[echo] tammtamm: Rolf Becker nimmt Kritik zur ü ck (meldet das Abendblatt)
Tina Fritsche
tina.fritsche at gmx.de
Fri May 23 08:43:55 CEST 2008
Eben im Abendblatt gefunden, beste Grüße :tina
Korrektur Nach Treffen mit dem Gründer
Tamm-Museum: Rolf Becker nimmt Kritik zurück
Der Schauspieler gehörte zu den Gegnern der neuen Institution. Jetzt hat er
sie sich angesehen: "Weltweit bedeutend."
Der Schauspieler Rolf Becker ist prominentestes Mitglied der
Künstlerinitiative "Tamm Tamm", die sich gegen das geplante Internationale
Maritime Museum Hamburg und dessen angeblich militaristische Ausrichtung
engagiert. Becker, der u. a. mehrere Jahre die Titelrolle im "Hamburger
Jedermann" spielte, gehörte zu den "Künstlerpaten", die alle
Bürgerschaftsabgeordneten über das Tamm-Museum informieren sollten, war aber
selbst nur unvollständig im Bilde. Nachdem er das Museum, das am 25. Juni
eröffnet wird, kürzlich besucht hat und bei dieser Gelegenheit auch mit
Gründer Peter Tamm sprechen konnte, revidierte er seine Meinung. Im
Abendblatt spricht er jetzt erstmals darüber.
Hamburger Abendblatt:
In Ihrem biografischen Wikipedia-Eintrag steht unter "Politisches
Engagement" auch der Satz: "Der Schauspieler engagiert sich gegen das
umstrittene Internationale Maritime Museum Hamburg im Kaispeicher B". Wie
kam es dazu?
Rolf Becker:
Der Satz sollte jetzt korrigiert werden. Es ging gegen Militaria, also habe
ich gesagt, ich teile den Protest. Wenn ich in einer Initiative, bei einer
Demonstration oder wegen sozialer Konflikte im Stadtteil auftrete,
informiere ich mich erst und nehme dann Stellung. In diesem Fall schien mir
die Sache klar. Inzwischen habe ich mir ein genaueres Bild verschafft.
Abendblatt:
Wie kam das zustande?
Becker:
Einmal aufgrund von Fragen, die sich mir gestellt haben. Hinzu kam eine
Zufallsbegegnung mit Frau Nikolov, der Geschäftsführerin der Tamm-Stiftung,
die mich eingeladen hat, mir das im Bau befindliche Museum anzusehen. Ich
war vor einigen Wochen dort und habe auch mit Peter Tamm gesprochen.
Abendblatt:
Wie verlief dieses Gespräch?
Becker:
Ich habe ihm meine Vorbehalte gegenüber allem Militärischen genannt. Meine
Kindheit ist durch die Schrecken der Nazizeit und des Zweiten Weltkriegs
geprägt. Entsprechend habe ich mich in der Folge mit den Ursachen und dem
Verlauf des Kriegs auseinandergesetzt. Peter Tamm und ich waren und sind
sicher in vielen Fragen unterschiedlicher Auffassung, aber wir konnten offen
darüber sprechen. Wichtig war auch, dass Tamm mich durch die Sammlung, so
weit sie schon eingerichtet war, geführt hat. Ich hatte sie mir in der
Elbchaussee nicht angesehen.
Abendblatt:
Wie war Ihr Eindruck?
Becker:
Obwohl ich noch nicht alles sehen konnte, denke ich, dass das Museum zu den
weltweit bedeutendsten seiner Art gehört.
Abendblatt:
Wie sehen Sie die Vorwürfe gegen das Projekt heute?
Becker:
Ich habe Punkt für Punkt nachgefragt. Was ist mit den 30 Millionen Euro, die
Sie von der Stadt bekommen haben? Dafür brauchte ich mir aber eigentlich nur
das Gebäude anzusehen. Wenn man den restaurierten Kaispeicher B betrachtet,
fragt man sich, wie das mit den 30 Millionen überhaupt finanzierbar war. Er
musste ohnehin saniert werden. Wenn die Hansestadt das gemacht hätte, wäre
es vermutlich teurer geworden. Damit entfällt der Vorwurf, die Stadt hätte
für das Geld nichts bekommen.
Abendblatt:
Es gab aber noch andere Vorwürfe.
Becker:
Ja, beispielsweise die Annahme, Tamm habe nur dank seiner Beziehungen in
Hamburg die Gelder und den Kaispeicher erhalten. Es hat aber auch aus
anderen Städten wie Rostock, Kiel und London Angebote für sein
Museumsprojekt gegeben. Die Initiative, es für Hamburg zu sichern, ging von
dem damaligen Ersten Bürgermeister Henning Voscherau aus.
Abendblatt:
Wie steht es mit dem Vorwurf, das Museum sei militaristisch ausgerichtet?
Becker:
Ich vermute, dass die kritische Auseinandersetzung mit Peter Tamm seitens
unserer Initiative positive Folgen hatte. Es geht um die Art der
Präsentation und darum, wie die Besucher an die Ausstellungsstücke
herangeführt werden. Nach dem, was ich bisher gesehen habe, habe ich nicht
den Eindruck, dass die Militärgeschichte überproportionalen Anteil haben
wird. Man kann die Militaria nicht von der Handelsschifffahrt trennen. Ich
gehe davon aus, dass die bisherige Kritik berücksichtigt und besonderes
Augenmerk auf eine ausgewogene Darstellung gelegt wird.
Abendblatt:
Halten Sie die Auseinandersetzung, wie sie gelaufen ist, für fair?
Becker:
Mir geht es um die Sache, nicht um die Person. Dass man die Kritik an der
Person Peter Tamm festgemacht hat, habe ich von Anfang an für falsch
gehalten.
Abendblatt:
Es gibt auch im Vorfeld der Eröffnung des Museums weiterhin Kritik. Was
halten Sie davon?
Becker:
Wir müssen unsere Kritik präzisieren. Die Tatsache, dass zu der Sammlung
auch der Marschallstab von Karl Dönitz gehört, macht zwar betroffen. Wichtig
aber ist, wie das Museum dazu Stellung nimmt.
Interview: Matthias Gretzschel
erschienen am 23. Mai 2008
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