[echo] Kulturbehörde finanziert "Feld für Kunst" - die Tamm-Gegner

cornelia sollfrank cornelia at snafu.de
Mon May 19 10:09:03 CEST 2008


Abendblatt, 19.5.2008

Das Maritime Museum

Kulturbehörde finanziert die Gegner

Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) kämpft unermüdlich für  
das neue Internationale Maritime Museum von Peter Tamm in der  
Hafencity. Die Stadt investiert Millionen in das Vorzeigeprojekt –  
und fördert gleichzeitig die kritische Gruppe „Feld für Kunst".

Das computerbearbeitete Bild zeigt den Kaispeicher B in der Hamburger  
Speicherstadt mit seinen Anbauten. In dem historischen Gebäude am  
Hafenrand soll die maritime Sammlung von Prof. Peter Tamm zu einer  
Touristenattraktion in der Hafencity werden.
Wann immer sich die Gelegenheit bietet, weist die Senatorin darauf  
hin, dass das Museum, das am 25. Juni von Bundespräsident Horst  
Köhler eröffnet wird, die Stadt noch attraktiver für Touristen machen  
wird. Die öffentliche Hand investiert zu diesem Zweck immerhin 30  
Millionen Euro in den Ausbau des Kaispeichers B. Dafür stellte Tamm  
seine international beachtete Sammlung zu Verfügung.

Doch die Kulturbehörde, die für das Museum zuständig ist, scheint  
sich für soviel Stiftermut nicht erwärmen zu können. Sie unterstützt  
zeitgleich einen Künstlerverein, der massiv gegen das neue Museum  
agitiert – und mit Unterstellung Meinung macht.

„Feld für Kunst“ heißt der Verein, der sich 2004 aus einem  
Zusammenschluss mehrerer linker Künstler verschiedener Fachrichtungen  
gegründet hat. In der Kulturbehörde ist er offenbar sehr beliebt. So  
beliebt, dass er seit 2006 jährlich einen Zuschuss für sein  
Jahresprogramm erhält. Im vergangenen Jahr organisierte die mit  
Hamburger Steuergeldern bedachte Vereinigung eine Protestaktion gegen  
das Treffen der G8-Staaten in Heiligendamm bei Rostock.
In diesem Jahr bekommt „Feld für Kunst“ 2000 Euro von der  
Kultursenatorin und hat sich etwas besonderes ausgedacht: Unter dem  
Motto „Wo der Krieg wohnt“ starten die politisch ambitionierten  
Künstler eine breit angelegte Kampagne gegen das neue Internationale  
Maritime Museum mit „Vorträgen, Performances, Installationen und  
Interventionen im städtischen Raum Hamburgs“, wie es in einer  
Ankündigung heißt.

Unreflektierte Militaria-Schau
Grund für die Kampagne ist offenbar die in linksgerichteten Kreisen  
weit verbreitete Annahme, dass es sich bei Tamms Sammlung um eine  
unreflektierte Militaria-Schau handelt. Tatsächlich beschäftigt sich  
die Ausstellung überwiegend mit der zivilen Entwicklung der Seefahrt.  
Allerdings nicht ausschließlich, betont Peter Tamm: „Kriege ziehen  
sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte, und sie haben die  
Entwicklung der Schifffahrt entscheidend geprägt.“ Deshalb dürfe  
dieser Aspekt nicht ausgeblendet werden, sagt der Stifter.

Den öffentlich geförderten Künstlern reicht das nicht: Mit Anschlägen  
an Laternensäulen machen sie derzeit Stimmung gegen das Museum. So  
behaupten die „Feldkünstler“, dass die Reeder-Familie Schües dem  
Museum Bilder stiften werden, die von dem NS-Mann Hermann Göring  
stammen. Sie behaupten weiter, dass das chinesische Kulturministerium  
die letzte erhaltene Uniform vom Boxeraufstand zurückfordere, die  
sich im Museumsbesitz befinden soll. Nicht zuletzt plakatierte die  
Gruppe, Bundespräsident Köhler werde Tamm bei der Einweihungsfeier  
ein Knochenschiff-Modell eines amerikanischen Flugzeugträgers  
überreichen, das von irakischen Kriegsgefangenen geschnitzt worden  
sei. Mit der Wahrheit nehmen die Künstler es in den journalistisch  
verfassten Texten aber nicht so genau-

Kultursenatorin Karin von Welck Internationale Maritime Museum Peter  
Tamm Hafencity

„Das ist alles von A bis Z erlogen. Die Kunstgruppe hat mein Museum  
noch nie gesehen. Ich rate den Leuten erst einmal uns zu besuchen und  
sich informieren, bevor sie solche Unwahrheiten verbreiten“, sagt der  
Stifter Peter Tamm. Die Kulturbehörde, von der WELT befragt, gab sich  
ratlos: „Für uns stellt sich die Frage, ob hier das Feld der Satire  
überschritten wird“, sagte Behördensprecher Björn Marzahn. Es sei zu  
überlegen, „ob das noch Kunst ist oder schon üble Nachrede“.  
Konsequenzen werde die Kulturbehörde daraus aber nicht ziehen. „Wir  
werden das Geld nicht zurückfordern, weil wir nicht ein Projekt,  
sondern den Verein insgesamt unterstützt haben, sagt Marzahn.

Besonders pikant: Die Kultursenatorin fiel offenbar selbst auf den  
Schwindel der von ihr geförderten Künstler herein. Zweimal ließ von  
Welck in Peter Tamms Büro nachfragen, ob die Vorwürfe des  
Kunstvereins nicht doch echt sind. Die Künstler selbst schweigen. Sie  
waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. 


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