[echo] Rubrik: Doku Das Lächeln der Soldatin Lynndie England

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Thu May 29 15:31:15 CEST 2008


Das Lächeln der Soldatin Lynndie England
Dokumentation: Errol Morris’ Film "Standard Operation Procedure" über Abu Ghraib
		
"Wenn man fotografiert wird, lächelt man halt. Ist doch nichts dabei" , erklärt 
Sabrina Harmann. Die Interviews mit der amerikanischen Soldatin und ihrer 
Kollegin Lynndie England bilden eins der Zentren in Errol Morris’ Dokumentarfilm 
"Standard Operation Procedure" , der die Bilder und Ereignisse in Abu Ghraib im 
Herbst 2003 aufarbeitet. Deren Veröffentlichung besiegelte im Frühjahr 2004 den 
moralischen Bankrott der USA im Irakkrieg. Fotos, die man nie vergessen hat: den 
Berg nackter Männerkörper, wie von perversen Pornoregisseuren arrangiert; 
Lynndie England, die einen nackten Häftling an einer Hundeleine hinter sich 
herzieht.

Die Interviews offenbaren antrainierte Posen und eine schaurige 
Kaltschnäuzigkeit der Befragten. Die Bilder auf der großen Leinwand machen nicht 
nur die haltlose Grausamkeit der Peiniger sichtbar, sondern auch, dass diese 
Aufnahmen mitnichten Schnappschüsse waren, sondern gestaltete Szenen, Tableaux 
vivants.

Durch das Anknüpfen an kollektive Bildtraditionen bekommen diese Fotos einen 
"Schauwert" , der einen schaudern lässt. Zumal auch manches von dem, was sie 
zeigen — wie Interviews mit Ermittlern der Militärgerichte belegen — als normal 
galt: Die Fixierung in "Stresspositionen" , Schlafentzug und psychische 
Demütigungen waren gängige Verhörmethoden, "Standard Operating Procedures" — die 
Grenzen zwischen Dienstanweisung und kriminellen Übergriffen mithin fließend.

Angesichts der Zurückhaltung, mit der Morris Bilddokumente und Interviews 
verknüpft, ist schwer nachzuvollziehen, warum der oscardekorierte Regisseur 
(2004 für "The Fog of war" ) sich hat hinreißen lassen, die historischen Fotos 
in ihrer abgründigen Verbindung von Sexualität und Gewalt durch nachgestellte 
Szenen zu ergänzen. Szenen, in denen er voll in die Trickkiste des Filmkünstlers 
greift und suggestiv Emotionen weckt. Damit mag er eine zusätzliche 
Zuschauergruppe ansprechen, die starke Reize sucht. Die Eindringlichkeit des 
Films aber leidet unter den raffinierten Zeitlupeneinstellungen und 
Großaufnahmen ebenso wie unter dem völlig deplazierten meditativen Klangteppich 
(Musik: Danny Elfman).

Dennoch ist "Standard Operation Procedure" , der als erster Dokumentarfilm in 
den Berlinalewettbewerb kam und dort den Großen Preis der Jury erhielt, ein 
Zeugnis für die zwangsläufige Unmenschlichkeit von Krieg — und zugleich für die 
Gefahren unserer von Bildern beherrschten Kultur.
Gabriele Michel/Badische Zeitung

  "Standard Operation Procedure" (Regie: Errol Morris)


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