[echo] Stra ß e nach Rassist benannt
Bahari Ndogo
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Wed Mar 19 13:40:13 CET 2008
Hamburger Abendblatt
14. März 2008
Carl Peters hielt Schwarze für minderwertig
Straße nach Rassist benannt
Eine Umbenennung wurde nach dem Krieg übersehen. Die Anwohner der
Carl-Peters-Straße wollen keinen neuen Namen, weil das Geld kostet.
Von Carolin George
Lüneburg -
Er war Rassist, ließ Afrikaner hängen und wurde letztlich unehrenhaft aus
dem deutschen Reichsdienst entlassen: der Begründer der Kolonie
Deutsch-Ostafrika Carl Peters, geboren 1856 in Neuhaus, heute Landkreis
Lüneburg. Im Lüneburger Stadtteil Goseburg ist noch heute eine Straße nach
ihm benannt. Die Stadtverwaltung will das ändern, stößt aber auf Widerstand
bei den Anwohnern.
"Vor Jahren untersuchte eine wissenschaftliche Kommission sämtliche
Lüneburger Straßennamen nach möglichen Überbleibseln aus dem Dritten Reich,
die nicht bereits direkt nach dem Krieg korrigiert wurden", sagt Daniel
Steinmeier aus dem Pressereferat der Stadt. "Entdeckt wurde einzig die
Carl-Peters-Straße." Die hatten die Nationalsozialisten laut dem
Bürgervereinsvorsitzenden Rüdiger Schulz 1937 "bei Nacht und Nebel und ohne
Ratsbeschluss benannt", denn Carl Peters wurde von den Nazis quasi als
Urvater nationalsozialistischer Ideen wiederentdeckt.
Laut Internet-Lexikon Wikipedia hatte Peters in der "Kolonialpolitischen
Correspondenz" die sogenannten "nicht-weißen Rassen" als minderwertig
bezeichnet, als einzige Existenzberechtigung habe er ihnen ein Dasein als
Arbeitskräfte unter der Herrschaft weißer Bauern zugebilligt. Seine
Entlassung 1897 war mit der unwürdigen Behandlung der Eingeborenen
begründet. Rüdiger Schulz: "Man nannte ihn Hänge-Peters, weil er Schwarze
nach seinem Belieben hat hängen lassen."
Als Vorsitzender des Bürgervereins spricht Schulz sich für eine Umbenennung
der Straße aus, weiß aber auch: "Das wird auf massiven Widerstand der
Anwohner stoßen. Die müssten schließlich sämtliche Angaben, Briefpapier und
Visitenkarten ändern." Daniel Steinmeier: "Wir haben eine Anwohnerbefragung
durchgeführt, und die Mehrheit war dagegen. Wir arbeiten daher weiter an
einer Problemlösung."
Zu viel Wind um die Sache wähnt Hans-Peter Breidenbach, Geschäftsführer der
Wohnungsgenossenschaft Lüneburg, die in der Carl-Peters-Straße zahlreiche
Wohnungen vermietet. "Das ist ein Name, der auf einem Schild steht. Weiter
wird das nicht zur Kenntnis genommen. 99,5 Prozent wissen nicht, wer das
war, niemand identifiziert sich damit." Eine Umbenennung wäre bürokratischer
Aufwand und würde nichts bewirken.
Ein möglicher Kompromiss wäre eine kleine Tafel am Straßenschild mit
Informationen über Peters. Entscheiden über den Straßennamen muss der
Stadtrat.
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