[echo] Club Hambule

annegret hermann annegret.hermann at googlemail.com
Mon Sep 15 12:48:56 CEST 2008


Lieber Jon,

vielen Dank für diesen Ankündigungstext von Hamburg-Marketing. Ich muss
sagen, dass ich etwas erstaunt darüber bin, wer sich neuerdings alles zur
Produktion von Hamburg-Spektakeln hergibt! Man kann es kaum glauben: LIGNA
waren doch bisher als kritische Künstler bekannt, oder? Machen die wirklich
mit bei diesem Billig-Spektakel, oder ist das ein Fake? Und das
Schwabinggradballett, die haben doch bei der Eröffnung des Tamm Museums auf
dem Protestboot gespielt! Wieso haben die plötzlich die Seiten gewechselt?
Wer ist der Regisseur dieses Vereinnahmungstheaters? Kaffeekränzchen im
Kunstverein und danach inszenierter Aufstand auf Kampnagel! Oh Mann, echt
peinlich.

Zu Deiner Frage: "Würden Kampnagel und Kunstverein es auch nur wagen sich
echten Ärger ins Haus zu holen?"
Zumindest der Kunstverein hatte schon mal richtigen Ärger, 2005, als sich
eine Gruppe von etwas zu kritischen Künstlern in den Vorstand wählen ließ.
Wie die dann reagiert haben? Sie haben die harten Bandagen rausgeholt: Geld,
Juristen und Gesetzestexte und kurzerhand die Wahl für ungültig erklärt.
Soviel zum Geist, der hinter "Hambule" waltet.

Aber vielleicht können Künster es sich heute nicht mehr erlauben Spektakel
zu kritisieren, einfach weil es das nächste Honorar ausfällt? Aber wie schon
berichtet wurde, bezahlen die auch noch schlecht!

Für alle, die sich für weiterführende Lektüre zu dem Thema interessieren:
Richard Sennett, "The Corrosion of Character: The Personal Consequences of
Work in the New Capitalism"

Grüße, A.H.




