Re: [echo] Kulturförderung woanders
Cornelia Sollfrank
cornelia at snafu.de
Tue Oct 7 19:25:46 CEST 2008
die derzeitige beschreibung des topfes "kunst im öffentlichen raum"
ist ca. 25 jahre alt; dass sie damit einer aktuellen diskussion
dessen, was öffentlichkeiten und künste verbindet nicht wirklich
gerecht werden kann, ist offensichtlich.
die einschätzung brittas teile ich nicht ganz, m.e. ist es nicht so,
dass die kulturbehörde kein standing hat in der politik.
durch den vehementen einsatz der kultursenatorin z.b. für das tamm
museum, dem sie nicht nur im werbe-folder ein freundliches lächeln
schenkt, sondern für dessen stiftung sie auch aktiv erhebliche summen
eingeworben hat, wird doch sehr deutlich, dass die kulturbehörde
durchaus inhaltliche setzungen macht, die weit über reine
verwaltungstätigkeiten hinausgehen. und dass die kultursenatorin
diesen einsatz bei kultur-konservativen (reaktionär-neoliberalen)
projekten bringt und klein-töpfe wie individuelle künstlerförderung
austrocknen lässt IST IHRE POLITIK.
die rolle der stadtentwicklungspolitik in zusammenhang mit
kulturpolitik ist etwas komplizierter: klar fließt alles geld in die
hafencity und südlich der elbe, doch tut von welck sich z.b. bei
subvision immer noch schwer damit, das geld rauszurücken. dass genau
so ein "subkultur"-festival den größten image-gewinn bringt, hat sie
noch nicht ganz verstanden, aber ich bin zuversichtlich, dass sie dazu
lernen wird;-)
egal, wo man anfängt über hamburger kulturpolitik nachzudenken, landet
man immer bei der ag bildende kunst, die all die jahre zwar lieb und
nett die jurys besetzt hat, ansonsten sehr zahnlos und unengagiert
daher kam. aber ich glaube, dass habe ich schon öfter mal erwähnt.
lg, c.
Am 06.10.2008 um 20:27 schrieb britta peters:
> etat für kunst im öffentlichen raum, von dem aber auch pflege und
> erhalt vorhandener kunstwerke + denkmäler + ausschreibungen für
> spezielle städtische situationen etc. bezahlt werden müssen, beträgt
> nach meinen letzten recherchen 250.000 e. 10°kunst 2007 war von
> seiten der kb mit 100.000 e ausgestattet. ich bin mir allerdings
> nicht sicher, ob die gesamten 100.000 aus dem 2007 etat stammen,
> kann auch sein, dass da verschiedene jahresetats und töpfe
> zusammengelegt wurden. meiner ansicht nach liegt das hauptproblem im
> moment darin, dass die kb nicht nur finanziell, sondern auch im
> hinblick auf ihre autorität gegenüber den anderen, nicht-
> künstlerischen interessen der politik extrem geschwächt ist: nach
> karl weber und achim könneke, also seit 2001, sind keine externen
> fachkräfte zur leitung des referats bildende kunst/kunst im
> öffentlichen raum mehr berufen worden, dass heißt die gelder werden
> zwar von kompetenten sachbearbeiterinnen verwaltet, aber es gibt
> niemanden mehr der kraft seines amtes aus der behörde heraus eine
> vision oder starke position gegenüber dem senat vertreten kann, die
> ursprünglich und allein aus den diskursen der bildenden kunst kommt.
