[Surveillance-Studies-l] Videoüberwachung: Was technisch geht (Computerwelt.at)
hannespueschel at aol.com
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Don Okt 5 22:20:19 CEST 2006
http://www.computerwelt.at/detailArticle.asp?a=107239&n=2
Video-Überwachung: was möglich ist
Roland Kissling
Auf politischer Ebene ist Videoüberwachung immer noch ein Reizthema. Die jüngsten großflächigen Installationen von Wiener Linien und ÖBB brachten die Unternehmen wieder einmal unter die Kandidaten der Big Brother Awards. Was theoretisch aber schon alles möglich wäre, zeigte eine Demonstration von IBM in Wien dieser Tage: vom automatischen Erkennen von Graffiti-Sprayern bis zur VIP-Kundenerkennung im Geschäft.
VON DER ANALOGEN ZUR DIGITALEN ÜBERWACHUNG
Ein wichtiger Schritt für die Video-Forscher war der Schritt von der analogen zur digitalen Videoüberwachung. Digitale Videoüberwachung ermöglicht im Gegensatz zur manuellen Video-Analyse die automatische Erkennung von Personen und eventuellen Problemen. "Die definierten Abläufe lassen das System sogar einen Graffiti-Sprayer erkennen", so Erik-Karl Tupy, Leiter der IBM-Abteilung Digital Video Surveillance (DVS) gegenüber pressetext.
Im Gegensatz zur analogen Videoüberwachung, die sehr viel technisches Equipment - wie Recorder, Switch, Multiplexer - erforderte und die Analyse immer manuell erfolgen musste, sind nach der Digitalisierung der Systeme lediglich Kameras und ein entsprechendes Netz notwendig. Moderne Systeme liefern eine konstant gute Bildqualität, bieten eine Trennung vom Aufnahme- und Speicherort und erleichtern das Suchen und Finden von Bildern. Zudem sind sie kostengünstig umsetzbar, denn eventuell vorhandene Analogkameras können weiterverwendet werden, indem das Bild digitalisiert wird. Als Übertragungsnetz wird das bereits installierte IP-Netz genutzt. "Ab dann geschehen alle Prozesse auf einem Server, einschließlich der Speicherung und Auswertung der Bilder", erläutert Tupy. "Bei analoger Überwachung bringen mehr Kameras nicht automatisch mehr Sicherheit, denn der Wachmann muss nun die doppelte Anzahl an Monitoren im Auge behalten. Die Konzentration fällt nach 22 Minuten auf fünf Prozent ab", führt Tupy aus. Bei der digitalen Überwachung übernimmt der Computer die Wahrnehmung sowie die Aus- und Bewertung. So könne die Konzentration des Wachpersonals allein auf verdächtige Situationen fokussiert und somit eine Erhöhung der Sicherheit erreicht werden.
GRAFFITI-SPRAYER OHNE CHANCE
IBM sieht Anwendungs-Szenarien unter anderem für Unternehmen, die sich gegen Wirtschaftsspionage wehren wollen. Mit Videoüberwachung könnten verdächtige Situationen im Unternehmen erfasst werden. Der Schritt zur Digitalisierung bringe ein mehr an Sicherheit durch automatisierte Abläufe. Ein anderes Anwendungsgebiet abseits der Zutrittskontrolle ist die Überwachung von Orten und Plätzen. Die aufgenommenen Bilder würden auf bestimmte Auffälligkeiten analysiert: So können Überfälle, Raufereien, Dealen oder „Herumlungern“ automatisch erkannt werden. "Die definierten Abläufe lassen das System sogar einen Graffiti-Sprayer erkennen. Die typischen Bewegungen beim Schütteln der Dose oder die ausholenden Bewegungen beim Schreiben an der Wand lassen derartige Verunstaltungen einfach erkennen", schildert Tupy. Einsatzgebiete finden sich auch in der Marktforschung. Personengruppen vor Schaufenstern oder vor TV-Geräten mit Werbefilmen in Geschäften können durch die Videoaufzeichnung analysiert werden. So wird auf die Wirksamkeit der Werbebotschaften oder auf die optimale Anordnung von Ausstellungsstücken in Vitrinen geschlossen. "Dabei geht es nicht darum, die Menschen zu überwachen, sondern nur ihr Verhalten zu beobachten", so Tupy.
GESICHTSERKENNUNG MIT HOHER TREFFER-QUOTE
Auf der Suche nach einem hochsicheren und für den Anwender schnellen Zutrittssystem entwickelten die IBM-Techniker unter anderem ein System zur dreidimensionalen Gesichtserkennung. "Unsere Systeme sind in der Lage, einzelne Gesichter zu erkennen, indem sie mit gespeicherten Profilen in der Datenbank verglichen werden. Das System arbeitet mit einer Fehlerrate von 0,001 Prozent, was bedeutet, dass lediglich einer unter Tausend nicht erkannt und damit abgewiesen wird. Das System braucht zur Erkennung zudem weniger als eine Sekunde. Dadurch wird die Kontrolle nicht zur Belastung der Mitarbeiter, die die Zone mehrmals täglich passieren", erklärt Tupy. Gefüttert wird die Datenbank innerhalb kürzester Zeit, indem das Gesicht mit Infrarot abgefilmt und auf ein Raster gelegt wird. Die einzelnen Rasterpunkte werden gespeichert und als Vektoren in Beziehung zueinander gesetzt, um die Kurven und Krümmungen des Gesichts mit ein zu beziehen.
Als Einsatzgebiet sieht Tupy nicht nur große Unternehmen, sonder auch in Geschäften zum Erkennen der Kunden. "Das System erkenne eine Person beim Betreten des Geschäfts sofort als VIP-Kunden und teilt dies dem Verkäufer mit. Zusätzlich können auch bevorzugte Marken sowie weitere Daten zur Verfügung gestellt werden, die den Verkäufer bei der Betreuung des Kunden unterstützen. (pte/kiss)
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