[echo] Droht uns die endlose Nacht des Wissens?
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Thu Mar 6 13:44:54 CET 2008
Dies ist ein Kommentar zu einer dpa-Meldung, die unter folgendem link
zu finden ist:
http://www.abendblatt.de/appl/newsticker2/index.php?
channel=pol&module=dpa&id=17101580
oder aber über eine Suchmaschine mit den Suchbegriffen "Frankfurter
Zukunftsrat Einfluss".
Hier entsteht unter dem Deckmäntelchen des "Idealismus" ein neues
Sprachorgan für die Wirtschaftselite (meinethalben auch einer, wie
auch immer begründeten, Wissenschaftselite). Das CHE scheint
offensichtlich nur noch als Altersfinanzierung für verbrauchte
Frontaktivisten zu taugen. Mit der roten Laterne Dräger hat die
"außerdemokratische Regierungsbeteiligung Bertelsmann" sich
jedenfalls nicht gerade eine populäre Figur ins Haus geholt. Allzu
öffentliche Auftritte wird man zu vermeiden wissen...
In den Medien wird in Zukunft auftreten: Der Zukunftsrat aus
Frankfurt. Dieser ist direkt von den großen Banken finanziert. Die
Liste der beteiligten Finanzhäuser kann eingesehen werden unter:
www.frakk.de .
Und das Programm ist nun offensiv antidemokratisch: "Pohl sagt: 'Mich
stört, dass die geistige Elite in Deutschland keinen Einfluss auf die
Politik hat.' Das wolle der Frankfurter Zukunftsrat ändern, und zwar
so hartnäckig wie grundsätzlich(sic!)." Man hört aus den
Schilderungen von Herrn Pohl heraus, dass man sich nicht so oft
treffen wird, um zu diskutieren, sondern dass politische Programme in
die Medien gestreut werden sollen, und dies mit allem Recht des
klügeren Menschen.
Ich wünsche der Zukunft, dass diesem Zukunftsrat von Beginn an der
Rat im Hals stecken bleibt!
Kritische Publizistik tut jetzt Not, vielfältige künstlerische
Aktionen ebenfalls. Vielleicht ist ja eine kleine emanzipatorische
Begleitmusik von Beginn an ganz wirksam.
Grüße, Frank
Anmerkung:
Prof. Dr. jur. Martin Bennhold in FORUM Wissenschaft, "Private
Berater" (Auszug):
Bereits 1971 formulierte der seinerzeit vielleicht wichtigste
Repräsentant des deutschen Kapitals, Hermann Josef Abs, ehemaliger
Vorstandssprecher der Deutschen Bank (und ehedem, nicht zu vergessen,
führend beteiligt an der Entjudung - ab 1938 - deutschen und - ab
1939 - ausländischen Kapitals): ,,Eine parlamentarische Demokratie
ist geradezu dadurch charakterisiert, daß die Legitimation durch
Wahlen und die Legitimation durch Privateigentum in einem
Gleichgewicht stehen."1
Hier war bereits eine spezielle Legitimation der Kapitalbesitzer zum
Eingreifen in Politik gefordert oder behauptet worden, eine
Legitimation, die gleichsam selbstverständlich aus der Verfügung über
einigermaßen konzentriertes Kapital erwachsen sollte. Diese Position
wurde sodann von Staatsrechtlern konsequent ausgebaut; sie wurde 1983
in die offiziöse Kommentierung zum Grundgesetz aufgenommen, in den
hochrenommierten Grundgesetz-Kommentar von Maunz/Dürig, unter
Auswechslung des Kommentators und der bisherigen Grundlinie des
Kommentars zu Art. 14. Hans-Jürgen Papier, der neue Kommentator,
vollzog in über 600 Randnoten eine wahrhaft gründliche
Umkommentierung, mit dem Ergebnis, daß die Sozialpflichtigkeit
geradezu einen Anspruch des Kapitals auf Einmischung in die Politik
beinhalte, und zwar in dem Maße wachsend, in dem das Kapital
konzentriert und mächtig auftritt. Das Gewicht des jeweiligen
Kapitals gilt überhaupt nicht mehr als Gefahr für die Demokratie,
sondern umgekehrt, die Demokratie wird als Gefahr für die Freiheit
des agierenden Kapitals verstanden und deshalb - zu seinem Schutz -
das Kapital geradezu verpflichtet, mit welchen Mitteln auch immer,
als Teil der gesellschaftlichen Gewalten aufzutreten.
Unsere ,,Eigentumsordnung" erfordere dies ,,gerade auch wegen ihrer
politischen Explosivität".2 Papier hebt dabei hervor, daß diese
Einmischung nicht einmal das Gemeinwohl im Auge zu haben brauche,
also nicht einmal übergreifende Ziele; vielmehr beinhalte die
Sozialpflichtigkeit des Eigentums gerade eine Einmischung ,,mit
privatnütziger Zielsetzung"3 bzw. mit dem Ziel einer ,,privatnützigen
Mitgestaltung der Sozialordnung".4 Papier führt dafür sogar ein neues
Verständnis von Gewaltenteilung ein; er spricht von einer unsere
Verfassung prägenden sozialen ,,Gewaltenteilungsfunktion"5 des Art.
14, davon also, daß dem Kapital im Maße seiner Konzentration eine
besondere Legitimation zur Teilhabe an gesellschaftlicher Gewalt
zukomme - eben als Gegengewicht zu den demokratischen Rechten des
Volks. Eine rein auf den Volkswillen gestützte Demokratie lehnt er
entschieden ab: Das Grundgesetz kenne gemäß Art. 14 ,,keine Totalität
des (demokratisch legitimierten) Hoheitsakts ( ¼), keine potentiell
absolute Herrschaft der politischen Demokratie über Gesellschaft und
Wirtschaft".6
Diese extreme Interpretation der Sozialpflichtigkeit des Eigentums -
Demokratie einschränkend und sie subtil eines totalitären Charakters
verdächtigend - entspricht auf das Beste neoliberalen Vorstellungen
und Interessen. Papier, seit kurzem zum Richter am
Bundesverfassungsgericht und zum Vorsitzenden von dessen erstem Senat
avanciert, hat damit die verfassungsrechtliche Anpassung an den
herrschenden Neoliberalismus geleistet.
(vollständiger Text mit Fußnoten: http://www.linksnet.de/artikel.php?
id=364 )
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