Re: [echo] tammtamm: Rolf Becker nimmt Kritik zur ü ck (meldet das Abendblatt)

Ulrike Bergermann ubergermann at gmx.de
Fri May 23 10:17:22 CEST 2008


ein gutes hat die sache:
das pseudo-argument, die tamm-kritikerInnen seien pauschal gegen das  
ausstellen von militaria, kann man jetzt getrost als abgehandelt  
sehen (wer es ok findet, das zeug auszustellen, mag recht haben,  
argumentiert aber schlicht unterkomplex), und das macht den blick  
frei für die verherrlichung des heroischen, ernst jünger lässt  
grüßen. texte auf der webseite oder in magazinen geben ausreichend  
material für die ästhetische militarisierung wenn nicht des alltags  
so doch seiner fluchtphantasien. den veranstaltungtitel "wo der krieg  
wohnt" finde ich immer besser.
lg ulrike


Am 23.05.2008 um 09:41 schrieb cornelia sollfrank:

> interessant, rolf becker wurde eines besseren belehrt?
>
> gut, wenn man promionent ist und private nachhilfestunden  
> bekommt... vielleicht gab es auch noch häppchen?
>
> was lernen wir daraus?
>
> man sollte NIE prominente in einer solchen initiative haben. mit  
> diesem bescheuerten text ist die ganze aktion beschädigt.
>
>
> aber wahrscheinlich hat r.b. sich nur moderat ausgedrückt, und die  
> springer-presse wusste das mal wieder für sich zu nutzen...
>
> was lernen wir daraus?
>
> man sollte eben NICHT mit der springer-presse reden. wozu haben wir  
> eigene medien?
>
> c.
>
>
> Am 23.05.2008 um 07:43 schrieb Tina Fritsche:
>
>> Eben im Abendblatt gefunden, beste Grüße :tina
>>
>>
>>
>> Korrektur Nach Treffen mit dem Gründer
>> Tamm-Museum: Rolf Becker nimmt Kritik zurück
>> Der Schauspieler gehörte zu den Gegnern der neuen Institution.  
>> Jetzt hat er
>> sie sich angesehen: "Weltweit bedeutend."
>>
>> Der Schauspieler Rolf Becker ist prominentestes Mitglied der
>> Künstlerinitiative "Tamm Tamm", die sich gegen das geplante  
>> Internationale
>> Maritime Museum Hamburg und dessen angeblich militaristische  
>> Ausrichtung
>> engagiert. Becker, der u. a. mehrere Jahre die Titelrolle im  
>> "Hamburger
>> Jedermann" spielte, gehörte zu den "Künstlerpaten", die alle
>> Bürgerschaftsabgeordneten über das Tamm-Museum informieren  
>> sollten, war aber
>> selbst nur unvollständig im Bilde. Nachdem er das Museum, das am  
>> 25. Juni
>> eröffnet wird, kürzlich besucht hat und bei dieser Gelegenheit  
>> auch mit
>> Gründer Peter Tamm sprechen konnte, revidierte er seine Meinung. Im
>> Abendblatt spricht er jetzt erstmals darüber.
>>
>> Hamburger Abendblatt:
>>
>> In Ihrem biografischen Wikipedia-Eintrag steht unter "Politisches
>> Engagement" auch der Satz: "Der Schauspieler engagiert sich gegen das
>> umstrittene Internationale Maritime Museum Hamburg im Kaispeicher  
>> B". Wie
>> kam es dazu?
>>
>> Rolf Becker:
>> Der Satz sollte jetzt korrigiert werden. Es ging gegen Militaria,  
>> also habe
>> ich gesagt, ich teile den Protest. Wenn ich in einer Initiative,  
>> bei einer
>> Demonstration oder wegen sozialer Konflikte im Stadtteil auftrete,
>> informiere ich mich erst und nehme dann Stellung. In diesem Fall  
>> schien mir
>> die Sache klar. Inzwischen habe ich mir ein genaueres Bild  
>> verschafft.
>>
>> Abendblatt:
>>
>> Wie kam das zustande?
>>
>> Becker:
>> Einmal aufgrund von Fragen, die sich mir gestellt haben. Hinzu kam  
>> eine
>> Zufallsbegegnung mit Frau Nikolov, der Geschäftsführerin der Tamm- 
>> Stiftung,
>> die mich eingeladen hat, mir das im Bau befindliche Museum  
>> anzusehen. Ich
>> war vor einigen Wochen dort und habe auch mit Peter Tamm gesprochen.
>>
>> Abendblatt:
>>
>> Wie verlief dieses Gespräch?
>>
>> Becker:
