[echo] Wilhelm Rahlfs attackiert Rolf Becker bei Lesung

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Sat May 17 02:13:15 CEST 2008


Hamburger Abendblatt, 16.5.2008

Wilhelm Rahlfs attackiert Rolf Becker bei Lesung
Ex-Wirtschaftssenator prügelt auf Schauspieler ein

Von Matthias Schmoock

Schwere Vorwürfe gegen den früheren Hamburger Wirtschaftssenator  
Wilhelm Rahlfs (69). Der FDP-Politiker soll den bekannten  
Schauspieler Rolf Becker (73) während einer Lesung mit einem  
Krückstock angegriffen und geschlagen haben. Zahlreiche Zeugen  
bestätigen den Vorgang, die Polizei ermittelt. Die Prügelattacke  
ereignete sich am vergangenen Donnerstag. Becker las auf Einladung  
des Arbeitskreises "Bücherverbrennung - nie wieder!" um 14 Uhr auf  
dem Rathausmarkt Heine-Texte - direkt neben dem Denkmal des Dichters.  
Nach Angaben von Helga Obens vom Arbeitskreis habe der große,  
kräftige Rahlfs zunächst "Unverständliches gerufen" und sei dann auf  
Becker losgegangen. Der Schauspieler sei unter anderem am Rücken  
verletzt worden. Makaber: Becker hatte bei der Veranstaltung, die an  
die NS-Bücherverbrennung erinnerte, gerade die Heine-Worte gelesen:  
"Man kann meine Bücher verbrennen, meine Worte ausmerzen - ich bin  
überall angeeckt und ausgestoßen, aber - eines kann man mir nicht  
nehmen: die Vernunft, die in diesem Jahrhundert und in diesem Land  
eine Rarität ist." Rahlfs, von 1987 bis 1991 Senator und Mitglied in  
zahlreichen Aufsichtsräten, spricht gegenüber dem Abendblatt von  
einem "Missverständnis". Der Politiker, der 1989 einen Schlaganfall  
erlitt und seitdem meistens am Stock geht, zum Abendblatt: "Ich  
dachte, da hat jemand die Bannmeile verletzt und hält nun  
Brandreden." Er habe Becker dann aufgefordert, damit aufzuhören, ihn  
aber nicht tätlich angegriffen.

Rolf Becker, der den Politiker inzwischen angezeigt hat, beschreibt  
den Vorfall ganz anders. Danach habe Rahlfs zunächst  
"Unmutsäußerungen gerufen" und ihm dann unvermittelt in den Rücken  
geschlagen. Ein Rückenwirbel sei geprellt, schlimmer seien allerdings  
die "seelischen Schmerzen". Becker: "Das war eine ganz hinterhältige  
Attacke, und ich frage mich, was in so einem Menschen eigentlich  
vorgeht." Man hätte streiten und diskutieren können - "aber prügeln,  
das geht nicht". Rahlfs habe nun "ganz schlechte Karten", denn es  
gebe etliche Augenzeugen für den Ausraster. Unter anderem habe sich  
ein pensionierter Amtsrichter sofort als Zeuge zur Verfügung  
gestellt. Rolf Becker verlangt eine Entschuldigung, ansonsten "will  
ich nichts von dem". Sein Vorschlag: Rahlfs solle Geld für einen  
guten Zweck spenden. Der Arbeitskreis teilte unterdessen in einer  
Pressemitteilung mit: "Der deutsche Dichter Heinrich Heine provoziert  
auch im Jahr 2008 noch Prügelattacken."

erschienen am 16. Mai 2008



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