[echo] Aufruf zur Demonstration für die Zukunft der Bewegungsfreiheit

Ole Frahm ole.frahm at gmx.net
Mon May 26 23:37:27 CEST 2008



Die Zukunft der Bewegungsfreiheit auf der Straße verteidigen!

Einladung zum öffentlichen Radiohören am 5. Juni 2008 in Berlin.

Anlass. Die moderne Stadtplanung schafft übersichtliche Räume, in  
denen alle Bewegungen kontrollierbar werden. Nichts Unvorhersehbares  
soll den Frieden der spätkapitalistischen Gesellschaft stören. Am  
besten beseitigt man Irritationen noch bevor sie überhaupt auftreten  
– private und polizeiliche Videokameras überwachen deshalb die  
Straßen und Plätze. Einen Schritt weiter sind sie dort, wo  
öffentliche Räume in Privateigentum umgewandelt werden. Was zu stören  
droht, wird bereits ausge schlossen, bevor es eintreten kann: Die  
Besitzer befinden mit ihrem Hausrecht darüber, wer Zugang hat und wer  
nicht. All diese Maßnahmen schränken die Bewegungsfreiheit ein.  
Abweichende Gesten, in denen sich der Wunsch nach anderen Aneignung  
des Raums realisiert, sollen nicht erscheinen. Eine Zukunft der  
Bewegungen muß in diesem stabilem Universum kapitalistischer Ökonomie  
nicht prognostiziert werden: alles soll so bleiben wie es ist. Wenn  
nichts dazwischen kommt.
*
Gegenwehr. Gelegentlich unterbrechen Demonstrationen die alltägliche  
Normalität und zeigen, dass die Straße auch anders genutzt werden  
kann. Polizeikräfte werden mobilisiert, damit die Routine nicht zu  
sehr gestört wird. Und das Unbewusste des Raums und der Körper, die  
abweichenden Gesten und Wünsche, die weder käuflich noch verkäuflich  
sind, bleiben ausgeschlossen. Die Eigentumsfrage darf nicht gestellt  
werden. Damit alles so bleibt wie es ist, arbeitet man dieser Tage in  
Bayern an einem neuen Versammlungsgesetz, das die Bewegungsfreiheit  
von Demonstrationen, ihr Auftreten und ihre Rechte deutlich  
einschränkt. Eine Frage der Zeit, wann die anderen Bundesländer es  
übernehmen. Wenn nichts dazwischen kommt.
* *
Repression. Ohnehin haben in den letzten Jahren Repression und  
Auflagen insbesondere gegen linksradikale Versammlungen bizarre  
Formen angenommen – zuletzt wurde sogar verboten, außerhalb der Demo  
auf dem Bürgersteig zu gehen. Als Legitimation für die immer  
martialischeren Maßnahmen dienen der Polizei ihre Gefahrenprognosen.  
Es reicht, vorauszusagen, dass eine Demonstration die öffentliche  
Ordnung gefährdet, um eine Aussetzung der Versammlunsgfreiheit zu  
begründen. Das Ideal dieser Maßnahmen ist der vollkommene Einschluss  
der Demonstration in einen wandernden Polizeikessel.  
Versammlungsfreiheit gibt es nur noch in Polizeigewahrsam. Wie der  
Verlauf einer Demonstration aussieht, entscheiden nicht mehr ihre  
TeilnehmerInnen, sondern die Polizei. Unbekannt bleibt, wie ihre  
Zukunft ohne diese Maßnahmen ausgesehen hätte. Die Demonstrationser  
müde ten ent wickelten neue Formate – wie Flashmob, fünf Finger oder  
out of control – um ihre Bewegungs freiheit zu retten. Perspektivisch  
verschwindet so die Demonstration aus der Praxis politischer  
Bewegungen. Wenn nichts dazwischen kommt.
* * *
Demonstration. Eine Demonstration versammelt eine Menge Menschen für  
eine Zeit an einem Ort unter einer politischen Forderung. Die  
Freiheit dieser Versammlungen ist gefährdet. Deshalb muß die  
Demonstration selbst auf den Prüfstand. Warum zählt nur die Masse und  
nicht die Qualität ihrer Bewegung? Welche Zukunft bereitet die Straße  
der Demonstration? Wie lassen sich die Bewegungen befreien? LIGNA  
lädt zu einer Demonstration ein, einer Testreihe für andere  
Bewegungsformen: Diese Demonstration kommt dazwischen – und versucht  
damit die Zukunft politischer Bewegungen zu prognostizieren.
* * * *
Ihr seid Sterne! Während der Demonstration wird eine Radiosendung  
ausgestrahlt, mit der die unendlichen Möglichkeiten der Bewegung  
erkundet werden können. Das Radio begleitet die Demon stration und  
schlägt verschiedene Gesten und Tests vor – was auf der Straße  
geschieht hängt von jeder einzelnen HörerIn und ihren Handlungen ab.  
Das Radio motiviert Bewegungen, kontrolliert sie jedoch nicht.  
Versammelt im urbanen Kosmos bleiben die HörerInnen doch  
unkontrollierbar zerstreut. Wie die Sterne am Himmel bilden sie  
Konstellationen, die durch keine Polizeiprognose vorwegnommen werden  
können. Ihre flüchtige Bedeutung und ihre Effekte müssen praktisch  
erkundet werden. Die HörerInnen sind durch das Radio assoziiert und  
können frei assoziieren. Die Effekte ihrer Bewegungen kommen aus  
einer unbekannten Zukunft. Das Radio verwandelt die Demonstration in  
eine einzigartige Konstellation mit prognostischen Qualitäten – für  
die Zukunft politischer Bewegungen!
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Für die Zukunft der Bewegungsfreiheit! Erobert die proletarische  
Öffentlichkeit der Straße durch unkontrollierbare Bewegungen! Gegen  
die Kontrollierung, Privatisierung und Kommer zialisierung  
öffentlicher Räume! Für weniger Autos und mehr Bewegung auf den  
Straßen! Die Gefahrenprognosen der Polizei dürfen den öffentlichen  
Raum nicht beherrschen!
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Ihr seid Sterne!!
Assoziiert euch gegen das neue Versammlungsgesetz!
Kommt zur Demonstration am
Donnerstag, den 5. Juni 2008, 17 Uhr 30!
Bei der Gedächniskirche / Ecke Kantstraße.
Beginn: 18 Uhr pünktlich!!
Vor Ort gibt es auch Radios zum Ausleihen.
Bringt Freunde, Radios und Plastiktüten mit!!
Die Zukunft bleibt unbekannt!


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Weitere Informationen unter www.ligna.blogspot.com und www.prognosen- 
ueber-bewegungen.de.



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