2008/9/15 jon <info at jonhagen.de>

> Der Text ist von den Hmaburg Werbern:
>
> http://www.hamburg-tourism.de/veranstaltungen/theater/wir-nennen-es-
> hamburg-eroeffnung/
>
> **WIR NENNEN ES HAMBURG – Eröffnung 11.10.2008
>
> Zur Eröffnung des interdisziplinären Kunstfestivals "WIR NENNEN ES HAMBURG"
> von Kunstverein Hamburg und Kampnagel, gefördert durch die Hamburgische
> Kulturstiftung, lassen sie es krachen...
>
> Konzert und Spektakel
>
> Nach der Eröffnung der Ausstellung mit Kaffee und Kuchen um 16:00 Uhr im
> Kunstverein geht es mit dem Shuttle-Bus nach Kampnagel, wo um 19:00 Uhr
> „Perspektive Hamburg" und um 19:30 Uhr die Uraufführung von LIGNAs „Der neue
> Mensch" laufen.
>
> Danach kommt der Umtrunk für alle zum Tanken der nötigen Portion Ausdauer,
> denn dieser Tag und erst die Nacht werden aufregend und lang: Das legendäre
> musikalisch-mobile Aktions-Einsatzkommando "Schwabinggrad Ballett",
> bestehend aus einem heiβen Pool von Musikern, Aktivisten und/oder Künstlern,
> ist bereits bei der Eröffnung im Kunstverein aktiv und wird den Einzug nach
> Kampnagel begleiten.
> Dann kommt die nächste Sensation in Gestalt der Kunstgroβlangzeitband mit
> Hamburger Wurzeln "F.S.K.": Die deutsche Lieblingsband von John Peel, die
> dieser mehrfach zu seinen legendären Sessions einlud, ist seit Anfang der
> 80er aktiv und tonangebend. Mit ihrer in diesem Jahr erschienenen 12. Platte
> übersetzen sie digital geschraubte Beats des zeitgenössischen R&B in
> straighte Songs mit komplexen Rhythmen – und klingen teilweise wie zu ihren
> Anfängen nach frühem Postpunk und Disco.
> Durch die Nacht geht es dann weiter mit den ebenso legendär-charismatischen
> Hamburgern "Boy Division", die ihr neues Vinyl-Album vorstellen und begieβen
> werden, was in der Regel im gemeinsamen Exzess mit dem Publikum endet. Die
> Geheimagentur sorgt bei diesem Spezial-Gig für das konzeptionelle spezielle
> Etwas.
> Und als noch mal Zusatz-Special haben Frank Spilker (Die Sterne, Frank
> Spilker Group) und Kristof Schreuf (Kolossale Jugend, Brüllen) ihre
> tatkräftige Unterstützung angekündigt: Eröffnungsspektakel de Luxe!**
>
>
> Und das zusammenhanglose Zitat von Kampnagel
>
> http://www.kampnagel.de/?page=mission
> **Wir wünschen uns und Ihnen einen gemeinsamen heißen Herbst auf Kampnagel!
> Ihre Amelie Deuflhard**
>
>
> Was bei mir allerdings Fragen zum Kontextzustand des mit dem bonmot "heißer
> Herbst" grüßende Ankündigerinnen aufwirft.
> Aber wer da alles mitmacht ... .
>
> Na, ich ja nicht. Muss ja auch nicht. Aber wurden denn auch ALLE Hamburger
> KünstlerInnen eingeladen?
> Und wenn ja warum eigentlich -
> bzw. warum eigentlich nicht?
> Und will man sich unbedingt von den drei benannten Organspendenden denn
> vereinnahmen lassen?
> Teilnehmen an einem, so zumindest die HAW, "krachendem Spektakel de Luxe"?
> Ich käme mir ausgenutzt vor. So als Staffage für etwas von dem mir bisher
> keiner klar machen konnte was das eigentlich sein soll.
> Außer ... "Es gibt da ja gerade so Projektgelder - sag mal XXX schreibst du
> mal nen Konzept so mit Partizipation und sowas ..."
> Was hat den Kampnagel für ne Geschichte, naja der Kunstverein, wie kommen
> die darauf mich als "hamburger" Künstler institutionalisieren zu wollen?
>
> Aber wie soll man sich darin F.S.K., Ligna, "Hambule"(sehr komisch) und das
> (was ist DAS denn: "legendäre ... Einsatzkommando" - wie kommen
> DIE auf sowas?) Schwabinggrad Ballet vorstellen, Protest (soweit vorhanden)
> goes Pop?
> Würden Kampnagel und Kunstverein es auch nur wagen sich echten Ärger ins
> Haus zu holen?
>
> Hat Kampnagel uns "UNS" dazu eingeladen das wir vier Wochen mit ihren
> Räumen machen können was wir wollen?
>
> Jon
>
>
> Am 14.09.2008 um 23:18 schrieb Cornelia Sollfrank:
>
>
>  DO 16.10. / DO 23.10. / DO 30.10. 21:00
>>
>> Teil des Kunstfestivals WIR NENNEN ES HAMBURG ist der CLUB HAMBULE bis
>> Ende des Jahres jeden Donnerstag auf Kampnagel, der Ein- und Aussichten in
>> künstlerische, politische, partizipative und interdisziplinäre
>> Stadtbetrachtungen eröffnet. Kampnagel präsentiert mit dem Hamburger
>> Kunstverein verschiedene Formate aktueller künstlerischer Praxis im von
>> Christin Vahl neu gestalteten kmh-Raum. Eine lebendige, unberechenbare
>> Mischung aus Diskurs, bildender Kunst, Performance, Musik und ein bisschen
>> Theater wird sich von der Analyse der Bambule-Bewegung und deren
>> Auswirkungen bis hin zu spekulativen Zukunftsgedanken mit der Stadt als
>> politischem Raum auseinandersetzen. Die Formate sind so frei wie die
>> Gedanken und die Künstler selbst.
>>
>> 16.10.: Diskurs-Parcours zum Thema „Nothing changes? Der politische
>> Stadtraum im Wandel".
>> Es diskutieren: Kerstin Stakemeier, Christoph Schäfer, Andrej Holm, Roger
>> Behrens, Amelie Deuflhard, Yilmaz Dziewior, Jan Störmer (angefragt) und
>> Frank John.
>>
>> 23.10.: Film-Parcours mit der Weltpremiere des
>> Performance-Experi-mental-Films HAMBURG GOONIES von Hector Kirschtal. Mit
>> von der Partie sind Arvil Baud, Iris Minich, Juri Englert und Hector
>> Kirschtal, danach Musik und Feierlichkeiten mit „world of waldorf".
>>
>> 30.10.: aktuelle Info zum Programm unter www.kampnagel.de und
>> www.kunstverein.de
>>
>> Das Kunstfestival WIR NENNEN ES HAMBURG wird von der Hamburgischen
>> Kulturstiftung gefördert.
>>
>> Context matters?
>>
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