[echo] Doku-Film "Generation Model"

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Mon May 5 09:28:08 CEST 2008


Doku-Film "Generation Model"
Produkte zweifeln nicht

Kind, Adonis, Angry Young Man: Ein Junge möchte Model werden. Die Doku 
"Generation Model" in der Fernsehspielreihe "Der schöne Schein" (ZDF, 
0.15 Uhr) blickt hinter die Kulisse seines Körpers

Paul ist zeitgemäß, sagt eine Agentur. Paul ist jung und hat Spaß, er 
gibt sein Geld für Clubs und Klamotten aus, sagt ein Modelabel. Paul 
kann ganz Junge sein, aber auch sehr feminin, sagt ein Fotograf. Sie 
alle sagen das aufgrund der Bilder, die sie von Paul gemacht haben. Was 
Paul will, was ihn interessiert, was er gerne machen möchte, gehört 
nicht zum Geschäft rund um Mode und Models. Man ist ein Produkt, sagt Paul.

Die Regisseurin Anne-Kristin Jahn hat nun ein weiteres Bild des 
männlichen Models Paul geschaffen. Eines, das über die Schönheit seiner 
Oberfläche hinausgeht. Im Dokumentarfilm "Generation Model" aus der 
ZDF-Reihe "Der schöne Schein" begleitet sie den erst 18-, später 
19-jährigen Paul Boche über mehrere Monate und zeigt einen jungen, 
fragilen Mann, der ein bisschen adoleszent an den Menschen zweifelt, der 
irgendwie gern alleine im Wald ums nackte Überleben kämpfen möchte, aber 
es auch großartig findet sich in den Rausch einer Nacht zu begeben, in 
der man 240 Euro teuren Wodka neben Leonardo DiCaprio trinkt.

Mit "Generation Model" glückt Jahn ein Porträt über eine Generation von 
- Darstellern. "Auf Karriere haben wir beide keinen Bock, wir möchten 
gleich ganz oben einsteigen", sagt Pauls Freund. Doch am Beispiel von 
Paul Boche, der eine Mischung aus Kind, Adonis und Angry Young Man ist, 
liefert Jahn auch eine Erklärung, warum diese Heranwachsenden so 
anspruchsvoll und gleichzeitig so wenig kämpferisch sind. In Paul 
interpretiert jeder etwas hinein, seien es seine Lehrer, seine Agenten 
oder seine Freunde. Jeder will, dass er etwas für sie erfüllen soll.

Am spannendsten ist dieser sehenswerte Film, wenn er Paul in seiner 
alten Welt zeigt: einer Hausgemeinschaft in Eisenach, in der jede Menge 
linker Selbstverwirklicher ihre Visionen von alternativem Leben leben. 
Vor dieser Kulisse künstlerisch kreativer Menschen, ist es einem noch 
unklarer, was den Reiz des Modelseins ausmachen könnte. "Ich will etwas 
machen, das groß ist", sagt Paul zu einem der Hausbewohner. "Willst du 
das, Paul?", fragt der zurück. Die Antwort bleibt aus.
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VON JUDITH LUIG/taz





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