[echo] hfbk immer frauenfreier
Ulrike Bergermann
ubergermann at gmx.de
Sat Mar 15 11:07:00 CET 2008
taz, 15.3.08
Frauen im falschen Film
An der HfbK lehren ab dem kommenden Monat drei neue Professoren -
Frauen hätten im Berufungsverfahren keine Chance gehabt, monieren
Studentenvertreter
VON JESSICA RICCÒ
Voraussichtlich zum ersten April kommen drei neue Filmprofessoren an
die Hochschule für bildende Künste. Dass es sich bei allen drei um
Männer handelt, machte den Studierendenausschuss (AStA) jedoch
stutzig. Schließlich gibt es an der Hochschule eine
Gleichstellungsbeauftragte, die über die Einhaltung des
Gleichstellunggesetzes wacht. Bei gleicher künstlerischer Qualität,
heißt es dort, sei eine Frau zu bevorzugen, solange Frauen im
jeweiligen Bereich unterrepräsentiert sind. Im Filmbereich eine klare
Sache: Von sechs Professuren ist momentan nur eine halbe Stelle mit
einer Frau besetzt.
Das Präsidium begründete seine Entscheidung zunächst damit, das es
unter den Bewerbern keine qualifizierte Frau gegeben habe. Später
stellte sich heraus, dass in allen drei Berufungsverfahren Frauen nur
knapp die zweiten Plätze belegten. Kein Zufall, meinen die
Studierenden. "Was die Kommission entschieden hat, ist Betrug", sagt
Sarah Frank vom AStA.
Andrea Löther vom Bonner Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und
Forschung kennt die Problematik: "Für Lehrstellen an Hochschulen
lässt sich nur schwer definieren, welche Qualifikation besser
geeignet ist - in künstlerischen Studiengängen wird diese
Einschätzung noch subjektiver."
Die zuständige Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule fehlte
jedoch am Tag der Abstimmung. An ihrer Stelle stimmte Pia Stadtbäumer
ab - immerhin eine Frau. Da sie als Professorin für Bildhauerei
jedoch ohnehin in der Kommission vertreten ist, ist fraglich, ob sie
die beratende und unabhängige Funktion der
Gleichstellungsbeauftragten überhaupt hätte einnehmen dürfen.
Außerdem war nach Angaben des AStA Helke Misselwitz in der Komission
vertreten. Die Potsdamer Regie-Professorin ist kompetent, aber eine
Arbeitskollegin des Bewerbers Robert Bramkamp.
Zweifel, ob die männlichen Bewerber überhaupt die richtige Wahl für
eine Kunsthochschule sind, haben die Studierenden obendrein: "Der
Filmbereich der HfbK ist im Gegensatz zu anderen Filmhochschulen
künstlerisch ausgerichtet - es geht hier nicht um Massentauglichkeit
und konventionelle Themen", sagt Sarah Frank. Die neuen Professoren
Robert Bramkamp (Experimentalfilm) und Pepe Danquart (Dokumentarfilm)
arbeiteten bisher an herkömmlichen Filmhochschulen.
"Es geht uns nicht darum, die Frage nach Gleichstellung zu
instrumentalisieren", stellt Frank klar - inhaltliche Fragen und
politischer Anspruch seien zwei Paar Schuhe. "Aber es ist schon
auffällig, wenn zwei kompetente Frauen aus videokünstlerischen
Bereichen für zwei Männer aus weniger passenden Bereichen abgelehnt
werden."
Beim Hochschulsenat stellte der AStA Antrag auf Prüfung des
Berufungsverfahrens - und obwohl sich dort zum Großteil dieselben
Vertreter befinden wie zuvor in der Berufungskommission, stimmte man
dem Antrag zu. Man habe das Gleichstellungsgesetz nicht beachtet,
heißt es nun, aber im Grunde ist es für eine Änderung zu spät. Die
Verträge sind bereits verschickt worden.
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