[echo] Feminine Genius: Women's intellectual culture in the 20th
century
Bahari Ndogo
bahari1 at gmx.de
Fri May 16 11:13:07 CEST 2008
Wir moechten zu folgender Veranstaltung einladen:
Vortrag
Julia Kristeva
"Feminine Genius: Women's intellectual culture in the 20th century"
Montag, 09.06.2008, 20 Uhr
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Jaegerstr. 22/23,
10117 Berlin-Mitte, Einstein-Saal
***
Zum Vortrag (in englischer Sprache):
Die Werke von Hannah Arendt, Melanie Klein und Colette stuetzen und
erhellen meine Arbeit und meine Existenz im Rhythmus der Zufaelle und
Notwendigkeiten eines intellektuellen Lebens schon seit langem. Die
Jahre des Schreibens an Le génie féminin, jener Trilogie, die ich ihnen
gewidmet habe, gehoeren nun meiner Vergangenheit an. Waehrend dieser
Zeit war mein Umgang mit den drei Frauen so intensiv, dass es mir jetzt,
da ich diese Arbeit beende, so vorkommt, als habe ich tatsaechlich an
ihrem Leben teilgehabt. Zwischen uns sind enge Verbindungen entstanden,
sowohl durch schwesterliche Naehe in der eine innige Zaertlichkeit mit
jenen unbewussten Projektionen ringt, die eine erotische Anziehung
verraten als auch durch gereizte Distanzierungen und kritische
Zurueckweisungen. Freilich hat in erster Linie eine große Bewunderung
fuer diese drei Frauen meine Lektueren bestimmt und meine Beschaeftigung
mit ihren verschlungenen Abenteuern befoerdert. Wenn die Leser den
Eindruck bestaetigen koennten, der in meinem Umfeld zuweilen geaeußert
wurde, dass naemlich die hier vorgeschlagene Interpretation ein Ausdruck
großzuegigen Denkens sei, dann waere das das schoenste Geschenk, das
Arendt, Klein und Colette mir gemacht haben: etwas zu offenbaren, das
die Haerte des Lebens nicht immer zu zeigen erlaubt.
Die provozierende Uebertreibung, die dem Begriff "Genie" eigen ist, war
der rote Faden meiner Arbeit. Er half mir bei der Entzifferung der
Ueberschreitungen, die diese drei Frauen in ihren jeweiligen Feldern
unternommen haben (politische Philosophie, Psychoanalyse, Literatur) und
die zu vergleichbaren UEberschreitungen einladen moegen, wenn man ihren
Kaempfen und Fortschritten folgt und dabei die eigenen schaerft. Denn
ich bin davon ueberzeugt, dass die Verwirklichung der Menschenrechte im
Ideal des mittelalterlichen Philosophen Duns Scotus besteht, das unsere
Epoche nunmehr verwirklichen kann: aufmerksam zu sein fuer die Diesheit
(die haecceitas), sich um die Entfaltung unserer Einzigartigkeit zu
bemuehen, fuer das Eintreten des 'Jemand' ins Beliebige zu sorgen (des
'qui' ins 'quelconque'). Das "Genie" ist in einem bestimmten
historischen Moment die komplexeste, verfuehrerischste, fruchtbarste
Version dieser Einzigartigkeit, und nur auf diese Weise schreibt es sich
in die Zeit und ins Universelle ein.
Zu Julia Kristeva:
Julia Kristeva ist Literaturtheoretikerin, Psychoanalytikerin und
Schriftstellerin. Die gebuertige Bulgarin lebt und arbeitet seit 1966 in
Frankreich. Sie ist heute Professorin an der Université Paris 7 Denis
Diderot, wo sie als Direktorin das Graduiertenkolleg Langue,
littérature, image, civilisations et sciences humaines leitet. Kristeva
ist Officier des Ordre national du Mérite und der Légion d'honneur; ihr
wurde mehrfach die Ehrendoktorwuerde verliehen (Harvard, Toronto,
Bayreuth, Sofia u.a.) und sie ist Mitglied des Institut universitaire de
France (2000) und der British Academy (2004). 2006 wurde sie mit dem
Hannah-Arendt-Preis ausgezeichnet. Ihre Schriften zur Linguistik und zur
Sprache sowie ihre Mitarbeit an der literaturkritischen Zeitschrift Tel
Quel praegten die poststrukturalistische Diskussion maßgeblich mit.
Beeinflusst wurde sie u.a. von der Freudschen und Lacanschen
Psychoanalyse, dem russischen Formalismus (sie machte Michail Bachtin in
der franzoesischen intellektuellen Szene bekannt) und der Philosophie
Hegels.
Publikationen (Auswahl):
Thérèse mon amour. Sainte Thérèse d'Avila, Paris 2008; Cet incroyable
besoin de croire, Paris 2007; La Haine et le Pardon, Paris 2005; Le
Génie feminine. La vie, la folie, les mots (3 Baende zu Hannah Arendt,
Melanie Klein, Colette, Paris 1999--2002). Auf deutsch sind zuletzt
erschienen: Hannah Arendt (= Das weibliche Genie. Das Leben, der Wahn,
die Woerter, Bd. 1), Berlin 2001; Die neuen Leiden der Seele, Gießen
1994; Fremde sind wir uns selbst, Frankfurt/M. 1990; Geschichten von der
Liebe, Frankfurt/M. 1989.
Mit freundlichen Grueßen
--
Sabine Zimmermann
Zentrum fuer Literatur- und Kulturforschung
Schuetzenstr. 18
D-10117 Berlin
Tel: 030-20192-180
Fax: 030-20192-154
www.zfl.gwz-berlin.de
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