[echo] MUNITIONS-ABKOMMEN
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Thu May 29 09:15:55 CEST 2008
[rubrik: politscher witz:]
MUNITIONS-ABKOMMEN
Bundesregierung sträubt sich gegen totales Streubombenverbot
Streubomben-Abrüstung in Häppchen: Das internationale Abkommen für ein
Verbot der gefährlichen Waffe sieht keine Übergangsfrist vor - deshalb
spricht sich Deutschland für einen Spielraum bis 2015 aus. Außerdem
sollen nicht alle Arten der Streumunition verboten werden.
Berlin/Dublin - In Dublin haben sich 111 Staaten auf ein Verbot von
Streubomben geeinigt - und schon gibt es Forderungen einzelner
Regierungen nach mehr Spielraum. In den Text der
Anti-Streubomben-Konvention wurden auf Druck der USA und anderer Länder,
die solche Waffen weiter produzieren und anwenden wollen, Ausnahmen
eingebaut. Auch Deutschland will Lockerungen durchsetzen.
Mitarbeiter einer Demontier-Firma zeigt Rakete mit
Streubomben-Gefechtskopf: Eine der gefährlichsten Waffen der Welt
Nach zehntägigen Verhandlungen in Dublin verständigten sich die
Teilnehmer auf ein Abkommen, mit dem sie Herstellung, Erwerb, Einsatz,
Transport und Lagerung von Streumunition ein Ende setzen. Zudem
beschlossen sie, Opfern finanzielle Hilfe zu gewähren. Offiziell soll
der Beschluss am Freitag angenommen und Anfang Dezember in Oslo
unterzeichnet werden. Der Vertragsentwurf sieht keine Übergangsfrist
vor. Jedoch soll demnach der Bestand der gelagerten Streubomben
innerhalb von acht Jahren zerstört werden.
Auch in Deutschland herrscht Konsens, dass Streubomben abgeschafft
werden sollen. Die deutschen Vertreter sind allerdings mit
einschränkenden Forderungen in die Verhandlungen gegangen.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erklärte nach Informationen
der "Berliner Zeitung" von Donnerstag, vor 2015 stehe nicht ausreichend
alternative Munition zur Verfügung. Die Bundesregierung wolle zunächst
nur Streumunition mit einer Blindgängerrate von über einem Prozent für
die Bundeswehr ausschließen. Auch verweise Jung auf die Verpflichtungen
Deutschlands in der NATO.
Unabhängig von ihrer Wahrscheinlichkeit müssten alle möglichen
Einsatzszenarien abgedeckt werden, also auch Einsätze "mit hoher
Intensität und zur kollektiven Verteidigung". Dies sei einem Schreiben
von Verteidigungsministerium und Auswärtigem Amt auf eine Anfrage der
Bundestagsabgeordneten Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Andreas
Weigel (SPD) zu entnehmen.
Das Antwortschreiben lasse keine Bewegung erkennen, heißt es laut
"Berliner Zeitung". Die Regierung sei "offensichtlich unnachgiebig",
sagte Guttenberg dem Blatt. Guttenberg forderte die Bundesregierung auf,
sich an Großbritannien ein Beispiel zu nehmen und auf Streubomben für
die Bundeswehr ganz zu verzichten. Durch den Schritt der Briten "erhöht
sich der Druck auf die Bundesregierung erheblich".
Kurz vor der Einigung hatte sich Großbritannien zu einem Verzicht auf
Streubomben aller Art bereiterklärt. Um eine "solide" Abmachung zu
erzielen, unterstütze die britische Regierung ein "Verbot aller
Streubomben-Typen", eingeschlossen derer, die das Land derzeit verwende,
sagte Brown.
Die Bundesregierung ließ zunächst offen, ob sie sich der britischen
Position anschließen wird. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte der
Zeitung lediglich, die Ankündigung aus London sei "eine klare
Bestätigung der Politik der Bundesregierung, die sich seit vielen Jahren
für ein Verbot dieser schrecklichen Waffen einsetzt". Die Absicht der
britischen Regierung sei "ein positiver Impuls für die nun beginnenden
Schlussverhandlungen in Dublin".
Der irische Außenminister Michael Martin lobte den Beschluss als Beitrag
zu den internationalen humanitären Gesetzen. Die Cluster Munition
Coalition (CMC), ein internationales Anti-Streubomben-Bündnis mehrerer
Nichtregierungsorganisationen, begrüßte den Text der Vereinbarung. Es
sei zu hoffen, dass davon eine ähnlich starke Wirkung ausgehen werde wie
vom Ottawa-Abkommen zum Verbot von Landminen, sagte Simon Conway vom CMC.
Streubomben zählen zu den gefährlichsten Waffenarten der Welt: Sie
enthalten eine Vielzahl kleinerer Bomben, die sich über riesige Flächen
ausbreiten. Viele der Mini-Bomben gehen beim Aufprall auf dem Erdboden
nicht sofort hoch, sondern liegen jahrelang als unentdeckte Gefahr für
Zivilisten im Gelände. Bei der kleinsten Berührung können sie
explodieren. Opfer sind häufig auch Kinder.
Die Konferenz in der irischen Hauptstadt geht am Freitag zu Ende. Die
größten Hersteller und Lagerer von Streumunition, darunter neben den USA
und Russland auch China, Indien, Pakistan und Israel, hatten sich nicht
an den Verhandlungen beteiligt.
fat/AFP/ddp
[kommentar: jetzt nur nicht am lachen ersticken:]
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Querverweis
VORTRAG
Freitag, 6.6.2008
Rolf Uesseler spricht über Krieg als Dienstleistung und den wachsenden
Markt privater Militärfirmen. Er lebt als freier Publizist in Rom und
arbeitet u.a. zu den Themen organisierte Kriminalität und illegale
Trends in der Weltwirtschaft.
ZEIT 18.30 Uhr ORT Linda, Hein-Hoyer-Str. 13 [
http://www.feldfuerkunst.net/index.php?id=feldprogramm ]
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