Re: [echo] Lebenslust ¿ und sexuelle Befreiung ¿ : Sonntag, 23.3.2008 ab 14 Uhr in Halle 13

Heiner Metzger post at heinermetzger.de
Thu Mar 20 12:52:57 CET 2008


auch seltsam:

nach der otto-mühl retrospektive in der privaten sammlung von  
dr.falckenberg im jahre 2004 scheint sich harburg/wilhelmsburg zum  
otto muehl fanstadtteil zu entwickeln .

hier ein artikel zu der damaligen ausstellung: http://www.abendblatt.de/daten/2005/06/25/451682.html

Mit einer Handbewegung wischt die Künstlerin alle Vorwürfe gegen Muehl  
vom Tisch: „Muehl hat die Kommune für Frauen erfunden", schwärmt sie.  
„Es ist absolut paradiesisch, den ganzen Tag Malen und Tanzen."  
Deshalb kann sie sich auch nicht richtig von der Kommune trennen,  
obwohl sie aus familiären Gründen an Wilhelmsburg gebunden ist.  
„Alles, was ich hier zeige, habe ich in der Kommune gelernt,"

was sie "gelernt" hat, kann eine betrachtung der bilder ergeben: http://www.katharinajensen.com/

schon toll, wenn männer kommunen für frauen erfinden.

und zu den "vorwürfen gegen otto muehl" hier der artikel eines  
"ehemaligen kommunemitglied":

http://www.re-port.de/Die%20Diktatur%20der%20freien%20Sexualitaet.html

daraus:

ANDREAS SCHLOTHAUER:

DIE DIKTATUR DER FREIEN SEXUALITÄT - VOM ENDE EINER 'SEKTE'

