[echo] Der Mensch ist ein Gewohnheitstier
Brigitta Huhnke
bhuhnke at gmx.de
Thu Jun 5 14:08:11 CEST 2008
etwas unehrlich ist die Debatte schon: jedeR Nutzer dieser mobilen Telefone
ist aktiv verantwortlich für die politsch motiverte Überwachung, auch für
die noch zu erwartenden gesundheitlichen Schäden. Mich erinnert das alles zu
sehr an das "wir haben nichts gewusst". Seit mindestens 10 Jahren wird vor
den Dingern gewarnt - mal ganz abgesehen von der weiteren Zerstörung
zwischenmenschlichen Kommunikation durch dieses alberne Babbeln mit den
Dingern überall, sogar auf einer Beerdigung habe ich das schon erlebt.
----- Original Message -----
From: <2og at gmx.net>
To: "Kunst, Kritik und Kulturpolitik in Hamburg" <echo at soundwarez.org>
Sent: Thursday, June 05, 2008 1:07 PM
Subject: [echo] Der Mensch ist ein Gewohnheitstier
> das mit dem sammeln von bewegungsdaten liest sich eigentlich wie ein
> interessantes ausstellungskonzept - ist aber leider nur traurige praxis!
> zuerst ist es forschung, dann kommt ein wirtschaftliches ausbeuten der
> ergebnisse, und zwischedurch klingelt das telefon: tschuldigung, hier ist
> das marktforschungsinstitut xy, wir....blablabla
> oli
>
>
> ___
>
> BEWEGUNGSFORSCHUNG
> Der Mensch ist ein Gewohnheitstier
>
> Zur Arbeit, nach Hause, zur Arbeit: Mit Hilfe von Mobiltelefondaten haben
> Wissenschaftler die menschliche Bewegung analysiert. Dabei haben sie
> herausgefunden, dass Routine unser tägliches Leben maßgeblich bestimmt -
> und auch unsere Bewegungsmuster.
>
> Berlin - Handy-Nutzer sind wahre Datenschleudern. Unbemerkt vom Besitzer
> tritt das Taschentelefon regelmäßig in Kontakt mit dem nächstliegenden
> Funkmast des Handy-Betreibers. Penibel vermerkt das Netz dabei, welcher
> Kunde sich bewegt, also sich in das Gebiet eines anderen Sendemasts
> begibt. Das Netz muss schließlich immer wissen, wer sich wo befindet. Nur
> so können Gespräche korrekt durchgestellt werden.
>
> Kardinal mit Mobiltelefon: Daten von 100.000 Menschen ein halbes Jahr lang
> ausgewertet
> Die Datenflut, die so entsteht, lässt sich auf vielfältige Weise nutzen.
> Wenn man ein Telekommunikationskonzern wäre, könnte man - ganz
> hypothetisch gesprochen - gezielt die Handys von Geheimnisträgern aus der
> eigenen Firma anpeilen, um so herauszufinden, ob sich diese mit
> Journalisten zu Plauderstündchen treffen. Kleiner Haken daran: Man bewegt
> sich juristisch auf sehr, sehr dünnem Eis.
>
> Eine andere Möglichkeit wäre die Anonymisierung der Daten, so wie es ein
> Forscherteam um Albert-László Barabási von der Northeastern University in
> Boston getan hat. Die Wissenschaftler hatten mit statistischen Mitteln aus
> einer Grundmenge von sechs Millionen Handybesitzern eine Gruppe von
> 100.000 Menschen herausgesucht. Deren Bewegungsdaten wurden ein halbes
> Jahr lang anonym aufgezeichnet und später ausgewertet. Ihre Erkenntnisse
> haben die Forscher im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht.
>
> Es ging um folgende Frage: Welchen Gesetzmäßigkeiten unterliegt die
> Bewegung eines modernen Menschen? Bisher dachte man immer, dass diese mit
> den Formeln des sogenannten Levy-Fluges beziehungsweise des Random Walks
> beschrieben werden kann. Das hatten Forscher aus der Beobachtung von
> Albatrossen, Affen und Raubfischen im Meer geschlossen. Auch mit der
> Nachverfolgung von Banknoten wollten Wissenschaftler dem Geheimnis der
> menschlichen Bewegungsmuster zu Leibe rücken.
>
> Für den Levy-Flug sprach unter anderem, dass er verschieden große
> Distanzen umfasst: Meistens erfolgen die Bewegungen des betrachteten
> Subjekts auf kleinem Raum, dann und wann ist aber auch mal ein großer
> Sprung drin. Für uns Menschen klingt das vertraut. Normalerweise spielt
> sich das Leben im engen Kreis zwischen Arbeit, Supermarkt und Kita ab -
> aber dann und wann geht's eben auch nach Spanien, auf die Fidschi-Inseln
> oder zu Oma an die Ostsee.
>
> So weit, so gut, doch nach Ansicht von Barabási beschreibt die Formel die
> menschliche Bewegung nur unzureichend, weil wir - wohl noch mehr als in
> der Levy-Theorie - Gewohnheitstiere sind. Im Gegensatz zu Tieren können
> wir uns eben nicht vollkommen frei von Zwängen bewegen: Zur Arbeit muss
> man jeden Tag, das hilft alles nichts.
>
> Deswegen konnten die Forscher beobachten, dass einige Orte besonders
> häufig aufgesucht wurden: das eigene Zuhause und der Schreibtisch gehörten
> dazu. "Banknoten zerstreuen sich, Menschen nicht", so das Fazit der
> Forscher. Wichtig sind die Erkenntnisse zum Beispiel bei der Frage, wie
> sich Infektionskrankheiten ausbreiten. Die anonymisierten Bewegungsdaten
> von Mobiltelefonen und ihren Besitzern werden übrigens auch anderweitig
> genutzt, und zwar im Verkehrsmanagement. Denn wo sich ungewöhnlich viele
> Mobiltelefone beim Netz anmelden, da kann es gut sein, dass die Besitzer
> im Stau stehen.
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