[echo] hinterconti |23.05. - 27.05 | MARKET GESTURES|

Michael Thomas MTHOMAS at BUREAU-K.DE
Wed May 21 16:15:10 CEST 2008


hinterconti marktanalysiert.


Freitag | 23. - 27. Mai 2008 | MARKET GESTURES






Simon Bergala | Thierry Costesèque | Laurent Proux (Paris/Hamburg)
Market Gestures


Was die Werke von Simon Bergala, Thierry 
Costesèque und Laurent Proux verbindet, noch vor 
jeglicher Betrachtung ihres « Stils » 
(vorausgesetzt dieser Ausdruck hat noch eine 
Bedeutung) oder formeller Ähnlichkeiten (oft 
oberflächlich und täuschend), ist zunächst ihr 
Interesse für Orte, Objekte und Bilder, die den 
verschiedenen Stadien des wirtschaftlichen 
Aktionsbereiches entsprechen (Produktion, 
Werbung, Vertrieb, Handel, Konsum), und ihre 
Absicht, über die durch solche Räume und Objekte 
hervorgerufenen Gefühlserfahrungen berichten zu 
wollen: Flie?bänder und Warenlager, Wolkenkratzer 
in Geschäftsvierteln und Embleme der Erhaltung 
von Ordnung, Schilder, Werbebilder, Bonbonpapiere 
und Pressefotos.

In ausgesprochener oder unausgesprochener Weise 
bereichern uns diese Werke mit zugleich bekannten 
und unterschiedlichen Gefühlserfahrungen 
zeitgenössischen urbanen Raumes. In historischer 
Verbundenheit mit der Absicht, einen 
Handlungsablauf oder eine Erzählung zu gliedern 
oder verständlich zu machen, wurden Darstellungen 
urbanen Raumes (und mit ihnen die perspektivische 
Sicht) von politischen, sozialen, 
wirtschaftlichen oder religiösen Ansichten 
durchkreuzt ja sogar bestimmt. Seit der 
Renaissance projiziert die Stadt, gleich einer 
Theaterbühne, eine einige und idealisierte 
Sichtweise der Welt und gibt gleichzeitig ihren 
Willen, darauf Geschichte zu schreiben kund. 
Dieser Umweg hilft vielleicht einige Aussagen 
dieser Werke besser zu begreifen, die im 
Zeitalter der Handelsglobalisierung Zeugnis geben 
von der Erfahrung einer fragmentierten 
Wirklichkeit, die eher von Wechsel und Entropie 
bestimmt wird, als auf den stehenden Formen der 
idealen Stadt gegründet ist.

In den Bildern von Simon Bergala, resümiert sich 
die zeitgenössische Stadt in der « City », sie 
ist auf einen Stereotyp reduziert, deren 
Stilisierung an den vereinfachten Grafismus eines 
Comic-Streifens erinnert, sie lässt an ein Modell 
oder Spielzeug denken, das durch die Anwesenheit 
angsteinflössender Helme weniger unschuldig 
wirkt. Diese manchmal « kartografische » und dann 
wieder figurative Malerei integriert gleichzeitig 
Elemente, die auf der Materialität und Spezifität 
des Bildraumes insistieren : Motive, die die 
Seiten des Blendrahmens verdoppeln zu scheinen, 
eine empirische Perspektive, die einen 
zweideutigen Raum erzeugt, der komprimiert wirkt, 
die Umsetzung lässt durch eine gewisse « 
Brutalität » in der Ausführung viel Raum für eine 
starke Pikturalität (breite und fette 
Pinselstriche, Dripping-Technik, heftige 
Kontraste, Farbdichte).

