[Surveillance-Studies-l] Kameras in Rathenow werden abgeschaltet
hannespueschel at aol.com
hannespueschel at aol.com
Tue Nov 13 23:51:44 CET 2007
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11064175/61759/#http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11064175/61759/#
13.11.2007
Der letzte Dreh
Nach sechs Jahren endet die polizeiliche Videoüberwachung in Rathenow
MARKUS KNIEBELER
RATHENOW Die Tage der Videoüberwachung in Rathenow sind gezählt. Einem
Beschluss des Brandenburger Innenministeriums zufolge werden die drei
Kameras, die Ende 2001 auf dem
Außengelände der Diskothek Remix in der
Berliner Straße installiert wurden, Ende des Jahres abgebaut.
Nach Angaben von Jörg Barthel, dem Leiter des Polizeischutzbereichs
Havelland, ist die Einstellung der von vornherein als Pilotprojekt
angelegten Überwachung konsequent. Zwar sei die Zahl der Straftaten im
überwachten Bereich von 30 im Jahr 2002 auf neun im Jahr 2006
zurückgegangen, doch dieser Rückgang sei nicht unbedingt auf die
Kameras zurückzuführen. Vielmehr habe sich das Kriminalitätsgeschehen
in den vergangenen sechs Jahren verändert. So habe die Zahl der
Straftaten im Bereich der Rathenower Polizeiwache sich von 2956 im Jahr
2002 auf 2586 im vergangenen Jahr reduziert. Auch habe sich seit der
Eröffnung der Musikbrauerei im Jahr 2002 die Jugendszene auf mehrere
Standorte verteilt. Das Remix sei schon aus diesem Grunde nicht mehr
der Brennpunkt des Geschehens.
Jörg Barthel bezeichnete die Rathenower Überwachung dennoch als Erfolg.
Bei dem 2001 gestarteten Pilotprojekt sei es darum gegangen zu testen,
für welche Kriminalitätsbereiche die Videoüberwachung das geeignete
Instrument sei. Nach fünf Jahren habe man die nicht unbedeutende
Erkenntnis gewonnen, dass am Rathenower Standort vor allem die
präventive Wirkung der Kamerabeobachtung nicht so groß sei wie erwartet.
Die Gründe dafür liegen Barthel zufolge auf der Hand. Bei den Delikten
vor der Diskothek habe es sich zum überwiegenden Teil um so genannte
"Affekt"-Straftaten gehandelt. Der klassische Fall sei, so Barthel, die
Streiterei unter Jugendlichen. Aus einer verbalen Provokation entwickle
sich blitzschnell eine körperliche Auseinandersetzung. "Die Beteiligten
denken in diesem Moment überhaupt nicht daran, dass sie sich im
überwachten Bereich befinden", so Barthel. Die abschreckende Wirkung
der Kameras gehe gegen Null.
Ganz anders sei die Situation bei Delikten wie Taschendiebstahl und
Sachbeschädigung. Diese Täter seien durch Videokameras sehr wohl zu
beeindrucken. Die Zahl derartiger Straftaten auf dem Vorplatz des
Potsdamer Hauptbahnhofes sei nach dem Start der Videoüberwachung
merklich zurückgegangen, so Barthel. Deshalb blieben die Kameras dort
sowie auf dem Vorplatz des Bahnhofes in Erkner weiterhin installiert.
Jörg Barthel sagte, dass der Abbau der Kameras am Ende auch das
Ergebnis einer nüchternen Kosten-Nutzen-Analyse sei. Was den Material-
und Personalaufwand angehe, sei die Überwachung ein sehr aufwändiges
Verfahren. So müssten die Überwachungsmonitore in der Rathenower
Polizeiwache ständig kontrolliert werden, und das eben auch an Tagen,
an denen auf dem Gelände nicht viel passiere. Effektiver sei es, das
Geschehen am Wochenende, also dann, wenn vor der Disko was los sei, von
den Beamten gezielt beobachten zu lassen. Wenn Polizisten in Fleisch
und Blut Präsenz zeigten, sei die abschreckende Wirkung größer als die
der Kameras.
________________________________________________________________________
Bei AOL gibt's jetzt kostenlos eMail für alle. Klicken Sie auf AOL.de um heraus zu finden, was es sonst noch kostenlos bei AOL gibt.
-------------- next part --------------
An HTML attachment was scrubbed...
URL: http://soundwarez.org/pipermail/surveillance-studies-l/attachments/20071113/0a0cc690/attachment.html
More information about the Surveillance-studies-l
mailing list