Aus AGPF AKTUELL I/92 vom 15.1.92

...DER PROZESS

Das Gerichtsverfahren gegen Otto Mühl - ein Schöffengericht unter dem  
Vorsitz von Richterin Jelinek - begann am 13. November 1991 in  
Eisenstadt (Burgenland). Nach fast vier Jahren öffentlicher Lüge,  
Verhöhnung der Opfer und Verleumdung der ihn anzeigenden Ex- 
KommunardInnen: "Sie waren doch alle über 14 ... In unserer  
Gemeinschaft wurde niemand zu irgendetwas gezwungen, gepreßt oder  
genötigt. Am allerwenigsten zum Beischlaf mit dem Chef. Zum Nötigen  
hat mir glatt die Zeit gefehlt bei all den Freiwilligen" [Krone  
4.11.90] gab Mühl bereits vor Prozeßbeginn die meisten seiner Vergehen  
zu. (Noch in der Anklageschrift vom 31.5.91 hatte es geheißen: "Der  
Beschuldigte Mühl gibt an, mit einer Vielzahl von Frauen der Kommune  
nach Vollendung ihres 14. Lebensjahres geschlechtliche Beziehungen  
unterhalten zu haben. Ihm sei jedoch keine derartige Führungsposition  
zugekommen und es habe ein Autoritätsverhältnis zu den Jugendlichen im  
Sinne des § 212 StGB nicht bestanden." [AS]) Sogar den Mißbrauch von  
Unmündigen (unter 14 Jahren) gestand Mühl nun. Lediglich die Anwendung  
physischer wie psychischer Gewalt leugnete er. Leicht gebeugt, fast  
untertänig präsentierte sich Otto Mühl in seinem taubengrauen Anzug  
mit dezent gestreifter Krawatte dem Gericht. Dem Blitzlichtgewitter  
der zahlreichen Photographen stellte er sich ohne spürbare Erregung.  
Devot und höflich-unbeteiligt antwortete er dem Gericht, wenn er  
gefragt wurde. Kaum vorstellbar, daß dieser unscheinbare ältere Herr  
charismatischer Führer oder gar totalitärer Herrscher einiger hundert  
Erwachsener gewesen sein soll. Mühl, auch jetzt noch Meister der  
Verstellung. Ein Mann der Gegenwart mit der Fähigkeit des Vergessens.  
Der zweite Tag des Prozesses war der Tag der Opfer. Die Presse und  
andere Zuhörer waren des Saales verwiesen und sahen lediglich wie die  
Mädchen "verängstigt den Gerichtssaal betraten und ihn heulend wieder  
verließen" [Standard 15.11.91]. Auch Mühl mußte - auf Wunsch der  
Zeuginnen - die meiste Zeit außerhalb des Gerichtssaales verbringen.  
Auf den Gängen und im Zeugenzimmer waren die Mädchen einem subtilen,  
psychischen Druck ausgesetzt. Mühl-treue KommunardInnen schrieben ihre  
Unterhaltungen mit und gaben die Notizen an den Anwalt Mühl's (E.  
Wegrostek) weiter, versuchten einzelne in Gesprächen zu beeinflußen  
etc. Nach mehreren Verwarnungen sah sich Richterin Jelinek zum Schutz  
der Zeuginnen gezwungen, vier Gendarmen auf den Gängen zu verteilen.  
(Nicht umsonst lautete das Fazit von Inspektor Frühstück in der  
Sachverhaltsanzeige des Landesgendarmeriekommando vom 23.1.90: "Aus  
den Befragungen der ehemaligen Mitglieder und auch bei den Befragungen  
der Noch-Mitglieder gewinnt man den Eindruck, daß sie unter starkem  
psychischen Druck stehen und vor irgendjemand Angst haben.") Nach den  
bewegenden Schilderungen der sieben, von Mühl mißbrauchten Mädchen  
folgte - unter Ausschluß der Öffentlichkeit - die Video-Vorführung  
eines Zusammenschnittes verschiedener Selbstdarstellungsabende am  
Friedrichshof. Neben Gewalttätigkeiten Otto Mühl's war mehrfach seine  
Frau Claudia zu sehen, wie sie minderjährige Buben vor einem  
enthusiastischen Publikum zum Oralverkehr nötigte. "Ich habe die Filme  
gesehen, sie übertreffen alles Bisherige", sagte die Richterin  
anschließend. "Die Buben wollten das nicht, sie haben geweint. Die  
sind für ihr Leben geschockt. Es war ihr Bub, ihr eigener Bub und  
seine Stiefmutter!" (Einer der Jungen ist der Sohn von Otto Mühl und  
Claudia's Schwester.) Staatswanwalt Rabong meinte, noch unter dem  
Eindruck der Zeugenaussagen und Videovorführung stehend, in seinem  
Plädoyer: "Ich habe schon viele große Prozesse erlebt, aber noch in  
keinem hat mich das Schicksal der Opfer so bedrückt wie in diesem.  
Mühl hat Terror ausgeübt. Was ein KZ ist, wissen wir aus der  
Geschichte. Was die Mädchen am Friedrichshof mitmachen mußten, war  
genauso schrecklich. Otto Mühl hat mit Menschen experimentiert, er hat  
sie manipuliert. Er war als Künstler so sensibel, daß er zu wissen  
glaubte, wenn ein Mädchen 'nein' sagte, es tatsächlich 'ja' meinen  
müsse. Die Jugendlichen waren nicht freiwillig dort, er hatte ihnen  
die Eltern genommen und damit die Möglichkeit die Kommune zu  
verlassen. Sie hatten keine Chance." Rabong forderte das Gericht auf,  
die mögliche Höchststrafe von 10 Jahren auszuschöpfen. Rechtsanwalt  
Steinbauer, der Vertreter einer Zeugin hob sehr sachkundig in seinem  
Plädoyer die subtile Methodik der psychischen Gewalt hervor. Sein  
Resümee: "Was wir hörten und sahen war nur die Spitze des Eisberges".  
Tatsächlich waren die 2 Tage nur ein kleines Fenster in die  
Vergangenheit. Ein dumpfer Schatten Kommuneleben der letzten Jahre zog  
in Form von Erinnerungs- und Gefühlsfetzen durch den nüchtern  
eingerichteten Gerichtssaal. Es war schwer, nicht betroffen zu sein,  
Mühl gelang dies. Kaum eine menschliche Regung während der zwei Tage,  
ganz offensichtlich sah er sich zu Unrecht dorthin gesetzt. Sicher, er  
habe mit den minderjährigen Mädchen geschlafen, aber sie hätten dies  
freiwillig getan, ja er habe sich kaum vor den Gelüsten der Teenager  
