[echo] Zum Tod von Sydney Pollack
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Wed May 28 11:07:23 CEST 2008
Der Regisseur des alten Hollywood
Stars, Oscars, Millionenpublikum: Zum Tod von Sydney Pollack
Als letztes Jahr das deutsche Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" zu
Oscar-Ehren kam und natürlich sofort ein US-Remake im Gespräch war,
meldete Florian Henckel von Donnersmarck nicht selbst Interesse für die
Regie an, sondern wünschte sich ihn: Sydney Pollack. Wäre eine sichere
Sache gewesen — Pollack vermochte es wie kaum ein zweiter Regisseur,
eine Geschichte von Liebe und Schmerz, von Verbrechen und Verrat auf
ganz großes Format zu ziehen und damit alle drei zu gewinnen: Stars,
Preise (46 Oscar-Nominierungen!), Publikum. Jetzt ist der Altmeister des
Hollywood-Dramas 73-jährig in Los Angeles an Krebs gestorben.
Pollack, geboren 1934 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer im
US-Bundesstaat Indiana, begann seine Karriere als Schauspieler und
arbeitete in insgesamt rund 50 Filmen als Regisseur, Produzent oder
Darsteller. Gedreht hat er nur 20, aber dafür in allen Genres: Melodram,
Komödie, Western, Kriegsfilm, Thriller, Abenteuerfilm. Und es dürfte
kaum jemanden geben, der nicht wenigstens ein, zwei Pollack-Filme kennt,
diese beiden vor allem: "Tootsie" von 1982 mit Dustin Hoffmann und
Jessica Lange, und "Jenseits von Afrika" von 1985 mit Robert Redford und
Meryl Streep, der sieben Oscars gewann, darunter die für den besten Film
und die beste Regie.
Jenseits von Afrika. Ein bildmächtiges Liebesepos wie aus einer anderen
Zeit. Dieser goldenen Zeit, da Hollywood noch einen Film mit seinen
höchsten Preisen dekorierte, der auf ganz konventionelle Weise großes
Gefühl und leuchtende Landschaften zu einem Leinwandepos verwob und
damit Millionen ins Kino zu locken vermochte. Einen Hollywood-Film im
klassischen Sinne eben. Den scheint es heute nicht mehr zu geben, wie
ein Blick auf die Oscar-Gewinner der letzten Jahre zeigt.
Bei Pollack gab es ihn. Selbst wenn er Schmonzetten drehte wie "Sabrina"
(1995, mit Harrison Ford und Julia Ormond) oder "Begegnung des
Schicksals" (1999, mit Ford und Kristin Scott Thomas): Es gelang ihm bei
vollkommen vorhersehbarer Handlung noch zu unterhalten, weil er
Perspektiven wechselte und nur so viel Pathos auffuhr, dass sein Film
nicht klebrig wurde. Auch die erste John-Grisham-Verfilmung besorgte
Pollack, "Die Firma" (1993, mit Tom Cruise und Gene Hackman), ordentlich
spannend trotz der bei Grisham üblichen ermüdend schlichten Verteilung
von Gut und Böse.
Vielleicht ist ja gerade dies das Kennzeichen des alten Hollywood, für
das Sydney Pollack so exemplarisch steht: Man weiß noch, wofür man steht
und wogegen. In seinen Filmen bezog er immer wieder Stellung zu den
politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in den USA. Im Drama
"Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss" (1969, mit Jane Fonda,
siebenfach oscarnominiert), das ihm den Durchbruch brachte, zeichnete er
ein düsteres Bild vom Amerika zurzeit der Weltwirtschaftskrise. Die
antikommunistische Hetzjagd der McCarthy-Ära klagte er in "Cherie Bitter
— so wie wir waren" (1973, mit Barbra Streisand und Robert Redford) an,
was auch prompt die Zensur auf den Plan rief. Der Thriller "Die drei
Tage des Condors" (1975, mit Robert Redford und Faye Dunaway) kratzt am
Mythos CIA. Vermarktung und Medien kritisieren die Filme"Der elektrische
Reiter" (1979, mit Robert Redford und Jane Fonda) und "Die
Sensationsreporterin" (1981, mit Paul Newman und Sally Field). Und
selbst die Komödie "Tootsie" hat bei allem harmlosen Verkleidungsspaß
feministische Untertöne.
Sydney Pollack zeigte in seinen Filmen immer eine Haltung, gerade auch
dort, wo er jenseits aller Schwarzweißmalerei in die Grauzonen von
Politik und Moral führte. Wie im letzten Spielfilm (danach drehte er
noch ein Porträt des Architekten Frank Gehry): Der Thriller "Die
Dolmetscherin" (2005, mit Nicole Kidman und Sean Penn) ist ja deshalb so
gnadenlos spannend, weil er zunehmend Zweifel sät, ob die "Gute" auch
wirklich eine ist. Und er fügt der Riege der Stars, die mit Pollack
gedreht haben, noch zwei hinzu. Er galt einer ihrer Lieblingsregisseure.
Kein Wunder. In Pollack, dem Multitalent, das alle Genres beherrschte
und keines dekonstruierte, lebte ja noch das gute alte Hollywood.
Gabriele Schoder/Badische Zeitung
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