[echo] Rubrik: TV TIPP Heute [2x Doku auf arte]

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Thu Jul 17 15:52:35 CEST 2008


„Schattenseiten des sozialen Umbruchs“. Zwei aktuelle Dokumentationen über die 
gesellschaftlichen Auswirkungen des chinesischen Wirtschaftsbooms

DO 17.Jul 22:30 arte Doku
Braut verzweifelt gesucht

Männliche Nachkommen werden im Rahmen von Chinas Ein-Kind-Programm bevorzugt. 
Das geht so weit, dass weibliche Föten oft abgetrieben werden. Der Film „Braut 
verzweifelt gesucht“ dokumentiert die sozialen Folgen: Landflucht und brutaler 
Frauenhandel. Gleichzeitig stehen die Kinder unter großem Leistungsdruck. 
„Büffeln und Buckeln“ (Doku ab 23.15) lautet die Devise, damit sie später vom 
Wirtschaftswachstum profitieren können. – Der Themenabend ist Auftakt zu einem 
China-Schwerpunkt. Weiter am 25.7. 	
Der Bauer Zhingen Chen ist 40 Jahre alt und noch immer unverheiratet. Er gilt 
als 'Kahler Zweig', so werden in China ledige Männer genannt, vergleichbar mit 
einem Obstbaum, der keine Früchte trägt. Vor allem auf dem Land fehlt es an 
heiratsfähigen Frauen. Junge Frauen ziehen in die Stadt, weil sie dort bessere 
Berufschancen haben und weniger diskriminiert werden. Zurück bleiben frustrierte 
Junggesellen ohne Chance auf eine eigene Familie. Die Dokumentation begleitet 
den Bauern Chen Zingen aus einem entlegenen Dorf der südchinesischen Insel 
Hainan bei seiner verzweifelten Suche nach einer Braut. Eine Kupplerin versucht, 
ihm eine 'importierte' Frau aus Vietnam zu vermitteln. Doch darauf will er sich 
nicht einlassen und fährt in die Hauptstadt Haikou, um sein Glück zu finden. Im 
ländlichen China ist das Gleichgewicht der Geschlechter zunehmend gestört. So 
werden auf Hainan ein Viertel mehr Jungen als Mädchen geboren, weil eine hohe 
Zahl weiblicher Föten abgetrieben wird. Auch in anderen Provinzen ist die 
Situation bedrohlich. Die UN schätzt, dass sich die Lage ab 2020 extrem 
verschärfen und es im Reich der Mitte 40 Millionen weniger Frauen geben wird. 
Die Dokumentation zeigt Gründe und Folgen dieser Entwicklung. Die Bevorzugung 
von Jungen ist tief in der chinesischen Tradition verankert. Und seitdem 
Ultraschalltechnik während der Schwangerschaft eingesetzt wird, werden immer 
mehr Mädchen abgetrieben. In entlegenen Gebieten ist der Frauenmangel schon 
heute so groß, dass Menschenhändler erfolgreiche Geschäfte machen. Innerhalb 
Chinas mehren sich Fälle von Kidnapping und Frauenraub. Kommissar Shi hat schon 
mehr als 180 entführte Frauen aufgespürt. Die Dokumentation folgt ihm in 
Gegenden, die noch kein Fernsehteam betreten hat. Hier herrschen Gewalt und 
Gesetzlosigkeit und hier werden – so schildert es Kommissar Shi – entführte 
Frauen wie auf dem Viehmarkt als Bräute versteigert. Es gibt Dörfer, so der 
Kommissar, in denen die Hälfte aller Frauen von Menschen
		





				
DO 17.Jul 23:15 arte Doku
Büffeln und buckeln

In China sind Eltern geradezu davon besessen, ihren Kindern Aufstieg, Karriere 
und Erfolg zu bieten. Studenten, Schüler und selbst Kleinkinder sind einem 
brutalen Leistungsdruck unterworfen. Denn es gibt nur einen Weg nach oben – 
Bildung. Die ist allerdings im kommunistischen China längst kommerzialisiert. 
Nur wer es sich leisten kann, bekommt eine respektable Ausbildung. Millionen 
chinesischer Familien träumen davon, ihre Kinder auf eine Universität zu 
schicken. Doch dafür brauchen sie ein gutes Ergebnis beim sogenannten Gao-Kao, 
der Hochschulzulassungsprüfung. Wer es nicht auf eine renommierte Elite-Uni 
schafft, hat später kaum Chancen auf einen gut bezahlten Job. Schon Jahre vorher 
bereiten sich Eltern und Kinder auf diese alles entscheidende Prüfung vor. So 
ist das gesamte Ersparte des 18-jährigen Shuo und seiner Familie in 
Nachhilfeunterricht geflossen. Der Prüfungstag ist der wichtigste in seinem 
Leben. Die Dokumentation zeigt noch andere, typisch chinesische 
Kinderschicksale. Die dreijährige Tong Tong zum Beispiel geht in den 
Kindergarten. Sie kann bereits lesen, schreiben, rechnen und Englisch sprechen. 
Freizeit gibt es in ihrem Leben nicht. Auch der achtjährige Jin ShiYu weiß 
nicht, was Freizeit bedeutet. Er ist eines von 400.000 Kindern, die in den 
Sportschulen Chinas gedrillt werden. Die elfjährige Xiao Yan gehört zu den 
Verlierern der Entwicklung. Sie lebt auf dem Land. Hier zählen Mädchen bis heute 
nichts. Wie eine Erwachsene muss sich das Kind um Haus und Hof kümmern. Ihre 
Eltern werden wahrscheinlich nur ihrem Bruder einen weiterführenden Schulbesuch 
ermöglichen können. Andere zerbrechen an den ständigen Leistungsdruck und 
flüchten in Parallelwelten. Jeder achte Schüler ist bereits internetsüchtig. So 
wie Xing Jin. Der 16-Jährige war dem Schulstress nicht mehr gewachsen. Jetzt 
unterzieht er sich einer Entziehungskur in Pekings berüchtigtem 
Militärkrankenhaus. Disziplin und Drill statt Bits und Bytes.


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