erklärt wird: "Mit der Eroberung
amerikanischer Kolonien wuchs der Bedarf an billigen Arbeitskräften. Um die
hohe Sterberate unter Indianern auszugleichen, bediente man sich bald
afrikanischer Sklaven".
Nun ist das Tamm-Museum ist eröffnet. Dürfen die JournalistInnen der
Springerpresse wieder etwas mehr den Mund aufmachen? Erstaunlich offen darf
nun zumindest Dierk Strothmann im Abendblatt über den Sklavenhändler
Schimmelmann berichten.
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http://www.abendblatt.de/daten/2008/07/12/905468.html
Hamburger Abendblatt
12. Juli 2008
Der Menschenhändler
Dierk Strothmann über Zeiten im Wandel und Sklaven in Hamburg
Es gehört sich nun einmal für jeden anständigen Menschen, zu dem zu stehen
was er getan hat - auch wenn es schlimm und peinlich ist. Und wenn etwas
falsch ist, dann ist es falsch, selbst dann, wenn es alle machen. So ist das
auch mit Hamburg und dem Sklavenhandel.
Als vor einiger Zeit in Wandsbek eine Büste des Kaufmanns Heinrich Carl von
Schimmelmann, der am 13. Juli 1724 geboren wurde, aufgestellt wurde, da war
die Aufregung groß - mit Recht, denn dieser Schimmelmann war ohne jeden
Zweifel ein ganz Großer im rücksichtslosen Vertrieb der Ware Mensch und
wurde dadurch so reich, dass er sich am Michel einen Stadtpalast und das
Ahrensburger Schloss (inklusive mehrerer Hundert Leibeigener) sowie das Gut
Wandsbek kaufen konnte. Sein vielleicht doch ein wenig angekratztes Gewissen
beruhigte er mit "milden Stiftungen für Arme" und der Gründung des
"Wandsbeker Bothen".
Alfred Nobel, so könnte man einwenden, hat mit seinem Dynamit ja auch dafür
gesorgt, dass Menschen sterben müssen, und dennoch stehen die Großen der
Welt Schlange, um seinen Preis zu erhalten. Das ist ein Argument, das den
Hamburger Pfeffersäcken sicher gut gefallen hätte, denn fast alle hatten die
Finger im Sklavengeschäft. In http://www.afrika-hamburg.de, einem Projekt,
das sich vor ein paar Jahren dem Thema widmete, wird der Großkaufmann und
eine Zeit lang größte Privatreeder der Welt, Adolph Woermann, folgendermaßen
zitiert: " ... im Übrigen glaube ich nicht, dass den Negern durch den
Schnaps ein sehr großer Schaden zugefügt wird. Ich meine, dass es da, wo man
Zivilisation schaffen will, hier und da eines scharfen Reizmittels bedarf."
Schimmelmann machte also kaum etwas anderes als die anderen, nur etwas eher
und in größerem Stil. Er nutzte die Tatsache, dass Wandsbek und Altona zu
seiner Zeit noch dänisch waren und er so direkten Zugriff auf die dänischen
Kolonien hatte, die meist als Festungen oder Stützpunkte über die ganze Welt
verstreut waren. Dazu gehörte auch "Dänisch-Westindien" in der Karibik, wo
Schimmelmann auf riesigen Plantagen Zuckerrohr anbauen ließ, der dann vor
allem in Flensburg zu Rum wurde. Zwar kann sich Dänemark anrechnen lassen,
dass es als erste Kolonialmacht Sklavenhandel verbot, aber das nützt dem
Image von Schimmelmann wenig, denn der war im Jahr des Erlasses 1792 schon
zehn Jahre tot.
Hamburg trat erst 1837 zusammen mit Bremen und Lübeck dem
britisch-französischen Übereinkommen zur Abschaffung des Sklavenhandels bei
- obwohl die Commerz-Deputation, Vorgängerin der heutigen Handelskammer,
dringend davon abgeraten hatte. "Könnte ja immerhin sein, dass sich das
Verbot nicht durchsetzt", hieß es und man gäbe ohne Not einen wichtigen
Wirtschaftszweig auf. Die Hamburger Kaufmannschaft stimmte solchen
Argumenten natürlich durch heftiges Kopfnicken zu.
Irgendwie kam der hochweise Senat nicht drum herum, dem Trend der Zeit zu
folgen und unterschrieb, aber man machte trotzdem weiter. So wurde
beispielsweise 1841 die Hamburger Bark "Louise" zwischen Rio de Janeiro und
Benguela von einem englischen Kriegsschiff gestoppt. An Bord waren
Besatzung, 13 "Passagiere" und die üblichen Bretter, wie man sie für den
Sklaventransport benötigt. Von der "Ware" gab es sonst keine Spur, die hatte
man vermutlich rechtzeitig ins Meer geworfen.
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