[echo] Mahnwache anlässlich Eröffnung Tamm Museum

cornelia sollfrank cornelia at snafu.de
Sun Jun 22 23:58:23 CEST 2008


Hamburger Forum
für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V.

Aufruf zur Mahnwache anlässlich der Eröffnung
des „Internationalen Maritimen Museums“ am 25.6.2008

Am 25. Juni soll in Anwesenheit des Bundespräsidenten das  
„Internationale Maritime Museum“ der
Peter- Tamm-sen.-Stiftung im Kaispeicher B feierlich eröffnet werden.  
Berichte von Besuchern des
Museums, die zuletzt 14 Tage vor diesem Ereignis vom Vorstand der  
Stiftung durch die zehn Geschosse
des Kaispeichers geführt wurden, bestätigen leider unsere  
Befürchtungen, wie wir sie schon
anlässlich der Grundsteinlegung vor drei Jahren am selben Ort  
geäußert haben.

Gezeigt wird eine geradezu erschlagende Vielfalt von Exponaten, die  
ohne erkennbares Konzept Ziviles
mit Militärischem vermischt und dazu jegliche historisch-aufklärende  
Hintergrundinformation vermissen
lässt. Große Teile von Tamms „marinegeschichtlich-militaristischer  
Sammlung“ (DIE ZEIT) in
der Elbchaussee fanden mit Hilfe von 30 Millionen Euro Steuergeld  
lediglich ein komfortableres neues
Behältnis. Erweitert wurde das ganze durch Spielangebote für Kinder  
und zivile Präsentationen wie zur
Tiefseeforschung. Nun können dem Stifter – privatwirtschaftlich  
genutzt – üppige Eintrittsgelder zufließen.
Mit der beabsichtigten Zurschaustellung der Großadmiralsstäbe aus der  
Zeit des Flottenwahns von
Wilhelm II. und des Hitlerfaschismus demonstriert der Stifter sein  
ungebrochenes Verhältnis zum
Großmachtstreben auf den Weltmeeren. Tamm: „Die Voraussetzung zur  
Großmacht war immer die
Seemacht.“ Die Großadmiralstäbe sind Ikonen einer deutschen  
Seegroßmacht. Jene der Naziadmirale
Raeder („Die Skala der Nationen ist identisch mit der Skala ihrer  
Seemacht“) und Dönitz, die als
Kriegsverbrecher verurteilt worden sind, eignen sich zu Fetischen der  
Ewiggestrigen und Neonazis.
Hieran würde auch eine kritische Hintergrundinformation nichts  
ändern. Herrschaftssymbole der Nazizeit
gehören nicht ausgestellt!

Aber eine Distanzierung von der Nazizeit suchen die Besucher des  
Museums vergeblich. Tamms
Philosophie, die Ausstellungsstücke für sich sprechen zu lassen,  
verwechselt ein Museum mit einer
Kunsthalle. Das beabsichtigte unkommentierte Nebeneinander von  
Kriegswaffen und deren Modellen,
Seeschlachtgemälden und Militäruniformen mit Seenotrettungskreuzern,  
Container- und Handelsschiffen
relativiert und verharmlost den Krieg. Die jüngsten Präsentationen  
von zwei Klein-U-Booten aus
dem Dritten Reich im Außenbereich und Kanonen neben dem Eingang ist  
nicht gerade dazu angetan,
den beruhigenden Ankündigungen zur „Zivilisierung“ des Museums  
Vertrauen zu schenken.
Es erweist sich als fatal, dass Senat und Bürgerschaft vertraglich  
auf einen Einfluss auf die inhaltliche
Gestaltung des Museums verzichtet haben. Peter Tamm erweist sich  
offenkundig als beratungsresistent.
Das Museum droht nach wie vor zum Wallfahrtsort von Militariafans,  
Waffennarren, Alt- und Neonazis
zu werden.

Das Hamburger Forum ruft auf zu einer Mahnwache am
25. Juni ab 9.30 Uhr vor dem Kaispeicher B, Koreastraße 1.

Mit der Mahnwache protestieren wir gegen die Zurschaustellung von  
Nazisymbolen.
Wir wollen nicht, dass das Museum zu einem Wallfahrtsort für
Waffennarren, Militaristen und Rechtsradikalen wird.

V.i.S.d.P.: Lühr Henken, Meuronstieg 3 a, 22303


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