> projekte wie 10°kunst oder subvision entstehen nicht aus einer
> künstlerischen notwendigkeit, sondern von seiten der kb aus einer
> pragmatischen, d.h. in einem bestimmten, stadtenwicklungspolitischen
> kontext, der zusätzliche gelder verspricht. daraus folgt meiner
> meinung nach nicht, dass alle projekte, die in diesem rahmen
> realisiert wurden oder werden, allein deswegen uninteressant sind,
> aber es fehlt definitiv an einer konservativen, im sinne von werte
> bewahrenden, lobby für projekte, die allein aus den aktuellen
> fragestellungen heraus entstehen, die sich innerhalb des feldes der
> bildende kunst/kunst im öffentlichen raum ergeben. im bezug auf
> kunst im öffentlichen raum würde mich beispielsweise eine
> ausstellung interessiere, die angesichts der aktuellen entwicklungen
> nach kriterien fragt: ist kunst im öffentlichen raum ein genre wie
> malerei oder skulptur und wenn ja, wie definiert es sich?
>
>
> Am 06.10.2008 um 18:48 schrieb 2og at gmx.net:
>
>>
>>
>> die großen allg. zahlenen stehen hier http://www.cultural-economy.eu/documents/kulturwirtschaftsbericht_hamburg_06.pdf
>>
>> im jahr 2007 betrug die programmförderung (nicht kommerzielle
>> kunstorte/räume biku) €140.000 + €35.000 induviduelle
>> projektförderung. was z.b. in div. kunstevents (10°kunst,
>> subvision, etc.) durch anschubs- und sonderfinanzierung seitens der
>> kb hh geleistet worden ist, steht nicht detailiert aufgelistet.
>> diese zahlen müssen wohl gesondert erruiert werden.
>>
>> gruss. oli
>>
>>
>>
>>
>>
>> Tristan von Neumann schrieb:
>>> Die Zahlen müsste doch irgendjemand hier schon haben, sind doch
>>> eine Menge Kulturschaffende unterwegs.
>>> Wer hat die Zahlen und postet sie hier für alle?
>>> Christian 3 Rooosen schrieb:
>>>> hallo t,
>>>>
>>>> tolle recherche,
>>>> die hamburger zahlen als vergleich fehlen nur noch und dann ab in
>>>> die presse damit...
>>>>
>>>> vg
>>>>
>>>> 3 Rooosen
>>>>
>>>> -------- Original-Nachricht --------
>>>>
>>>>> Datum: Mon, 06 Oct 2008 14:47:15 +0200
>>>>> Von: Tristan von Neumann <tristanvonneumann at gmx.de>
>>>>> An: echo at soundwarez.org
>>>>> Betreff: [echo] Kulturförderung woanders
>>>>>
>>>>
>>>>
>>>>> Liebe Echo-Gemeinde...
>>>>>
>>>>> habe mich mal beim Kulturreferat meiner alten Heimat Würzburg
>>>>> erkundigt, was die so für Budgets zur Verfügung haben. Man
>>>>> bedenke, dass es sich um
>>>>> eine kleinere Großstadt mit 130.000 Einwohnern handelt (das
>>>>> entspricht etwa der Einwohnerzahl St.Paulis). Man bedenke
>>>>> außerdem, dass die Stadt Würzburg seit Jahren eigentlich total
>>>>> pleite ist.
>>>>>
>>>>> "im Jahr 2008 betrug der Etat für die Kulturförderung freier
>>>>> Kulturträger in Würzburg insgesamt EUR 431.700,-
>>>>>
>>>>> Davon 131.700 für Festivals etc. und 43.878 für Projektförderung;
>>>>> bei der institutionellen Kulturförderung standen den einzelnen
>>>>> Sparten
>>>>> zur Verfügung:
>>>>> Theater 159.732, Tanz-/Theatergruppen 16.524, Musik 30.294,
>>>>> Bildende
>>>>> Kunst 27.540, kulturelle Gesellschaften und Brauchtumspflege
>>>>> 22.032."
>>>>>
>>>>> Diese Zahlen sollte man mal der Hamburger Kulturbehörde um die
>>>>> Ohren
>>>>> schlagen.
>>>>>
>>>>> Gruß,
>>>>>
>>>>> T*
>>>>>
>>>>>
>>>>>
>>>>>
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>>>>> echo at soundwarez.org
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> Britta Peters
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