[echo] Kulturbehörde finanziert "Feld für Kunst" - die Tamm-Gegner
Jörn Müller
mueller at gute-stuecke.de
Mon May 19 10:55:34 CEST 2008
cornelia sollfrank schrieb:
> Abendblatt, 19.5.2008
nein, die "welt" - aber das machts nicht besser...
http://www.welt.de/hamburg/article2008110/Kulturbehoerde_finanziert_die_Gegner.html
gruß, jörn
> Das Maritime Museum
>
> Kulturbehörde finanziert die Gegner
>
> Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) kämpft unermüdlich für das
> neue Internationale Maritime Museum von Peter Tamm in der Hafencity.
> Die Stadt investiert Millionen in das Vorzeigeprojekt – und fördert
> gleichzeitig die kritische Gruppe „Feld für Kunst".
>
> Das computerbearbeitete Bild zeigt den Kaispeicher B in der Hamburger
> Speicherstadt mit seinen Anbauten. In dem historischen Gebäude am
> Hafenrand soll die maritime Sammlung von Prof. Peter Tamm zu einer
> Touristenattraktion in der Hafencity werden.
> Wann immer sich die Gelegenheit bietet, weist die Senatorin darauf
> hin, dass das Museum, das am 25. Juni von Bundespräsident Horst Köhler
> eröffnet wird, die Stadt noch attraktiver für Touristen machen wird.
> Die öffentliche Hand investiert zu diesem Zweck immerhin 30 Millionen
> Euro in den Ausbau des Kaispeichers B. Dafür stellte Tamm seine
> international beachtete Sammlung zu Verfügung.
>
> Doch die Kulturbehörde, die für das Museum zuständig ist, scheint sich
> für soviel Stiftermut nicht erwärmen zu können. Sie unterstützt
> zeitgleich einen Künstlerverein, der massiv gegen das neue Museum
> agitiert – und mit Unterstellung Meinung macht.
>
> „Feld für Kunst“ heißt der Verein, der sich 2004 aus einem
> Zusammenschluss mehrerer linker Künstler verschiedener Fachrichtungen
> gegründet hat. In der Kulturbehörde ist er offenbar sehr beliebt. So
> beliebt, dass er seit 2006 jährlich einen Zuschuss für sein
> Jahresprogramm erhält. Im vergangenen Jahr organisierte die mit
> Hamburger Steuergeldern bedachte Vereinigung eine Protestaktion gegen
> das Treffen der G8-Staaten in Heiligendamm bei Rostock.
> In diesem Jahr bekommt „Feld für Kunst“ 2000 Euro von der
> Kultursenatorin und hat sich etwas besonderes ausgedacht: Unter dem
> Motto „Wo der Krieg wohnt“ starten die politisch ambitionierten
> Künstler eine breit angelegte Kampagne gegen das neue Internationale
> Maritime Museum mit „Vorträgen, Performances, Installationen und
> Interventionen im städtischen Raum Hamburgs“, wie es in einer
> Ankündigung heißt.
>
> Unreflektierte Militaria-Schau
> Grund für die Kampagne ist offenbar die in linksgerichteten Kreisen
> weit verbreitete Annahme, dass es sich bei Tamms Sammlung um eine
> unreflektierte Militaria-Schau handelt. Tatsächlich beschäftigt sich
> die Ausstellung überwiegend mit der zivilen Entwicklung der Seefahrt.
> Allerdings nicht ausschließlich, betont Peter Tamm: „Kriege ziehen
> sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte, und sie haben die
> Entwicklung der Schifffahrt entscheidend geprägt.“ Deshalb dürfe
> dieser Aspekt nicht ausgeblendet werden, sagt der Stifter.
>
> Den öffentlich geförderten Künstlern reicht das nicht: Mit Anschlägen
> an Laternensäulen machen sie derzeit Stimmung gegen das Museum. So
> behaupten die „Feldkünstler“, dass die Reeder-Familie Schües dem
> Museum Bilder stiften werden, die von dem NS-Mann Hermann Göring
> stammen. Sie behaupten weiter, dass das chinesische Kulturministerium
> die letzte erhaltene Uniform vom Boxeraufstand zurückfordere, die sich
> im Museumsbesitz befinden soll. Nicht zuletzt plakatierte die Gruppe,
> Bundespräsident Köhler werde Tamm bei der Einweihungsfeier ein
> Knochenschiff-Modell eines amerikanischen Flugzeugträgers überreichen,
> das von irakischen Kriegsgefangenen geschnitzt worden sei. Mit der
> Wahrheit nehmen die Künstler es in den journalistisch verfassten
> Texten aber nicht so genau-
>
> Kultursenatorin Karin von Welck Internationale Maritime Museum Peter
> Tamm Hafencity
>
> „Das ist alles von A bis Z erlogen. Die Kunstgruppe hat mein Museum
> noch nie gesehen. Ich rate den Leuten erst einmal uns zu besuchen und
> sich informieren, bevor sie solche Unwahrheiten verbreiten“, sagt der
> Stifter Peter Tamm. Die Kulturbehörde, von der WELT befragt, gab sich
> ratlos: „Für uns stellt sich die Frage, ob hier das Feld der Satire
> überschritten wird“, sagte Behördensprecher Björn Marzahn. Es sei zu
> überlegen, „ob das noch Kunst ist oder schon üble Nachrede“.
> Konsequenzen werde die Kulturbehörde daraus aber nicht ziehen. „Wir
> werden das Geld nicht zurückfordern, weil wir nicht ein Projekt,
> sondern den Verein insgesamt unterstützt haben, sagt Marzahn.
>
> Besonders pikant: Die Kultursenatorin fiel offenbar selbst auf den
> Schwindel der von ihr geförderten Künstler herein. Zweimal ließ von
> Welck in Peter Tamms Büro nachfragen, ob die Vorwürfe des Kunstvereins
> nicht doch echt sind. Die Künstler selbst schweigen. Sie waren für
> eine Stellungnahme nicht erreichbar.
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