retten könne. Er als Künstler sei so sensibel, daß er merke, wenn  
jemand nicht wolle. Haben die Prozeßtage eines gezeigt, dann ist es  
die tiefe Gefühl- und Beziehungslosigkeit Mühl's. Mitgefühl,  
Einfühlungsvermögen oder gar Mitleid sind ihm anscheinend fremd. Erst  
die weitgehende Nicht-Existenz solcher Gefühle ermöglichte ein System  
psychischen Terrors, wie es in der Kommune jahrelang bestand. Die  
tiefe geistige Isolation der KommunardInnen bei engster körperlicher  
Nähe war besonders für die heranwachsenden Kinder grausam. Eine  
Erfahrung der Welt außerhalb des Friedrichshof-Mauern (bzw. Gomera)  
war verboten, die Handlungsalternative des Auszugs bestand für sie  
nicht. Sie waren schutzlos und dadurch in einem permanenten Zustand  
psychischer Destabilität. Körperliche Gewalt reichte als gelegentliche  
Drohung, die gegenseitige Kontrolle und Bespitzelung war genug. Die  
fehlende Solidarität und die unterentwickelte Fähigkeit des Mitfühlens  
von Seiten der erwachsenen KommunardInnen sind eine schwere Schuld.  
Immer wieder sah ich während des Prozesses nicht nur Otto Mühl und  
Bernd Stein vor ihren RichterInnen, sondern auch mich und hunderte  
anderer Erwachsener, die wir einerseits Opfer und andererseits  
Mittäter an den Kindern geworden sind. Mittäter durch unsere  
selbstbezogene Unfähigkeit die Notlage anderer sehen zu wollen und zu  
können. Vielleicht war es gerade diese späte gegenseitige Bezeugung  
von Sympathie, Mitgefühl und Solidarität der erschienen ZeugInnen, die  
ein wenig das erlittene Unrecht heilen kann. Nach Jahren der tief  
vergrabenen Verletzungen endlich gegenüber höheren RichterInnen den  
absolut herrschenden Mühl zu konfrontieren; verschüttete Schmerzen  
zuzugeben und eine Antwort zu fordern. Die tiefe Bewegung und der  
Wahrheitswille der ZeugInnen prallte von einem selbstgerechten, sich  
nur formal schuldig fühlenden Mühl ab. Nach all den Jahren der Nicht- 
Ethik, der Nicht-Wahrheit, der Nicht-Gerechtigkeit, den Jahren der  
totalen "künstlerischen und spielerischen Freiheit" eines Menschen war  
die Erfahrung von abstrakt gesetzten, gesellschaftlich-traditionellen  
Werten eine grundlegende Erfahrung. Mag das Urteil von 7 Jahren Haft  
für einen Außenstehenden unverständlich ja allzu streng erscheinen, so  
sei gesagt: das, was Mühl vor Gericht erfahren hat und noch in seiner  
Haft erfahren wird, war menschlicher als das, was er selbst all die  
Jahre anrichtete. Verglichen mit der Summe der Jahre, welche die  
Bewältigung der Mühl'schen Psychoterrorherrschaft die Kinder und  
Jugendlichen kostet und kosten wird, sind diese 7 Jahre eine milde  
Strafe. Für einen, in seiner Kritik ins Destruktive neigenden  
ehemaligen Linken wie mich, war es eine bleibende Lektion in  
Demokratie. Der Wille zur Kritik und zum Zweifel an gegenwärtigen  
Mißständen ist ohne das Vertrauen in die bestehenden demokratischen  
Errungenschaften ohne Basis. Die Erfahrung, nach fast 4 Jahren des  
Bemühens um Aufklärung, die öffentliche Fassade des Psycho-Terror- 
Systems Friedrichshof zerstört zu haben, hat meine kritische  
Wahrnehmung mit einem konstruktiven Bemühen verbunden. Diejenigen  
Kunstszene-Sympathisanten Mühl's (C.L. Attersee, J.C. Ammann, J. Hoet,  
U. Krinzinger, H. Nietsch, O. Oberhuber, K. Oberhuber, H. Szeemann  
u.a.), die vor dem Prozeß mit einer gemeinsam unterschriebenen  
Erklärung an die "mediale Fairneß" der Presse appellierten und die  
nach dem Prozeß feuchte Augen angesichts der 'Härte' des Staates  
gegenüber Mühl und seinen verantwortlichen Frauen hatten, seien  
gefragt, wo ihr Mitgefühl in den Jahren zuvor war, als diese Personen  
wichtige emotionale Grundlagen der Kommunekinder durch Dummheit und  
Selbstsucht zerstörten und wann ihr Appell an Mühl erfolgte, nachdem  
seit 1988 die Mißstände veröffentlicht waren. Glaubten sie etwa Mühl's  
Worten? "Ein Künstler lebt freier und setzt sich andere Maßstäbe als  
der Rest der Menschheit. Der Künstler als Mensch ist frei und nicht  
mit herkömmlichen Maßstäben zu messen. Ich habe niemandem Schaden  
zugefügt." [Basta 9/91] Hermann Nietsch verglich Mühl sogar mit Egon  
Schiele und meinte: "Erotik war dort (am Friedrichshof) ein Spiel, das  
war eine Großfamilie, in der es Streitigkeiten gab. In die sollte sich  
der Staat nicht einmischen. Hüten wir uns vor einer sich  
verselbständigen Justiz." [Basta 9/91] Vielleicht sollten wir uns  
ebenso vor der Weltfremdheit von einigen Künstlern und Kunstmanagern  
hüten, die da meinen: "Am Friedrichshof sind alternative Lebensformen  
zwei Jahrzehnte lang gelebt worden, von dort sind wichtige Impulse für  
die österreichische und internationale Kunst ausgegangen." (Dann geht  
wohl Bhagwan als großer Sammler von Rolls-Royce und Edel-Kleidern in  
die Geschichte ein.) Nur Günter und Anni verweigerten sich ihren  
Künstlerkollegen, aus gutem Grund, sie waren mehrmals einige Tage am  
Friedrichshof bzw. in Gomera und hatten hinter die Fassaden geblickt.  
Sie schreiben: "Die Kunst ist frei oder sollte frei sein. Der Künstler  
aber hat als Mensch die gleiche moralische und soziale Verpflichtung  
und ist mit gleichen Maßstäben zu messen wie jeder andere  
Mensch.“ (Profil 91/46,s. 86)