>> Ich habe ihm meine Vorbehalte gegenüber allem Militärischen  
>> genannt. Meine
>> Kindheit ist durch die Schrecken der Nazizeit und des Zweiten  
>> Weltkriegs
>> geprägt. Entsprechend habe ich mich in der Folge mit den Ursachen  
>> und dem
>> Verlauf des Kriegs auseinandergesetzt. Peter Tamm und ich waren  
>> und sind
>> sicher in vielen Fragen unterschiedlicher Auffassung, aber wir  
>> konnten offen
>> darüber sprechen. Wichtig war auch, dass Tamm mich durch die  
>> Sammlung, so
>> weit sie schon eingerichtet war, geführt hat. Ich hatte sie mir in  
>> der
>> Elbchaussee nicht angesehen.
>>
>> Abendblatt:
>>
>> Wie war Ihr Eindruck?
>>
>> Becker:
>> Obwohl ich noch nicht alles sehen konnte, denke ich, dass das  
>> Museum zu den
>> weltweit bedeutendsten seiner Art gehört.
>>
>> Abendblatt:
>>
>> Wie sehen Sie die Vorwürfe gegen das Projekt heute?
>>
>> Becker:
>> Ich habe Punkt für Punkt nachgefragt. Was ist mit den 30 Millionen  
>> Euro, die
>> Sie von der Stadt bekommen haben? Dafür brauchte ich mir aber  
>> eigentlich nur
>> das Gebäude anzusehen. Wenn man den restaurierten Kaispeicher B  
>> betrachtet,
>> fragt man sich, wie das mit den 30 Millionen überhaupt  
>> finanzierbar war. Er
>> musste ohnehin saniert werden. Wenn die Hansestadt das gemacht  
>> hätte, wäre
>> es vermutlich teurer geworden. Damit entfällt der Vorwurf, die  
>> Stadt hätte
>> für das Geld nichts bekommen.
>>
>> Abendblatt:
>>
>> Es gab aber noch andere Vorwürfe.
>>
>> Becker:
>> Ja, beispielsweise die Annahme, Tamm habe nur dank seiner  
>> Beziehungen in
>> Hamburg die Gelder und den Kaispeicher erhalten. Es hat aber auch aus
>> anderen Städten wie Rostock, Kiel und London Angebote für sein
>> Museumsprojekt gegeben. Die Initiative, es für Hamburg zu sichern,  
>> ging von
>> dem damaligen Ersten Bürgermeister Henning Voscherau aus.
>>
>> Abendblatt:
>>
>> Wie steht es mit dem Vorwurf, das Museum sei militaristisch  
>> ausgerichtet?
>>
>> Becker:
>> Ich vermute, dass die kritische Auseinandersetzung mit Peter Tamm  
>> seitens
>> unserer Initiative positive Folgen hatte. Es geht um die Art der
>> Präsentation und darum, wie die Besucher an die Ausstellungsstücke
>> herangeführt werden. Nach dem, was ich bisher gesehen habe, habe  
>> ich nicht
>> den Eindruck, dass die Militärgeschichte überproportionalen Anteil  
>> haben
>> wird. Man kann die Militaria nicht von der Handelsschifffahrt  
>> trennen. Ich
>> gehe davon aus, dass die bisherige Kritik berücksichtigt und  
>> besonderes
>> Augenmerk auf eine ausgewogene Darstellung gelegt wird.
>>
>> Abendblatt:
>>
>> Halten Sie die Auseinandersetzung, wie sie gelaufen ist, für fair?
>>
>> Becker:
>> Mir geht es um die Sache, nicht um die Person. Dass man die Kritik  
>> an der
>> Person Peter Tamm festgemacht hat, habe ich von Anfang an für falsch
>> gehalten.
>>
>> Abendblatt:
>>
>> Es gibt auch im Vorfeld der Eröffnung des Museums weiterhin  
>> Kritik. Was
>> halten Sie davon?
>>
>> Becker:
>> Wir müssen unsere Kritik präzisieren. Die Tatsache, dass zu der  
>> Sammlung
>> auch der Marschallstab von Karl Dönitz gehört, macht zwar  
>> betroffen. Wichtig
>> aber ist, wie das Museum dazu Stellung nimmt.
>>
>> Interview: Matthias Gretzschel
>>
>> erschienen am 23. Mai 2008
>>
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> Cornelia Sollfrank
> PhD Researcher
> School of Media Arts and Imaging
> University of Dundee
> Visual Research Centre Annexe
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> Tel: +44(1382)386955
> Email: C.Sollfrank at dundee.ac.uk
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