[echo] kunst - und politik

max hinderer maxhinderer at web.de
Sat Sep 6 14:54:50 CEST 2008


sehr richtig. dennoch bleibt festzustellen, dass das europäische selbstverständniss in einem komplexen verhältnis zu seinem aussen steht. die bemühung um authentizität oder wirksamkeit durch spezifisch lokale anbindung läuft immer auch gefahr die blinden flecken identitärer politiken zu reproduzieren. statt lokal/universalistisch zu trennen stellt sich vielmehr die frage, wie universalistisch auch der anspruch von lokal artikulierter kritik ist, und wie konstitutiv das koloniale/globale geflecht für das eigene ganz hanseatisch territorialisierte selbstverständnis ist. vor diesem hintergrund finde ich es wichtig die IBA zu befragen, ja. es ist genauso plausibel sich dafür von sogenannten politischen kunstmagazinen und künstlern abgrezen zu wollen, warum nicht. das sollte den auseinanderstzungen mit den anfänglichen fragestellungen nicht im weg stehen.
max


> -----Ursprüngliche Nachricht-----
> Von: "Rahel Puffert" <zonerp at yahoo.de>
> Gesendet: 06.09.08 13:02:52
> An: echo mailingliste <echo at soundwarez.org>
> Betreff: Re: [echo] kunst - und politik