Am 20.03.2008 um 07:56 schrieb Mathias Lintl:
> Ende mit Kaffee und Kuchen.
>  Sonntag, 23.3.2008 ab 14 Uhr in Halle 13
>  HH-Wilhelmsburg
>
>  ----------------------------------------------------
>
>  Lebenslust und sexuelle Befreiung
>  Katharina Jensen stellt erstmals aus
>
>  Von Ernst Brennecke
>
>  Wilhelmsburg. Wenn der Name Otto Muehl fällt, dann wird die  
> Erinnerung an wilde Aktionskunst der 60er-Jahre wach, aber auch an  
> Prozesse und Verurteilungen wegen Vergewaltigung und Missbrauch  
> sowie an die Kunst-Kommunen in Österreich, auf Gomera und in Portugal.
>  Die jetzt zwischen Wilhelmsburg und der portugiesischen „Art Life  
> Algarve"-Kommune hin und her pendelnde Malerin Katharina Jensen  
> stellt zum ersten Mal ihre Bilder öffentlich aus: in der Halle 13 in  
> Wilhelmsburg. Zu sehen sind expressive weibliche Akte, die  
> ausschließlich Lebensfreude und -lust vermitteln, aber auch für  
> sexuelle Befreiung und Erfüllung stehen.
>  Mit einer Handbewegung wischt die Künstlerin alle Vorwürfe gegen  
> Muehl vom Tisch: „Muehl hat die Kommune für Frauen erfunden",  
> schwärmt sie. „Es ist absolut paradiesisch, den ganzen Tag Malen und  
> Tanzen." Deshalb kann sie sich auch nicht richtig von der Kommune  
> trennen, obwohl sie aus familiären Gründen an Wilhelmsburg gebunden  
> ist. „Alles, was ich hier zeige, habe ich in der Kommune gelernt,"  
> fügt sie noch hinzu.
>  Das ist vor allem ein klarer Stil und das Vermögen, mit möglichst  
> vielen Materialien gestalten zu können. So wirken die Bilder aus der  
> Entfernung wuchtig wie mit Öl gemalt. Erst wenn man näher  
> herantritt, ist zu erkennen, dass die meisten Arbeiten aus  
> raffiniert verwendeten Stoffen bestehen. Selbst aus einem Feudel ist  
> noch ein bemerkenswertes Porträt entstanden.
>  Die ausgestellten Bilder wirken in sich geschlossen, gezielte  
> Verzeichnungen und damit neu erfundene Flächen sorgen für  
> ausdrucksstarke Charakterisierungen. Das ist eine eigene Klangfarbe  
> in der Kunst. Schade, dass diese Arbeiten bisher nicht in der  
> Öffentlichkeit zu sehen waren und jetzt nur durch einen Zufall zu  
> sehen sind.
>  Wilhelmsburg, Halle 13, Neuhöfer Straße 23, 14. bis 23. März,  
> freitags bis sonntags von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Vernissage heute  
> 19 Uhr.
>
>  Harburger Anzeigen und Nachrichten, 13.3.2008
>
>  ------------------------------------------------------
>  Halle 13 - Neuhöfer Straße 23 - 21107 Hamburg
>  mit Bus 13 bis Veringstraße Mitte - www.halle-dreizehn.de
>  Die Ausstellung wird unterstützt von KuBaSta e.V. Kunst Bauen  
> Stadtentwicklung
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