Die Malerei von Laurent Proux funktioniert eher 
in Ausschnitten, Entnahme und Montage von « 
Details » aus urbanem Zusammenhang oder aus 
geschlossenen Hallen industrieller Produktion. 
Durch diese Vorgehensweise will er die 
Verschiedenartigkeit von Wahrnehmungen und die 
Zerstückelung des Produktionsverfahrens aufgrund 
der Flie?band-Organisation wieder herstellen. Die 
Fotografie als Dokumentationsquelle bleibt 
sichtbar in diesen Bildern, in denen sich 
menschliche Anwesenheit nur durch das Einschalten 
von Gegenständen (Schemel, Arbeitshandschuh) und 
durch Zeichen (Aufschriften, Skizzen, Graffiti) 
bemerkbar macht. Sie geben Hinweise auf die 
Besetzung und Einnahme von Raum an, aber auch auf 
die der Fabrikproduktion « entrissene » Zeit, sie 
erinnern auch an die Höhlenmalerei, den Ursprung 
der heutigen Malerei, und bringen Figuren hervor, 
die den Industriestandards fremd sind.

Thierry Costesèque interessiert sich für urbane 
Randgebiete, Schilder und Werbebilder, die er 
erforscht, in Stücke zerlegt, ausschöpft bis zum 
Inneren ihrer Materialität (Strukturen und 
fotomechanische Raster, « verwaschene » Farben, 
gro?e Wei?flächen). Seine Bilder rekonstruieren 
die Erinnerung an durchquerte und zurücktretende 
Räume, geben nichts Identifizierbares mehr, aber 
scheinen die Materialität der Bilder (und dadurch 
auch ihre Künstlichkeit und Oberflächlichkeit) 
ausroden zu wollen, die Substanz leeren, 
vernichteten Raumes. Aus dieser Drosselung des 
Blickes, dieser Verlangsamung einer Bilderfabrik, 
die geschaffen wurde, um unmittelbar und 
augenblicklich zu sein, resultieren zahlreiche 
Straten von Inschriften, Überlappungen, 
Verwischungen und Ausradierungen, deren 
Archäologie unbestimmt bleibt.

Die Vorgehensweisen dieser drei Künstler 
übernehmen (bzw. beanspruchen) ein Erbe von 
reflexiver und kritischer Praxen, die an die 
Sichtweise des Modernisme anknüpfen, wobei diese 
Standpunkte weit überschritten werden, um 
Elemente aus der Pop Kultur miteinzubeziehen, 
durch wachsende Produktion von Konsumgütern und 
Massenkulturindustrie gestalteter Kitsch. Diese 
Gedanken werden nicht einfach durch die 
Offensichtlichkeit der Bilderfabrik erschlossen, 
sondern bedürfen einer starken Inbetrachtnahme 
des spezifischen Raumes der Malerei und ihrer 
Geschichte.
Diese Infragestellung sowie kritische Annäherung 
wird auch deutlich durch die Evokation von 
jeglicher Herkunft oder Ziel abgekapselten 
Arbeitsstätten,; von Städten, die von 
Handelsvierteln dominiert und mit Zeichen und 
Symbolen von Überwachung und polizeilicher 
Unterdrückung assoziiert werden; an Werbebilder 
die ohne Wirkung bleiben, bereits verbraucht 
sind, ruiniertŠ

Diese Werke konfrontieren den Zeitabschnitt von 
Produktion, Stadt, Bild, einer permanenten und 
augenblicklichen Gegenwart, mit dem 
Zeitabschnitt, den Malerei auferlegt, ein 
erforderliches Verlangsamen gegenüber einer 
Flucht nach vorne vor Wegwerfbildern im Innern 
eines Austausch- und allgemeinem 
Konsumregimes-ein kurzer Moment, in dem der Blick 
still steht.

Cédric Loire
Übersetzung: Anja Valero



Eröffnung: Freitag, 23. Mai 2008 | 19.00 h
Weitere Öffnungszeiten: Samstag - Dienstag 24. - 27. Mai 2008 | 15 bis 20 Uhr








hinterconti
Marktstr. 40A
20357 Hamburg
www.hinterconti.de















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