> die relativität einzuschränken wäre, um  (kunst)politisch wirksam zu sein, also angebracht oder?
> es scheint mir ein relativ typisches phänomen für sogenannte politische kunstmagazine und künstler zu sein, den kontext derart auszuweiten und zu "universalisieren" sowie in entfernte regionen (dubai)zu verlegen, das sie für nur sehr wenige überschaubar bleiben. das hat dann die ganz "praktische" funktion, dass von der eigenen verankerung im kunstsystem abgelenkt wird. 
> im gegensatz zu wischi-waschi verallgemeinerungen, die dem relativismus zuarbeiten, hat cornelias einlassung den entscheidenen vorteil, dass der kontext vergleichsweise klar umrissen ist: stadt hamburg, IBA, erfahrungen in  dieser stadt mit leuten, deren arbeit man kennt, schätzt oder auch kritisch begleitet, jedenfalls aber einzuschätzen in der lage ist. damit wird die diskussion beiweitem nicht unterkomplex und sie ist durchaus international. nur sie zwingt einen dazu, sich nicht permanent vor seinem eigenen standpunkt im hier und jetzt zu drücken.
> was auch gar nicht sein muss, wenn man dazu stehen kann (mit aller fehlerhaftigkeit, die nur allzu menschlich ist, ums auch mal ganz universalistisch auszudrücken).
> rahel 
> 
> --- max hinderer <maxhinderer at web.de> schrieb am Sa, 6.9.2008:
> 
> > Von: max hinderer <maxhinderer at web.de>
> > Betreff: Re: [echo] kunst - und politik
> > An: echo at soundwarez.org
> > Datum: Samstag, 6. September 2008, 12:17
> > > nun gibt es künstlerinnen:
> > > - die das nicht wissen
> > > - denen das egal ist
> > > - die es wissen, denen es nicht egal und die es
> > trotzdem machen.
> > 
> > es ist natürlich relativ, aus welcher perspektive solche
> > kategorisierungen überhaupt getroffen werden können und
> > welche art des selbstverständnisses sie implizieren -
> > schließlich gibt es auch in der kunst-arbeit
> > unterschiedliche arten des wissens, die in jeder
> > übersetzung mitschwingen. aber klar: sprechen ohne
> > standpunkt ist schwierig/ (lit.) unerhört. wichtig wird
> > bleiben welche referenzen man im sprechen sichtbar macht und
> > welche nicht.
> > die frage nach der legitimisierenden funktion von kunst,
> > wie sie in cornelias mail anklingt, wird gerade auch
> > anderweitig diskutiert.
> > hier ein aktueller artikel/link zu punkt 3 :
> > http://www.springerin.at/dyn/heft_text.php?textid=2100&lang=de
> > 
> > 
> > 
> > 
> > > -----Ursprüngliche Nachricht-----
> > > Von: "Cornelia Sollfrank"
> > <cornelia at snafu.de>
> > > Gesendet: 06.09.08 11:43:19
> > > An: echo mailingliste <echo at soundwarez.org>
> > > Betreff: Re: [echo] kunst - und politik
> > 
> > 
> > > lieber ole,
> > > 
> > > gute idee dazu eine sendung zu machen. es gab ja
> > kürzlich schon einen  
> > > versuch von ca. 50 hamburger  künstlerinnen im
> > pudel-club sich mit der  
> > > problematik auseinanderzusetzen. in kürze wird es auf
> > THE THING eine  
> > > reflexion dieses abends von mehreren leuten geben. das
> > als  
> > > vorankündigung.
> > > 
> > > allerdings weiß ich nicht, ob die frage, die du
> > stellst, wirklich die  
> > > wichtige ist im moment: was ist von der ausstellung zu
> > halten?
> > > 
> > > sicher kann man die ausstellung als solche betrachten
> > und kritisieren,  
> > > aber die sehr viel brennendere frage ist doch, wofür
> > werden derlei  
> > > ausstellungen und damit die kunst und die
> > künstlerinnen benutzt?
> > > 
> > > die künstlerinnen arbeiten zwar wie gewohnt unter
> > schlechtesten  
> > > bedingungen (vorbereitungszeit 4-6 wochen,
> > projekt-gelder von 5000  
> > > euro reichen kaum um die unkosten zu decken, d.h. die
> > künstlerinnen  
> > > arbeiten unbezahlt oder legen gar noch etwas drauf),
> > doch arbeiten sie  
> > > unter dem label der IBA und setzen durch ihre arbeit
> > prozesse in gang  
> > > bzw. unterstützen diese, die allgemein als
> > fragwürdig eingeschätzt  
> > > werden (aufwertung von stadtteilen, die zum nachteil
> > der bewohner  
> > > gereichen).
> > > nun gibt es künstlerinnen:
> > > - die das nicht wissen
> > > - denen das egal ist
> > > - die es wissen, denen es nicht egal und die es
> > trotzdem machen.
> > > 
> > > nummer 1 kann man durch information helfen, nummer 2
> > kann man gar  
> > > nicht helfen, weil sie eben ein künstlerbild
> > vertreten, in dem  
> > > künstlerinnen nur an sich selbst denken und nicht an
> > die  
> > > gesellschaftlichen implikationen ihres tuns, deshalb
> > finde ich es am  
> > > viel versprechendsten, sich mit nummer 3 zu
> > beschäftigen, den  
> > > künstlerinnen, die wissen, was sie tun und es
> > trotzdem machen,  
> > > vielleicht machen müssen aus bestimmten gründen.
> > > 
> > > es kann nicht darum gehen, dazu zu moralisieren oder
> > zu verlangen,  
> > > dass man absagt. die absage einer solchen einladung
> > ist ein luxus, den  
> > > sich kaum jemand leisten kann. nicht nur nana petztet
> > ist ein gutes  
> > > beispiel dafür, sondern auch ligna, schäfer/czenki,
> > jan holtmann etc.   
> > > (2007)
> > > vielmehr wäre es doch interessant und produktiv mal
> > auszupacken und  
> > > die wirklichen probleme und fragestellungen auf den
> > tisch zu legen:
> > > --wie kann ich mich als künstlerin in so einem
> > konflikt verhalten? was  
> > > gibt es für möglichkeiten?
> > > -- wie kann man offensiv damit umgehen? wie kann man
> > sich mit anderen  
> > > zusammen tun und etwas entwickeln, was mehr ist als
> > halbherziges  
> > > mittun und das hinterher unter den teppich zu kehren?
> > > -- was ist überhaupt noch möglich, wenn kritik von
> > seiten der IBA  
> > > erwünscht ist? ist dann alles, was man tut nur noch
> > reine dekoration?
> > > 
> > > zusätzlich interessant an der situation mit der IBA
> > ist, dass es kein  
> > > einzelfall, sondern teil einer allgemeinen situation
> > ist, in der  
> > > künstlerinnen vermehrt vereinnahmt d.h. auch
> > gebraucht werden,  
> > > gleichzeitig aber nicht wie ernst zu nehmende
> > dienstleister bezahlt  
> > > werden, sondern wenn es um die honorierung geht, sehr
> > schnell wieder  
> > > an das verständnis der künstlerinnen appelliert
> > wird, es sei eben  
> > > nicht genug geld da.
> > > 
> > > nächsten sommer werden wir nicht nur einen neuen IBA
> > kunstsommer  
> > > erleben, sondern zusätzlich ein subvision festival,
> > was alles bisher  
> > > dagewesene in den schatten stellen wird in punkto
> > vereinnahmung.  
> > > vielleicht sollten wir uns also rechtzeitig
> > überlegen, wie man gut  
> > > damit umgeht.
> > > 
> > > im moment sieht es sehr viel nach einzelkämpfertum
> > und opportunismus  
> > > aus in der stadt - und auch in den südlichen
> > vororten. das fühlt sich  
> > > sehr ungut an.
> > > 
> > > lg, c.
> > > 
> > > 
> > > 
> > > Am 06.09.2008 um 00:54 schrieb Ole Frahm:
> > > 
> > > > back to iba
> > > > back to wilhelmsburg
> > > >
> > > > sonntag 7. september 2008
> > > >
> > > > 15-17 uhr
> > > >
> > > > freies sender kombinat
> > > >
> > > > 93,0 MHz
> > > > 101,4 im kabel
> > > > www.fsk-hh.org
> > > >
> > > > im letzten jahr hat kunst und politik auf fsk
> > mehrfach die  
> > > > internationale bauausstellung (iba) in
> > wilhelmsburg mit ihrem motto  
> > > > 'metropole des 21. jahrhunderts'
> > reflektiert. es zeigte sich nicht  
> > > > nur, dass kritik willkommen, sogar gebraucht
> > wird. was kann kunst in  
> > > > dieser situation ausrichten. bis 2013 wird jeder
> > sommer ein 'kunst-  
> > > > und kultursommer'. jedes jahr mit einem
> > anderen motto. dieses jahr -  
> > > > als wäre es vom klimacamp abgelinst -
> > 'klimawandel'. die künstler  
> > > > anke haarman und harald lemke, vormals tetrapak,
> > haben das programm  
> > > > mit künstlern wie joseph beuys, critical art
> > ensemble und nana  
> > > > petzet kuratiert. und das thema ausgeweitet:
> > kultur - natur. was ist  
> > > > davon zu halten? kunst und politik wird
> > akustisches material  
> > > > präsentieren, das antworten ermöglicht.
> > > >
> > > > siehe auch
> > > >
> > http://www.fsk-hh.org/transmitter/kunst_und_politik/46025
> > > >
> > > >
> > > > und unterstützt freies und von allen staatlichen
> > institutionen  
> > > > finanziell unabhängiges radio!
> > > > werdet fördermitglieder des fsk!
> > > > www.fsk-hh.org
> > > >
> > > >
> > > >
> > > >
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> > > > echo at soundwarez.org
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