[echo] clayonnage compacte festival: Andreas Peschka, Stempelset für Attentäter, Vortrag

Andreas Peschka geopoet at gmx.de
Fri May 16 06:59:16 CEST 2008


Abgründe aufs Podium, Vortrag

Andreas Peschka "Stempelset für Attentäter"

Mittwoch, 21. Mai - 18:00 Uhr

http://www.clayonnage.de/compacte/programm/1800-vortrag-andreas-peschka-stempelset-fur-attentater/

http://www.clayonnage.de/compacte/programm-ubersicht/





"Hiermit gestatte ich es jedem Attentäter, meinen Fingerabdruck am Tatort zurückzulassen."

Als der Chaos Computer Club neulich den Fingerabdruck unseres ziemlich neugierigen Bundesinnenministers veröffentlichte und die Anleitung zur Reproduktion einer Fingerabdruck-Maske gleich mit, war halb Deutschland in Aufregung.

Nur Wolfgang Schäuble blieb cool, schließlich hat der Mann nix zu verbergen. Auch wir haben nur müde gelächelt, denn wir hatten ja längst das Original zu unserem Festival eingeladen. Das ist zum Glück nicht Schäuble, sondern der Künstler Andreas Peschka:

Obwohl klar abgegrenzt gegen Gewalt als menschlicher Konfrontationsform und Herrschaftsmittel, löste der Terrorismus der 70/80er Jahre in Andreas ambivalente Gefühle und Reflexionen aus, die er damals in einem kleinen konzeptuellen Kunstwerk bündelte: dem Stempelset für Attentäter. Er machte damals von seinem rechten Zeigefinger einen Abdruck, den er als Stempel reproduzieren ließ, und hatte damit ein Mittel, einen seiner Fingerabdrücke unabhängig von seiner Anwesenheit über die Welt zu verteilen. Diesen Stempel versah er mit einer kleinen Urkunde:

"Hiermit gestatte ich es jedem Attentäter, meinen Fingerabdruck am Tatort zurückzulassen."

Dieses Stempelset hat ihn seitdem durch all die Jahre ständigen, wenn auch wechselnden und unterschiedlichen Terrors begleitet. Es ist nach wie vor eine Möglichkeit, seinen Finger in die Wunde zu legen: 1. in die der Ohnmacht, vielleicht hinweisen jedoch nicht heilen zu können; und 2. in jener, seiner prinzipiell gewaltfreien Haltung zuwiderlaufenden Identifikation, in der Wut und Schmerz über schlechte gesellschaftliche Verhältnisse die Wut und den Schmerz von Terroristen nachvollziehbar, gar vertretbar erscheinen lassen konnten - aber in eigenartiger Weise uneigentlich, medial, vermittelt, in einer leeren Art der Beteiligung.

Die biometrische Bestimmung des Individuums sieht er besonders durch Vervielfältigungstechniken zu einem Zeitpunkt untergraben, an dem die biometrische Gesamterfassung der Bevölkerung in großem Maßstab betrieben wird. In einem Brief, den er anläßlich eines jener naiven Artikel über die Fingerabdruckerfassung an Spektrum der Wissenschaft geschrieben hat, ist das einigermaßen ausführlich dargelegt worden. Der Antwortbrief von Spektrum soll Ausgangsdokument für seinen Auftritt auf dem Festival sein.

Kommt zahlreich und unbeobachtet!

Andreas Peschka
GEOPOET
Lüner Weg 67
21337 Lüneburg

geopoet at gmx.de






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