[echo] Eröffnung Fotoausstellung "Onkel Ewald, Tante Rosi" von Thomas Kunsch // Mittwoch, 4.6. 20 Uhr // Zollstation Alter Elbtunnel
Mathias Lintl
inselvision at yahoo.de
Sat May 31 17:09:53 CEST 2008
Eröffnung Fotoausstellung
"Onkel Ewald, Tante Rosi" von Thomas Kunsch
Mittwoch, 4.6. 20 Uhr // Zollstation Alter Elbtunnel
Onkel Ewald, Tante Rosi
(tk) In den 1970er und 1980er Jahren besuchte der in Neubrandenburg
(Mecklenburg-Vorpommern) geborene und in der DDR aufgewachsene Thomas
Kunsch zusammen mit seinen 1945 aus Ostpreußen und dem Sudetenland
vertriebenen Eltern die ebenfalls heimatvertriebene, in Kröpelin, Bad
Doberan und Rostock lebende Verwandtschaft. Dreh-und Angelpunkt war
dabei der „Hasenberg“ in Bad Doberan, Heimstatt von Onkel Ewald, Tante
Rosi, Michi & Co. Unvergessen die Rasten nach 65 km anstrengender Fahrt
im Personenkraftwagen Marke „Shiguli“ (des weißen Lacks, der roten
Sitzbezüge und der schwarzen Reifen wegen „Schnewittchen“ genannt) in
Matgendorf, die Handwäschen mittels in einer ausgewaschenen Milchtüte
transportierter feuchter Lappen, die Fütterungen Vatis während der
Fahrt, die großen Schiffe in Rostocker Stadthafen und nicht zuletzt die
immer wieder nervende Begrüßungen durch Onkel Ewald: „Na, kleiner Mann?!“
Im Frühjahr und Sommer 2007 kehrte der mittlerweile in Bielefeld
„Fotografie und Medien“ studierende Mecklenburger an die Stätten
kindlicher Erinnerungen zurück. Ziel der freien Arbeit war es, den in
Heiligendamm stattfindenden G8-Gipfel fotografisch zu begleiten, wobei
nicht Merkel, Bush & Co. im Focus standen. Vielmehr sollte aus „der
zweiten, dritten Reihe“ heraus fotografiert werden, ohne vorgefertigte
Bilder bereits im Kopf zu haben. Auch eine neutrale Sichtweise war ihm
wichtig, um keine der heutzutage immer mehr um sich greifenden,
tendenziösen Arbeit entstehen zu lassen. Von Januar bis zum Juni 2007
entstanden daraufhin tausende von Fotos, angefangen vom Zaunaufbau bis
zum Alternativgipfel. Basisstation waren nun wieder Onkel Ewald, Tante
Rosi. Doch die gesellschaftlichen Vorzeichen hatten sich ins Gegenteil
gewandelt. Statt ein-, wurde nun ausgesperrt. Massive Kontrollen der
staatlichen Organe allerorten, ununterbrochen. Willkür. Was passierte
hier? Hätte es nicht gerade umgekehrt sein sollen? Was ist mit der
Heimat passiert?
In diesem Spannungsfeld bewegen sich die Fotografien von Thomas Kunsch,
für den der G8-Gipfel in Heiligendamm nicht nur eine
wirtschaftspolitische, sondern auch eine deutsch-deutsche und eine im
Rahmen des Studiums beleuchtete Heimatebene besitzt. Seine Bilder sollen
nicht agitieren, nicht belehren. Nicht zuletzt deswegen spannt sich der
Bogen von skurilen hin zu erschütternden Motiven, von unter
Polizeischutz Nacktbadenden hin zu einem von der Polizei wie Vieh
fixierten Demonstranten. Nachdenken über Freiheit, aber auch Sicherheit.
„Fragt nicht nur die Frösche nach des Storchen Charakter.“
Vernissage: 4. Juni 2008, 20 Uhr mit Soljanka
Ausstellung: 5. Juni – 15. Juni 2008, täglich 10 – 22 Uhr
Ort: Zollhaus, Alter Elbtunnel Südseite, Hamburg
Finisage: Sonntag, 15. Juni 2008 ab 15 Uhr : Party nach der großen
Fahrradsternfahrt
mehr Infos unter www.alterelbtunnel.info
Vita Thomas Kunsch:
1971 Geburt in Neubrandenburg
1977-1987 Besuch der zehnklassigen Polytechnischen Oberschule in
Neubrandenburg
1987-1990 Ausbildung zum Goldschmied
1991-1998 Arbeit als Zahntechniker in Lübeck
1998-2000 Fachabitur in Neubrandenburg und Schwerin
seit 2000 Studium Fotografie und Medien in Bielefeld
seit 2002 freiberuflicher Fotograf
--
Mathias Lintl
Kunst Bauen Stadtentwicklung e.V.
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